Lütjenburg : Freude über junge Perspektiven

Landtagspräsident Klaus Schlie mit Kindern und Matthias Borgward von der Bereichsleitung des SOS-Kinderdorfes.
Landtagspräsident Klaus Schlie mit Kindern und Matthias Borgward von der Bereichsleitung des SOS-Kinderdorfes.

„Bist du mit einer Stretch-Limousine da?“ fragten Kinder Landtagspräsident Schlie bei einem Besuch des SOS-Kinderdorfes in Lütjenburg.

shz.de von
11. Mai 2018, 12:00 Uhr

Hoher Besuch im SOS-Kinderdorf in Lütjenburg. Dass Landtagspräsident Klaus Schlie am Mittwoch dem Kinderdorf einen Informationsbesuch abstattete, war dem achtjährigen Anton in der Wohngemeinschaft „Sprottenkiste“ eigentlich nebensächlich. „Bist du mit einer Stretch-Limousine da?“, wollte er von Schlie wissen, der dies allerdings verneinen musste.

Aber ansonsten verstand man sich gut. Anton erzählte, was er so macht und zeigte dem Politiker aus dem fernen Kiel gerne seinen selbstgebauten Bogen. Immerhin besser, als „das blöde Gedicht“ für die Schule auswendig zu lernen. Im Nebenzimmer machte seine Schwester Angilina gerade mit einer Betreuerin Hausaufgaben. Da wollte Schlie denn auch nicht lange stören. Als SOS-Kinderdorfmutter betreut Sabine Fröhlich derzeit fünf Kinder – einmal drei, einmal zwei Geschwister im Alter von vier bis zehn Jahren. Eben eine typische SOS-Kinderdorffamilie mit einer großen Küche als Mittelpunkt, einem Wohnzimmer für alle und Einzelzimmern nach Geschmack eingerichtet für die Kinder.

Kindern, Jugendlichen und ihren Familien in schwierigen Lebenslagen helfen, das haben sich die SOS-Kinderdörfer weltweit auf die Fahnen geschrieben. In Schleswig-Holstein ist Lütjenburg die einzige Niederlassung im Norden. „Hier wird tolle Arbeit geleistet für diejenigen, die in unserer Gesellschaft am meisten Schutz und Zuwendung brauchen“, so Schlies Fazit nach einem Rundgang durch die weite Anlage und Gespräche mit der Kinderdorfleitung. „Kinder und Jugendliche sind diejenigen, die vor allem in schwierigen Lebenssituationen am meisten Unterstützung benötigen, gerade dann, wenn es ihren Familien alleine nicht schaffen“, so Schlie weiter.

Vor dem Haus trifft der Landtagspräsident auf eine Gruppe von fünf Kindern, die keinerlei Scheu zeigen, mit dem Politiker über die Aussichten von Auf- oder Abstieg und Relegation von HSV, den Kölnern und Holstein Kiel zu fachsimpeln. Fußballfachwissen war hier gefragt und Schlie konnte auch zur Freude der Kinder mithalten. Alltag im SOS-Kinderdorf eben.

Derzeit gibt es im „Dorf“ – eher eine weitläufige Wohnanlage mit Kita, Jugendtreff, Sport- und Spielplatz mit Hüpfburg – zehn Wohngruppen mit 49 Kindern im Alter von 2 bis 19 Jahren. „Wir arbeiten mittlerweile mit 23 Jugendämtern in Deutschland zusammen, deshalb kommen auch viele der Kinder hier nicht aus der Region“, erläutert Matthias Borgward von der SOS-Bereichsleitung. Die Einrichtung bietet jungen Menschen ein neues Zuhause, die aus unterschiedlichsten Gründen nicht in ihren Familien bleiben konnten. Im Kinderdorf leben sie in familienähnlichen Verhältnissen. Jede Gruppe wird von einer Pädagogin betreut, der Kinderdorfmutter. Die Einrichtung in Schleswig-Holstein wurde 1970 gegründet.

„Für Sie stehen junge Menschen im Mittelpunkt. Sie zeigen ihnen neue Perspektiven auf und das ist großartig“, so der Parlamentspräsident. Neben dem Dorf selbst engagiert sich die Einrichtung bei der Schulsozialarbeit in 16 verschiedenen Schulen im Land. In Lütjenburg selbst gibt es dazu noch den SOS-Familientreffpunkt und eine spezielle ausgegliederte Wohnanlage, um Jugendliche auf die Unabhängigkeit im Berufsleben und die Selbstständigkeit vorzubereiten.

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