Schönwalde : Freude über die Freiheit des Freien

Viele Gäste der Vernissage nutzten die Gelegenheit für einen intensiven Austausch mit der Künstlerin Käte Huppenbauer (rechts).
1 von 2
Viele Gäste der Vernissage nutzten die Gelegenheit für einen intensiven Austausch mit der Künstlerin Käte Huppenbauer (rechts).

Über 50 Skulpturen von Käte Huppenbauer bilden eine Ausstellung auf dem Pfarrhof Schönwalde / Kunstwerke bis 18. August zu sehen.

shz.de von
06. August 2018, 13:12 Uhr

Auf dem Pfarrhof Schönwalde sprechen über 50 Skulpturen aus Holz, Bronze und Stein mit den Besuchern einer Ausstellung, die „Sich berühren lassen“ heißt. Die Werke der Künstlerin Käte Huppenbauer tun das nicht nur durch ihre Wirkung auf den Betrachter, sondern auch mittels Aushang: „Wir freuen uns über die Freiheit, im Freien zu stehen,“ heißt es da.

Die 81-jährige Neustädterin beweist Vertrauen in die Besucher des frei zugänglichen Pfarrhofes und lässt ihre Skulpturen bis zum 18. August im Freien stehen. Sie geht sogar noch einen Schritt weiter und ermutigt die Kunstinteressierten, sich nicht nur von der Kunst in der Seele berühren zu lassen, sondern ihre Werke auch im wahrsten Sinne des Wortes zu begreifen.

Die Besucher der Vernissage am Sonnabend machten von diesem Angebot nur zaghaft Gebrauch. Sie tauschten sich lieber intensiv mit der Künstlerin selbst aus, die dabei schnell ins Schwärmen geriet, als sie von der Herkunft einiger Robinienwurzeln berichtete. Sie stammen aus Taizé, was den Titel eines der Stücke, „ein Traum vom Paradies“ erklären dürfte.

„Wer einmal da war, muss immer wieder hin“, fasste Käte Huppenbauer ihre Erzählungen zu ihrem Besuch in der französischen Gemeinde zusammen. Nicht ganz so weit hatten es die Eichenholzbalken aus der Preetzer Klosterkirche. Aus ihnen wurden die drei Skulpturen Gloria, Kyrie und Sanctus gefertigt.

Für Pastor i.R. Christoph Huppenbauer, der auf Wunsch seiner Frau die Worte zur Eröffnung der Ausstellung sprach, ist die Berührung durch die Kunst zugleich sein Zugang: „Mein künstlerischer Sachverstand ist begrenzt. Meinen Zugang möchte ich ,Kunst-Emotions-Verstand‘ nennen.“ Er könne es nicht verstehen, wie beispielsweise die Campbell’s Konservendose von Andy Warhol von Experten hoch bejubelt und für 50 Millionen Dollar versteigert werde.

Für ihn sei es nicht genug, einfach nur kreativ zu sein, um Kunst entstehen zu lassen. „Für mich muss Kunst die Menschen berühren, wenn es Kunst sein soll.“ Man müsse sich die Frage stellen: Was berührt Dich, wenn Du dieses Kunstwerk siehst? Dürers „betenden Hände“ seien nach seiner Auffassung längst zu Kitsch verkommen. Doch wenn man in ihnen die verzweifelten Hände Flüchtender sehe, berührten sie aufs Neue, ja wühlten geradezu auf.

Diese Art der Berührung beginnt für Käte Huppenbauer bereits im Entstehungsprozess. Viele ihrer Werke entspringen einem alten Stück Holz oder einer Wurzel aus denen sie das morsche Innere entfernt. „Wenn man behutsam ist, zeigen sie einem was in ihnen steckt.“, sagt die Künstlerin über ihr Material. In manchen ihrer Werke arbeite sie negative Erfahrungen ihres Lebens auf, sei aber in Gesprächen immer wieder erstaunt, welch andere oftmals positive Wirkungen die Objekte auf andere haben.

Neben der Ausstellung lädt Käte Huppenbauer in ihrem Atelier in der alten Pfarrscheune immer wieder zum Dialog mit ihr persönlich und ihren Arbeiten ein. Sie bietet auch Workshops an.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen