Freude auf das Festspiel-Baby

Freuen sich auf ihr Kind: Anna-Luise Hoffmann und Tobias Hain.
Freuen sich auf ihr Kind: Anna-Luise Hoffmann und Tobias Hain.

Produktionsleiterin Anna-Luise Hoffmann und Trompeter Tobias Hain erwarten pünktlich zum Galaabend ihr Kind

shz.de von
27. Juli 2018, 00:27 Uhr

Sie hält die Fäden zusammen, kann gut organisieren und vermittelnd kommunizieren – dafür liebt sie nicht nur ihr Mann. Anna-Luise Hoffmann ist seit diesem Jahr die feste Produktionsleitung der Eutiner Festspiele und war die vier Jahre zuvor Regie-Assistenz und Inspizienz in einem. „Ich arbeite gern für zwei und jetzt kann ich das auch laut sagen“, sagt sie und schaut schmunzelnd auf ihren Bauch.

Dieser wird seit Wochen größer. Nicht etwa, weil schmeckt, was in der neuen Kantine der Opernscheune geboten wird, sondern weil Hoffmann und ihr Freund Tobias Hain Nachwuchs erwarten. Obwohl es für beide eine Überraschung war, könnte der Stichtag für das erste Festspielbaby nicht passender sein: zur Generalprobe des Galaabends.

Anna-Luise Hoffmann kann sich noch gut erinnern, wie sie „ihren“ Trompeter aus dem Orchester der Kammerphilharmonie Lübeck das erste mal wahrgenommen hat – er auch. „Ich habe gemeinsam in der Pause mit einem Orchesterkollegen hinter dem Vorhang eine geraucht, sie kam an und hat uns zur Sau gemacht, dass die Gäste für das Geld, das sie zahlen, wohl etwas besseres erwarten dürfen als zwei dicke rauchende Blechbläser.“ Heute lachen beide am Ende dieser Schilderung. Hoffmann war damals neben der rechten und der linken Hand der Intendantin als Inspizienz für das Gelingen des Abends verantwortlich – vom Einlass bis zum Funktionieren der Technik und Anwesenheit aller Künstler. „Und rauchende Musiker, an denen die Gäste vorbeilaufen müssen, ging gar nicht“, schiebt sie nach.

Noch bevor Anna-Luise Hoffmann in die Schule kam, begleitete sie ihren Vater, damals Regisseur und später auch Intendant am Theater, regelmäßig zur Arbeit. „Ich habe dann bei der Statisterei mitgemacht, irgendwann auch beim Abendeinlass und nach dem Abi habe ich ein Praktikum in der Dramaturgie gemacht.“ Dann gab es einen Engpass bei der Assistenz und sie durfte einspringen, machte drei Stücke lang einen guten Job und bekam schließlich die erste feste Stelle. „Einmal Theater, immer Theater. Die Begeisterung lässt einen nicht los“, sagt die 37-Jährige. Die Arbeit mit Menschen und die immer neuen Herausforderungen lassen nie Langeweile aufkommen, so Hoffmann. „Und weil man alle zwei bis drei Monate woanders unterwegs ist und auf immer neue Menschen, Bedürfnisse und Gegebenheiten trifft, lernt man unheimlich viel, bleibt frisch und behält einen wachen Geist.“ Sie war in Magdeburg, Augsburg, Potsdam, Berlin, Wien – und Eutin.

Bei der Arbeit für die Festspielsaison 2014/15 trafen die beiden erstmals aufeinander, gefunkt hat es etwa ein Jahr später. „Beim ersten Mal hat sie mir einen sehr liebevollen Korb gegeben“, erinnert sich Tobias Hain. „Ich war frisch getrennt und wollte einfach mal für mich, mal nur Single sein“, erklärt sie. Doch irgendwann funkte es, sie nahm an seinem Geburtstag den Kontakt wieder auf – und brachte Ordnung in sein Leben. „Ich hab wirklich alle Klischees eines Singlemannes erfüllt. Ich bin eher Chaos und Körperverletzung, Anna ist ordentlich, organisiert, total liebevoll und hat mehr Verständnis für meine Fehler, als ich jemals aufbringen könnte“, sagt der 39-Jährige. „Wir ergänzen uns einfach super gut, haben uns immer etwas zu erzählen und ich liebe es, dass ich so viel mit ihm Lachen kann“, sagt Anna Hoffmann.

Teamplayer sein, sich selbst als einen Teil des großen Ganzen zu begreifen, war und ist Bestandteil ihrer Arbeit bei den Festspielen. „Ich versuche zwischen Künstlern und Technikern zu vermitteln und ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass die Gewerke sich füreinander interessieren müssen. Nur wenn alle wirklich zusammen arbeiten, wird es ein großes, gutes Ganzes“, ist Hoffmann überzeugt. Wie alle anderen im Festspiel-Team freue es sie riesig, in ihrem neuen Chef Falk Herzog jemanden gefunden zu haben, der „richtig Lust hat, sich für die Festspiele zu engagieren“. Er habe eine tolle Art, auf Menschen zuzugehen, wirke authentisch und das spüren die Menschen. Das Feedback von Ensemble und Gästen sei bislang durchweg positiv. „Es ist total schön, wenn sich das in ausverkauften Vorstellungen zeigt. Ich stand mit Romely Pfund bei der ersten ausverkauften Lady am Orchestergraben und wir hätten vor Freude losheulen können, weil es so schön ist, das endlich wieder in Eutin zu erleben“, sagt Hoffmann. „Wir wollen irgendwann dahin kommen, dass die Menschen uns nicht nur wegen der großen Titel besuchen, sondern weil sie wissen, was sie hier für eine Qualität geboten bekommen und mit Falk Herzog wird uns das gelingen, davon bin ich überzeugt“, sagt sie. Und wie geht es privat weiter? „Gut“, beide lachen. „Wir können das zum Glück relativ flexibel handhaben. Ich werde noch so viel wie möglich für den Galaabend vorbereiten und ich muss zu Beginn eines Jahres auch nicht zwingend persönlich hier sein, da sind Internet und Telefon ganz praktisch. Und Omas gibt es auch noch“, sagen beide zuversichtlich. Die Pläne für die nächste Spielzeit gestaltet sie – wie die Spielzeit im nächsten Jahr selbst auch – als Produktionsleiterin mit. Nur dann eben ohne Bauch und mit Sohn.

Namen werden nicht verraten: „Tipps von unseren Freunden gab es genug. Aber wir haben eine ganz gute eigene Liste mit unseren Favoriten, werden ihm ins Gesicht schauen, wenn er geschlüpft ist und uns dann festlegen“, sagen beide. Sie sind entspannt, etwa fünf Wochen haben sie noch. Was war anders in der Spielzeit mit Babybauch? „Ich vermisse Mettbrötchen wirklich. Ich habe glücklicherweise keine Beschwerden und denke während meiner Arbeit auch nicht laufend an meinen Bauch. Aber Mettbrötchen lautet mein großer Wunsch direkt nach der Geburt“, sagt sie. Bleibt ihr Bauchgefühl so gut wie derzeit, werde sie auf jeden Fall zur Generalprobe am 30. August kommen – aus Verantwortungsgefühl und Leidenschaft.

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