Eutin : Freiwillig dienen und klüger werden

Vier Schulabgänger berichteten in der Kreisbibliothek über ihre Erfahrungen mit Diensten wie dem Freiwilligen Sozialen Jahr.

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20. Oktober 2011, 10:06 Uhr

Eutin | Die einen tun es aus Überzeugung, die anderen nehmen es als willkommene Gelegenheit, die Wartezeit bis zum Beginn des Studiums zu überbrücken - immer hoffen sie, etwas Sinnvolles zu tun und dabei wertvolle Erfahrungen zu sammeln: Schulabgänger, die einen freiwilligen Dienst absolvieren. Am populärsten ist dabei wohl das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ). Es gibt aber auch das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) oder den Freiwilligendienst des Bundesentwicklungsministeriums, der mit dem Schlagwort "weltwärts" für sich wirbt. In der Kreisbiliothek berichteten jetzt vier junge Leute auf Einladung des Friedenskreises Eutin über ihre Erfahrungen.

Claas Busche arbeitet in der museumspädagogischen Abteilung der Kunsthalle Hamburg. In einem persönlichen Interview wurde er zusammen mit einer anderen Hamburgerin aus zwölf Bewerbern ausgewählt. Er organisiert Führungen für Kinder, geht mit Heranwachsenden durch ausgewählte Abteilungen des Hauses, organisiert Termine und betreut Kinder bei eigenen schöpferischen Versuchen in den Räumen der Museumspädagogik. Wichtig erscheint ihm Flexibilität, was Bewerbungsort und Einrichtung betrifft. In Berlin hatte er mit seiner Bewerbung an einigen Theatern kein Glück.

Ein Jahr auf einem Bio-Bauernhof in der Nähe Neumünsters hat Fiona Iden gearbeitet. Die Tätigkeit auf dem Hof, der seine landwirtschaftliche Basis mit einem Hofladen, Fremdenzimmern, Kinderwochen, Zucht alter Haustierrassen und Demonstrationen alter Handwerkstechniken stärkt, hatte konkrete Auswirkungen auf ihren Studienwunsch. Statt Betriebswirtschaft will sie nun Agrarwissenchaft studieren. Ihr ist klar geworden: Energiepflanzen, Biodiversifizierung, Selektion Trockenheit-verträglicher Pflanzen und der Ersatz immer teurer werdender Phosphatdünger durch andere ertragssteigernde Maßnahmen werden in Zukunft von großer Bedeutung sein und müssen weiter erforscht werden.

Nachdem sie bei der Aktion "weltwärts" ein Jahr "Mädchen für alles" an einer Schule in Daressalam (Tansania) war, studiert Lisa Bendiek nun in Hamburg Ethnologie. In Tansania baute sie etwa den Kontakt über Internet mit einer deutschen Schule auf, unterwies Kinder und Jugendliche in Fragen von Krankheitsverhütung, Energiesparen und erneuerbaren Energien. Mit zwei deutschen und zwei tansanischen Mädchen bewohnte sie eine kleine Wohnung, kochte mit einem Kohleofen und lernte gänzlich andere Lebensmaßstäbe und -ansichten kennen. Die seien einer Europäerin ohne entsprechende Ausbildung kaum verständlich, findet Lisa Bendiek, weshalb sie ihr Hauptstudienfach um Psychologie erweitert hat.

Franziska Kampen warb für den starken inneren Impuls, der ein FSJ in jedem Fall untermauern sollte. Vorkenntnisse seien für ihre Entsendung über die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste nicht erforderlich gewesen, entscheidend sei für die Organisation ihr Wunsch gewesen, etwas im Sinne der Sorge für andere zu tun. Franziska Kampen hatte sich in den Niederlanden mit den Folgen der Judenverfolgung durch die Nationalsozialisten befasst, Seminare gegen Rechtsextremismus organisiert und Aufklärungsaktionen unterstützt. Andere Teilnehmer der Aktion seien in ehemaligen Ostblockländern, Israel, aber auch den USA vor allem in Hilfseinrichtungen für Kranke und Behinderte tätig gewesen. Das vierwöchige Abschluss-Seminar habe in Bukarest stattgefunden. Bei ihrem Vortrag war Franziska Kampen noch immer die Begeisterung für die ungewöhnlichen Menschen anzumerken, denen sie begegnet ist und mit denen sie noch in regelmäßigem Kontakt steht.

Die freiwilligen Dienste bieten nicht nur die Möglichkeiten, in weitgehender Selbstverantwortung und im Schutz sowie mit Förderung einer erfahrenen Institution des sozialen Lebens andere Lebensumstände, Kulturen und Menschen kennenzulernen. In dieser Zeit finden außerdem mindestens für fünf Wochen sachbezogene Seminare statt. Neben Kindergeld wird ein Taschengeld von etwa 300 Euro gezahlt, zudem gibt es einen dreiwöchigen Urlaub. Alle Sozialversicherungen werden vom Träger der Maßnahme übernommen. Bei Auslandsaufenthalten werden Fahrt- und Unterbringungskosten getragen.

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