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Ostholsteiner Anzeiger

22. Oktober 2017 | 23:54 Uhr

Freischütz ist nach sechs Jahren zurück

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die Oper des Eutiner Sohnes Carl Maria von Weber ist in der 66. Spielzeit der Festspiele weiblich dominiert – und kein markiges Kriegsheimkehrer-Drama

von
erstellt am 17.Jun.2016 | 11:39 Uhr

Alle reden vom Wetter, besonders dieser Tage, denn heute starten die Eutiner Festspiele in ihre 66. Spielzeit – mit einem Programm, dem eigentlich nur Sturm und Hagelschlag die Zuschauer vergraulen können. Intendantin Dominique Caron inszeniert mit Carl Maria von Webers „Der Freischütz“ und Georges Bizets „Carmen“ Bewährtes neu. Die Premiere der neuen Freischütz-Inszenierung beginnt heute Abend um 20 Uhr, es gibt noch Karten – allerdings nicht mehr viele, wie es gestern hieß.

Die Jägerburschen Max und Kaspar als traumatisierte Kriegsheimkehrer? Engstirnigkeit, die sich als Dorfidylle, Herzlosigkeit, die sich als Teufelsgabe tarnt? Sechs Jahre ist es her, dass Kay Kuntze eine „Freischütz“-Inszenierung auf die Freilichtbühne brachte, die etlichen der treuen Festspiel-Besucher gehörig über die Hutschnur ging.

Keine Waldidylle, nirgends, stattdessen Ironie und Satire, und das ausgerechnet im 60. Festspieljahr – Kuntze fuhr einige Schelte ein für diese Inszenierung. 2016 kann der „Freischütz“ nicht anders, als anders zu sein. Fünf weitere Male ist er nach der Premiere zu sehen.

Beim Bühnenpersonal ist keiner mehr dabei aus der „Skandal“-Garde, Susanne Braunsteffer, vergangenes Jahr als „Aida“ zu erleben, singt die Agathe, Daniel Pataky den Max, Christian Sist den Kaspar, Julia Bachmann das Ännchen, Markus Stolberg den Samiel.

Noch eine Rarität: Am Pult des Festspielorchesters steht Romely Pfund, eine der wenigen Dirigentinnen. Sie hatte vergangenes Jahr in Lübeck „Der Operndirektor“ dirigiert, war unter anderem Generalmusikdirektorin der Neubrandenburger Philharmonie, leitete das Gewandhausorchester Leipzig und die Dresdner Philharmonie. Seit 2013 betreut sie als Dozentin an der Musikhochschule Lübeck Opernprojekte. Mit ihr, der Chorleiterin Doris Vetter, Dominique Caron als Regisseurin und Ursula Wandaress (Bühnenbild) ist der „Freischütz“ wie nie zuvor weiblich dominiert – und eben ganz anders als ein markiges Kriegsheimkehrer-Drama.

Mindestens ebenso gespannt darf man 2016 auf die „Carmen“ sein, die am 8. Juli Premiere hat (öffentliche Generalprobe am 6. Juli) und danach weitere sechs Mal aufgeführt wird. Drei Jahre zwischen zwei Inszenierungen der gleichen Oper sind eine kurze Zeit. Leicht wird es nicht, mit der neuen Inszenierung eine adäquate oder gar reizvollere Arbeit vorzulegen. Damals war es Caron gelungen, eine spanische Fiesta aufzuführen, in die
das Tragische wie selbstverständlich eingebettet war.

In der Titelrolle wieder mit dabei ist die vor drei Jahren umjubelte Milana Butaeva, als der ihr verfallene Don José ist Eduardo Aladrén zu erleben. Wie beim „Freischütz“ soll auch bei der „Carmen“ ein Gutteil der Spannung aus dem Orchestergraben erwachsen, wo, wie berichtet, nach dem Festspielorchester in diesem Sommer mit dem neuen Klangkörper namens „KaPhil!“ ein zweites Orchester aufspielt. Sein Mitbegründer Leo Siberski wird es durch „Carmen“ und „Vogelhändler“ führen.

Siberski, bekannt für Crossover- und Jugendprojekte, ist ebenfalls seit einigen Jahren im Norden verortet. 2011 bis 2015 war er stellvertretender GMD und 1. Kapellmeister in Kiel, wo er gerade „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ und das Live-Orchester zum Stummfilm „Nosferatu“ dirigierte.

Der „Vogelhändler“ wiederum dürfte sich als Selbstgänger gestalten. Insgesamt sieben Mal (Start: 20. Juli) wird die Wiederaufnahme der Carl-Zeller-Operette gezeigt, die vergangenes Jahr ihr Publikum mit Nummern wie „Ich bin die Christel von der Post“, „Fröhlich Pfalz, Gott, erhalt’s“, „Schenkt man sich Rosen in Tirol“ zuverlässig und unbeschwert unterhalten hat.

Das Personal ist in weiten Teilen das alte. Die Christl wird allerdings von Katharina Kühn gegeben, die dem Internationalen Opernelitestudio des Theater Lübeck angehört.

Abgerundet wird der 66. Eutiner Festspielsommer mit Carl Orffs „Carmina Burana“ (2. Juli) und beendet mit der Movie Night „Lichter der Großstadt“ am 27. August.

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