Freier Markt und Kinderarmut

Kurzes Treffen am Rande: Peter Endler (von links), stellvertretender Landesvorsitzender der Multiple-Sklerose-Gesellschaft, sprach kurz mit Franz Müntefering, Andreas Leicht und Bettina Hagedorn. Foto: Krauskopf
Kurzes Treffen am Rande: Peter Endler (von links), stellvertretender Landesvorsitzender der Multiple-Sklerose-Gesellschaft, sprach kurz mit Franz Müntefering, Andreas Leicht und Bettina Hagedorn. Foto: Krauskopf

Ein Unternehmer muss nicht unbedingt für einen grenzenlosen Wettbewerb sein, und ein SPD- Spitzenpolitiker muss keine Grundsicherung für Kinder befürworten. Beides zeigte gestern der Besuch von Franz Müntefering im Hansa-Park.

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16. September 2009, 10:37 Uhr

Sierksdorf | Andreas Leicht, persönlich haftender Geschäftsführer des Hansa-Parkes, ist auf Neutralität bedacht. Auf der Begrüßungstafel am Eingang des Hansa-Parks stand gestern "Herzlich willkommen, Bundesvorsitzender Franz Müntefering" - ohne den Zusatz SPD.

Doch bei der Erläuterung der Firmenphilosophie ließ Leicht gelegentlich Sympathie für SPD-Positionen und die mittlerweile schon historische Warnung Münteferings vor ausländischen Investoren mit "Heuschreckenmentalität" erkennen. Das familiengeführte Unternehmen Hansa-Park habe sich gegenüber Unternehmen, hinter denen Konzerne stehen, behaupten können, sagte Leicht.

Die Gewinne würden nicht "abgezogen", sondern jedes Jahr wieder investiert. Dabei habe man durchaus den demografischen Wandel im Blick. In naher Zukunft werde der Park verstärkt ältere Gäste ansprechen müssen.

Die Liberalisierung der Märkte hat, wie Leicht weiter ausführte, nicht nur Vorteile gebracht. Als Beispiel nannte er den freien Markt für Versicherungen: Anfangs sei es schwierig gewesen, überhaupt eine Versicherung zu finden, die bereit gewesen sei, ein Risiko von 30 Millionen Euro zu decken.

Ohne nennenswerte Einsparungen sei auch der Wettbewerb auf dem Energiemarkt geblieben. Und bei Verhandlungen mit Konzernen zeige sich, dass - zum Beispiel beim Bezug von Getränken - der Hansa-Park zu klein sei, um als ernsthafter Kunde wahrgenommen zu werden.

Zum Glück sei der Hansa-Park nicht auf große Darlehen angewiesen, sondern finanziere große Investitionen weitgehend aus dem Gewinn. Und wenn Kredite gebraucht würden, arbeite man mit der Sparkasse als regionalem Institut zusammen.

Eine ähnliche Offenheit zeigte Franz Müntefering im Gespräch mit Vertretern des Deutschen Kinderschutzbundes, darunter die Landesvorsitzende Irene Johns und die Mitglieder der Geschäftsführung des Kreisverbandes, Bernd Heinemann und Martin Liegmann. Der Forderung von Johns nach einer Grundsicherung für Familien mit Kindern als Maßnahmen gegen Kinderarmut setzte Müntefering entgegen, dass mehr Geldleistungen für betroffene Familien nicht die Lösung seien: "Wer sagt denn, dass dieses Geld wirklich den Kindern zugute kommt."

Die SPD setze stattdessen auf qualifizierte öffentliche Einrichtungen zur Unterstützung von Kindern aus armen Familien, aber auch auf den Ausbau von Kinderkrippen und -tagesstätten, damit Alleinerziehende überhaupt die Chance erhielten, arbeiten zu können. Klar sei, dass es eine gemeinsam Aufgabe von Bund, Ländern und Kommunen sei, die Situation für Kinder zu verbessern. Dazu müsse dringend wieder die Verfassung verändert werden, in der auf Betreiben von CDU-regierten Ländern ein sogenanntes Kooperationsverbot verankert worden sei.

Wichtig sei aber auch das Engagement auf lokaler Ebene, ergänzte die Bundestagsabgeordnete Bettina Hagedorn. So warteten 26 Millionen Euro an Bundesmitteln für Kinderkrippen in Schleswig-Holstein auf Abruf, nur 54.000 Euro seien bislang ausgezahlt worden. Auch in Ostholstein behindere die Kreisverwaltung die Umsetzung dieses Programmes: "Leider hat sich der Landrat noch nicht dieses Themas angenommen."

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