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Frauenhäuser überfüllt – Ostholstein sucht Ersatz

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Landesweit wurden mehr als 3000 Frauen und Kinder abgewiesen / Neues Heim gesucht

shz.de von
erstellt am 02.Dez.2017 | 00:51 Uhr

Es gibt 14 autonome Frauenhäuser in Schleswig-Holstein und alle haben das gleiche Problem: zu wenig Platz. „Im vergangenen Jahr mussten zwischen 3000 und 4000 Frauen und Kinder abgewiesen werden, weil kein einziger Platz mehr frei war“, sagt Aminata Touré, Grünen-Sprecherin für Frauen und Gleichstellung. Gemeinsam mit Vertretern ihrer Landtagsfraktion, darunter die Abgeordnete Marlies Fritzen aus Ostholstein und Marret Bohn, folgte sie gestern einem Hilferuf des Frauenhauses Ostholstein.

„Wir mussten in diesem Jahr 95 Frauen mit ihren 110 Kindern abweisen, weil wir keinen Platz mehr hatten“, schildert Sybille Rohowsky, langjährige Mitarbeiterin des Frauenhauses Ostholstein, das 15 Plätze hat. Abgewiesenen Frauen bleibe nur der Weg in ein anderes Bundesland oder zurück in die Gewaltbeziehung. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen zeigte Rohowsky den Politikerinnen, auf welch beengten Verhältnissen sie versuchen, traumatisierten Frauen und Kindern eine Stütze zu sein. „Wir brauchen dringend eine Lösung.“ Sie wünsche sich eine neue Bleibe, die das Frauenhaus Ostholstein derzeit händeringend suche, mindestens fünf Plätze mehr, ebenso Raum für Notfallaufnahmen oder Rückzugsorte. Das sei derzeit gar nicht möglich; in dem beengten Gebäude – Baujahr: um 1900 – teilten sich fünf Personen 18 Quadratmeter.

„Das ist in den Situationen, in denen die Frauen Schutz suchen, eine Zumutung“, sagt Marret Bohn, Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen und Sprecherin für Gesundheit und Soziales. Es gehe um menschenwürdiges Unterbringen. Im Norden fehlten in Frauenhäusern rund 130 Plätze. Im Koalitionsvertrag sei es auf Betreiben der Grünen ein wichtiges Thema gewesen. Per Antrag von Grünen, CDU und FDP sei ein Sofortprogramm für die Sanierung sowie Ausbau, Miete oder Kauf von Immobilien für Frauenhäuser kürzlich auf den Weg gebracht worden. In Ostholstein liefen derzeit die Gespräche mit Landrat und Wohnungsbaugenossenschaften auf allen Ebenen, wie die Gleichstellungsbeauftragte des Kreises, Silke Meints, sagt, um möglichst schnell Abhilfe zu schaffen.

Neben Platzmangel ist die Mietkostenpauschale für Nettokaltmieten ein Thema. Die Summe pro Platz sei zwar vom Land erhöht worden, decke aber nicht die realen Kosten. Hinzu komme der angespannte Wohnungsmarkt: „Für Alleinstehende oder Frauen mit mehr als drei Kindern finden wir keine Wohnungen. Die Frauen bleiben deshalb nicht Monate, sondern teils Jahre auf Frauenhäuser angewiesen.“

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