„Frauen schlagen geht gar nicht“

Deutsche helfen Syrerin beim Streit mit Ex-Mann

shz.de von
22. Juni 2018, 00:25 Uhr

Die Zeugen, die die wilde Auseinandersetzung zwischen Abdul A.* (31) und seiner getrennt lebenden Frau Damaris B.* (25) in der Regionalbahn von Eutin nach Pönitz beobachteten, haben den Inhalt des arabischen Wortgefechts nicht verstanden. Doch als er immer wieder zuschlug, war eine Grenze überschritten. Zwei Männer und ein junges Mädchen halfen ihr, riefen die Polizei und hielten den Ex-Mann bis zu deren Eintreffen in der Zugtoilette gefangen.

Abdul A. musste sich gestern vor dem Eutiner Amtsgericht wegen zweifacher Körperverletzung in Tateinheit mit Bedrohung verantworten und wurde zu insgesamt 2400 Euro Geldstrafe verurteilt. Aber wichtiger noch schien der Hinweis der Staatsanwaltschaft: „In Deutschland darf keiner verletzt werden.“ Denn im Rahmen seiner teils geständigen Aussage machte er mehrfach deutlich, dass es in Syrien „normal sei“ und die eigene Frau geschlagen werden könne. Richterin Anke Erlenstädt reagierte prompt: „Das ist in Deutschland verboten. Frauen schlagen geht gar nicht.“

Was war passiert? Abdul A. und Damaris B. waren mit ihren beiden Kindern (zwei und vier Jahre) bei der Ausländerbehörde in Eutin, wollten mit dem Zug zurück nach Fehmarn fahren. Schon auf dem Bahnsteig soll er sie beleidigt, im Zug später mehrfach geschlagen und getreten haben – die vierjährige Tochter mittendrin auf dem Schoß der Mutter. „Sie hat geweint“, sagte Damaris B. vor Gericht. Die 25-Jährige wollte trotz Zeugnisverweigerungsrecht aussagen – unter einer Bedingung: „Er darf mich nicht unterbrechen und erst reden, wenn ich fertig bin“, bat sie die Richterin.

Auslöser für seine Aggressionen soll ein Anruf aus Syrien gewesen sein, erzählte Abdul A. im Gericht. Er habe erfahren, dass Verwandte bei einem Bombenangriff gestorben seien. Seine Frau habe dann etwas Verletztendes gesagt und er sei ausgerastet. Die Richterin stutzte, denn bei der ersten Vernehmung der Polizei sei davon keine Rede gewesen.

Damaris B. schilderte indes, dass sie Spaß gemacht hatten, den er als solchen nicht verstand. Er habe sogar versucht, mit den Kindern abzuhauen, soll mit ihnen zum Jugendamt gegangen, später aber doch zum Zug zurückgekehrt sein. Im Zug selbst ging das Wortgefecht weiter. „Er ist dermaßen ausgeflippt, hat mich mit sehr schlimmen Worten beschimpft “, sagte Damaris B.. Er habe sie geohrfeigt, ihr das Handy weggenommen, geschubst und ihr mit dem Feuerzeug gedroht: „Wenn wir zuhause sind, werde ich dich umbringen.“ Sie selbst habe gezittert, sei panisch gewesen, berichteten Zeugen. Eine 15-jährige Schülerin hatte die Polizei verständigt, die in Pönitz zustieg und den bis dahin von zwei Männern in der Zugtoilette festgehalteten Syrer festnahm. „So eine Aggression habe ich noch nicht erlebt“, berichtete einer von ihnen. Die Richterin riet: „Ich hoffe, dass sie daraus etwas lernen und nicht das, was passiert ist, ihrer Frau vorwerfen und es zur nächsten Tat kommt.“ Er nickte.

                  * Namen geändert

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