Nach privater Zeugenfahndung : Frau in Sereetz geschlagen – Polizei gibt neue Täterbeschreibung heraus

Der Mann, der in der Silvesternacht eine 57-Jährige zusammengeschlagen haben soll, wird als „orientalisch“ beschrieben.

shz.de von
03. Januar 2018, 16:49 Uhr

Sereetz/Lübeck | Es ist ein außergewöhnlicher Fall für die Polizei in Lübeck: In der Silvesternacht soll ein unbekannter Mann in Sereetz (Kreis Ostholstein) einer 57-jährigen Frau ins Gesicht geschlagen haben. Sie wurde mit großflächigen Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. Nach wie vor ist der Täter auf der Flucht. Doch nicht der Zeugenaufruf der Polizei sondern der des Sohnes der Frau verbreitete sich deutschlandweit auf Facebook zehntausendfach. Die darin enthaltene Täterbeschreibung als „syrischer arabischer Herkunft“ hatte die Polizei am Dienstag als nicht gesichert und „mit dem Prinzip des Rechtsstaats nicht vereinbar“ kritisiert. Der Urheber des Facebook-Beitrags hatte dazu aufgerufen, Fotos von Personen zu machen, auf die seine Täterbeschreibung zutreffe und ihm diese anschließend zuzuschicken.

Am Mittwoch veröffentlichten die Ermittler nun eine neue Täterbeschreibung. Demnach wird das Erscheinungsbild des Tatverdächtigen als „orientalisch“ beschrieben. Es soll sich „vom westeuropäischen Erscheinungsbild unterscheiden“. Nach derzeitigem Ermittlungsstand suche die Polizei einen schlanken, trainierten und etwa 1,70 bis 1,75 Meter großen Mann im Alter von etwa 17 bis 20 Jahren.

„Der Mann soll kurze, sehr dunkle Haare tragen, der Pony fällt leicht in die Stirn. Besonders auffällig sollen die markanten Gesichtsknochen und ein über die Backen verlaufender Bart, der sich über dem Kinn schließt, sein“, so Polizeisprecher Ulli Fritz Gerlach. Besonders markant sei ein sonnengelber, gestrickter Pullover mit Rundhalsausschnitt, den der Täter getragen haben soll. Dazu habe er ein schwarze Hose getragen. Hintergrund der neuen Täterbeschreibung: Am Mittwoch habe sich die Geschädigte persönlich gegenüber der Polizei geäußert und eine detaillierte Personenbeschreibung mitgeteilt.

Der private Zeugenaufruf auf Facebook:

In einer ersten Polizeimeldung am Dienstag hieß es zur Herkunft des mutmaßlichen Täters: „Hinweise auf eine bestimmte Nationalität des Tatverdächtigen legen der Polizei der aktuellen Beschreibung nach nicht vor.“ Die Polizei ermittele weiter wegen des Verdachts der Körperverletzung und suche Zeugen, die Angaben zu dieser Person machen können. Sachdienliche Hinweise werden unter der Telefonnummer 0451/131-0 entgegen genommen.

Der private Fahndungsaufruf auf Facebook hatte für heftige Reaktionen gesorgt. In den Kommentaren wurde die Stigmatisierung von Syrern und Arabern durch die nicht durch die Polizei gesicherte Täterbeschreibung kritisiert. Auf der anderen Seite riefen einige Nutzer offen zur Selbstjustiz auf. Polizeisprecher Ulli Fritz Gerlach sagte gegenüber shz.de am Dienstag, dass private Fahndungsaufrufe die Ermittlungen behindern können. Hinweise auf den Tatablauf oder einen Täter seien nur an die Polizei weiterzugeben. Werden zudem Fotos von Menschen veröffentlicht, könne dies ein Verstoß gegen das Recht am eigenen Bild sein. Nutzer würden sich so strafbar machen.

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