Franz-Michael Deimling komponierte schon über 345 Werke

„Es ist Erholung für mich, in den Klängen zu regenerieren“: Franz-Michael Deimling liebt die Musik und das Prinzenhaus, in dem er seit 2002 sein Büro hat.
„Es ist Erholung für mich, in den Klängen zu regenerieren“: Franz-Michael Deimling liebt die Musik und das Prinzenhaus, in dem er seit 2002 sein Büro hat.

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11. Juni 2018, 12:21 Uhr

Franz-Michael Deimling ist seit 30 Jahren Leiter der Kreismusikschule (KMS) Plön und hat aus der Institution „die Schule mit der besonderen Note“ gemacht. So lautet das Motto des vielfach talentierten Mannes, der am morgigen Donnerstag 65 Jahre alt wird. Dass damit seine berufliche Laufbahn nicht endet, steht für ihn fest. Das sei nicht vor 2020 geplant. Dann will er sein Amt als stellvertretender Vorsitzender des Landesverbandes
der Musikschulen in jüngere Hände abgeben.

Seinen ersten musikalischen Auftritt hatte der Sechsjährige bei der Einschulung. „Als die Lehrerin fragte, wer ein Lied singen könne, stellte ich mich auf den Tisch und sang völlig schief“, blickt er auf die Zeit in Schwelm bei Wuppertal zurück. Für seine Mutter hatte der Auftritt aber offenbar Signalwirkung. Der Steppke erhielt Blockflöten- und später Klavierunterricht und lernte auf Geheiß des Musiklehrers Oboe. Nach dem Abitur in Neuwied folgten Bundeswehr in Ostfriesland, Studium der Jugend- und Volksmusik (heute: elementare Musikpädagogik) in Münster an der Musikhochschule und parallel an der Uni Musikwissenschaften, Philosophie und Geschichte.

1978, da war er schon vier Jahre verheiratetet, veröffentlichte Deimling erstmals selbst komponierte Klavierwerke, trat seine erste Stelle an der Kreismusikschule Lüdinghausen an, lehrte musikalische Früherziehung an zehn Standorten, belegte einen Musikschulleiter-Kursus und wurde 1980 mit 27 Jahren der bundesweit jüngste Leiter einer Schule, der Stadtteilschule Roxel (Münster). In acht Jahren habe sich dort die Schülerzahl auf 1200 verdoppelt.

Nicht zuletzt wohl aufgrund von Deimlings Erfindung, dem Instrumentenkarussell. Alle sechs Wochen wechselten die Schüler das Instrument und bekamen eine Beurteilung, für welches sie am besten geeignet seien. „Wir hatten keine Abbrecher mehr, und die Schüler kennen den ganzen Strauß von Instrumenten. Das ist ein guter Einstieg.“

Am 1. Mai 1988 machte Deimling unter 48 Bewerbern für den Chefposten der Plöner KMS mit damals 1000 und heute 1673 Schülern das Rennen, wohnte anfangs mit Frau und den Kindern Julka und Raphael bei Landrat Dr. Joachim Wege auf dem Dachboden und hütete dessen Kinder. Damals hatte die KMS ihr Büro in der Langen Straße 22, zog 2002 ins Prinzenhaus um. Deimling führte den instrumentalen Orientierungsunterricht ein, erfand die Musikschul-News und vor 25 Jahren die „Grüne Note“ als Verbindung von Musik und Natur: „Guten Unterricht kann man schlecht nach außen vermitteln, man muss Veranstaltungen haben“, ist er überzeugt. Den Plöner Musikherbst allerdings und eine Musicalklasse habe der Kreistag aus finanziellen Gründen wieder abgeschafft.

Der Leiterposten sei eine Managementaufgabe, die einen voll fordere, sagt Deimling, der mit Haushalts- und Veranstaltungsplanung, Vertretungsstunden, Orchesterproben und Auswahl von Lehrkräften eigentlich ausgelastet sein dürfte. Die Luftwaffe habe den Grundstein für sein technisches Verständnis gelegt, meint Deimling, der seit zehn Jahren Social Media-Berater des Bundesverbandes der Musikschulen ist. Privat engagierte er sich 18 Jahre lang in Schulelternbeiräten auf Orts-, Kreis- und Landesebene, war am Gymnasium Schulkonferenzvorsitzender und Vorsitzender des Kulturvereins Plön. In seine Zeit fiel der Brunnenbau auf dem Markt vor der Kirche. Deimling spielt Tischtennis und sammelt historische Postkarten vom Prinzenhaus und drumherum. Im Prinzenhaus hat er übrigens zum zweiten Mal geheiratet. Das war 2014, rund sieben Jahre, nachdem er der Liebe wegen nach Berlin gezogen ist.

Daher entstehen seine Kompositionen zumeist im Zug. Über 345 Werke aus seiner Feder seien bei der Gema angemeldet. „Musik ist wie eine Art von Medizin. Ich setze mich hin und komponiere. Es ist Erholung für mich, in den Klängen zu regenerieren“, sagt der Musiker. Und lobt sein „super Kollegium“, das im Laufe der Jahre zusammengewachsen sei. Es müsse menschlich passen: „Für mich war immer wichtig, den 60 Kollegen als Chef optimale Arbeitsbedingungen zu bieten, ihnen den Rücken freizuhalten, dass sie sich entfalten können. Es ist wie eine funktionierende Software, man merkt gar nicht, dass sie da ist. Ich nehme ihre Ideen mit auf, sie sind das Kapital. Die Menschen sind das Wichtige.“

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