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Ostholsteiner Anzeiger

23. Oktober 2017 | 21:51 Uhr

Fragen zu Kosten und Nutzen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Kontroverse Stellungnahmen zum Trassenvorschlag des Landes reißen nicht ab / Grüne auf Ablehnungskurs

von
erstellt am 07.Mai.2014 | 16:07 Uhr

Die einen sehen neue Chancen für ihr Unternehmen, die anderen fürchten massive Eingriffe in ihre Lebensumstände und die Natur. Nach der Entscheidung der Landesregierung für eine neue Bahntrasse durch Ostholstein ist kreisweit der jahrelange Meinungsstreit über die feste Fehmarnbelt-Querung (FBQ) frisch aufgelodert.

Der Grünen-Kreisverband erneuerte gestern seine Fundamentalkritik an dem Vorhaben: „Wir wissen nicht erst seit gestern, dass es keinen Bedarf für die FBQ gibt, und fordern die Bundesregierung auf, endlich neue, verbindliche Zahlen über Verkehr und Kosten darzulegen und den Staatsvertrag neu zu verhandeln.“

Vor dem Hintergrund sei auch der Trassenvorschlag des Landes abzulehnen. Damit würden die Badeorte zwar vom Güterzuglärm verschont, doch müssten für den Pendlerverkehr teuer neue Zusteigmöglichkeiten geschaffen werden. Zugleich würden wertvolle Nutz- und Naturflächen zerschnitten. Und: „Es steht in den Sternen, ob die Bahn diese Variante überhaupt akzeptieren wird, denn sie ist nun einmal noch deutlich teurer. Für die Menschen bleibt die unerträgliche Unsicherheit, was ihnen nun bevorstehen wird“, sagte Grünen-Chefin Monika Obieray.

Demgegenüber haben sich Vertreter von rund 100 regionalen Unternehmen in Veranstaltungen der IHK Lübeck bereits über mögliche Aufträge beim Bau der festen Fehmarnbelt-Querung informiert. Entsprechend zufrieden reagierte auch der Unternehmensverband Ostholstein-Plön auf den Kieler Trasenvorschlag für die Hinterlandanbindung des Tunnels, zu dessen eifrigsten Befürwortern der Verband seit langem zählt.

Der Vorstandsvorsitzende Werner Süß begrüßte vor allem die von Kiel gewünschten Umfahrungen der Badeorte: „Der Tourismus ist für die Region zwischen Bad Schwartau und Fehmarn von herausragender wirtschaftlicher Bedeutung. Insofern gab es eigentlich gar keine andere sinnvolle Lösung.“

Süß forderte allerdings eine „optimale Anbindung“ der Badeorte an den Personenverkehr der Bahn. Und verwies auf einen weiteren Aspekt: „Auf keinen Fall darf bei den nun weiter zu treffenden Entscheidungen das Problem der zu ersetzenden Fehmarnsund-Brücke aus den Augen verloren werden. Wir können uns auf der künftigen Fehmarnbelt-Strecke keinen Engpass leisten.“

Völlig konträr dazu beruft sich der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) auf dänische Verkehrsexperten, die vor explodierenden Kosten für den geplanten Tunnel warnen. Die vom Vorhabenträger Femern A/S lange kolportierte Aussage, der Tunnel amortisiere sich allein durch die Mautzahlungen der Nutzer, falle wie ein Kartenhaus zusammen, sagte der Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Er schloss sich der Forderung der ostholsteinischen Bundestagsabgeordneten Bettina Hagedorn (SPD) an, wonach jetzt die Kosten neu berechnet werden müssten. Miller: „Verkehrsminister Alexander Dobrindt sollte auch für die deutsche Hinterlandanbindung schnellstmöglich neue Kostenschätzungen anstellen und dann aus dem Mammutprojekt aussteigen.“


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