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Ostholsteiner Anzeiger

20. August 2017 | 10:30 Uhr

Fragen nach dem Nutzen des Tourismus

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

In Schönwalde und Kasseedorf bleiben die Zweifel an der Zusammenarbeit in der Region virulent

Im Tourismus muss man sich in Regionen präsentieren. Dieser Leitsatz prägt das Tourismus-Konzept des Landes Schleswig-Holstein; dementsprechend hat die Tourismuszentrale Holsteinische Schweiz (TZHS) ihre Aufgaben vom Bungsberg bis zum Großen Plöner See im Blick. In den Gemeinden Kasseedorf und Schönwalde hadern allerdings viele Kommunalpolitiker noch mit diesem regionalen Bezug und reiben sich an den Kosten der TZHS – in Schönwalde war jüngst wieder von Austritt die Rede.

Im Finanzausschuss bezog Bärbel Seehusen (SPD) im Namen ihrer Fraktion erneut deutlich Stellung gegen die Mitgliedschaft in der Tourismuszentrale. Sie kündigte an, bei den Haushaltsberatungen für 2016 den Mitgliedsbeitrag von 12  000 Euro in Frage zu stellen.

Seehusens Argument: „Bungsberg, Pfarrhof und Dorfmuseum vermarkten sich doch längst selbst.“ Mit der Vermarktung Schönwaldes durch die TZHS „mache man den zweiten vor dem ersten Schritt“. Solange kaum Gastronomie und Vermieter vorhanden seien, lohne Werbung nicht. 12  000 Euro gehörten besser vor Ort in die Infrastruktur investiert als in die Tourismuszentrale.

Ähnliche Vorbehalte gegen regionale Tourismusprojekte waren im Finanzausschuss der Gemeinde Kasseedorf zu hören. Das Gremium sprach sich gegen einen außerordentlichen Zuschuss von 1281,69 Euro an das Wanderwegeprojekt des Naturparks Holsteinische Schweiz aus. Für die Ausweisung des 53 Kilometer langen Wegenetzes, zu dem auch zwei Rundkurse in Kasseedorf gehören, hatte die Gemeinde 16  000 Euro beigesteuert. Doch die Abwicklung geriet auch dank europäischer Fördermittel kostengünstiger für alle Beteiligten, so dass auch Kasseedorf Anspruch auf eine teilweise Rückzahlung hatte. Der Naturparkverein hatte dann jedoch gebeten, auf die Rückzahlung zu verzichten, da zum Ende des Projektes die Zeit knapp und Mehrarbeit in der Projektleitung erforderlich geworden sei. Zur Zeitnot trug auch das lange Hin und Her bei, bis sich die Gemeinden endgültig zur Projektteilnahme entschieden hatten.

Nun, da alle Schilder montiert sind, will Kasseedorf seine nicht ausgeschöpften Mittel ausbezahlt bekommen und zur Haushaltskonsolidierung nutzen – im Gegensatz und zu Lasten der übrigen Gemeinden, die bereits dem Verbleib ihrer Gelder im Projekt zugestimmt haben.

Lothar Moos, WUB-Fraktionssprecher, sah sogar generell keinen Sinn in dem entstandenen Wanderweg und stellte die Frage: „Welchen Nutzen haben wir?“ Es gebe in Kasseedorf keine touristische Infrastruktur, und Wanderer habe er auch noch nie gesehen. Dem widersprach der Ausschussvorsitzende Martin Boesmann (CDU), der angab, in seiner Freizeit extra drei zusätzliche Hinweispfähle für das Projekt
gesetzt zu haben. Der Beschluss, dem Naturparkverein nichts zu schenken, fiel mit großer Mehrheit.

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erstellt am 18.Sep.2015 | 16:05 Uhr

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