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Ostholsteiner Anzeiger

17. Oktober 2017 | 11:25 Uhr

Flügel für alle Anforderungen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Perfekte Spezialisierungen bei vielen Vogelarten

von
erstellt am 06.Okt.2014 | 11:05 Uhr

Die Eine-Million-Euro-Frage in der Sendung „Wer wird Millionär?“ könnte lauten: Was definiert ein Tier eindeutig als Vogel? Das Eierlegen, der Schnabel, die Flugfähigkeit oder der Besitz von Federn? Da derzeit kein Tier auf der Erde lebt, das Federn trägt, ohne zugleich ein Vogel zu sein, wäre der letzte Fragenteil positiv zu beantworten.

Schaut der Interessierte den unterschiedlichen Vogelarten auf ihre Flügel, entdeckt er perfekte Spezialisierungen. Die breiten Federenden der Finkenvögel sind zwar nicht so ideal für den Flug über lange Strecken, sie sind jedoch sehr gut geeignet, um schnelle Richtungsänderungen und Kehrtwendungen durchzuführen, was durchaus lebensrettend sein kann. Bei unseren Tauben ist hingegen Schnelligkeit Trumpf. Ihre Flugmuskulatur beträgt ein Drittel ihres Gesamtgewichtes, so dass sie sogar Blitzstarts hinlegen können. Präzisionsflugleistungen ermöglichen den Kolibris ihren komplizierten Schwirrflug, bei dem sie 30 bis 50, in der Spitze 78 Flügelschläge in der Sekunde absolvieren. Zum Vergleich: Eine Amsel kommt in der gleichen Zeit gerade auf fünf bis sechs Flügelschläge.

Außerdem beherrschen die tropischen Blütenspezialisten als einzige Vogelart den Rückwärtsflug. Das alles kostet natürlich Energie, so dass diese Flugartisten fast den ganzen Tag mit der Aufnahme von Treibstoff in Form von Nektar und kleinen Insekten beschäftigt sind. Fliegen ist eigentlich ein Rudern in der Luft. Viele Vögel scheuen deshalb diese Anstrengung und wechseln nach dem kräftezehrenden Start in den Gleitflug. Unsere Störche und viele Greifvögel sind Beispiele dafür. Schwere Vögel wie unser Höckerschwan und die Albatrosse der südlichen Halbkugel benötigen bereits eine lange Anlaufstrecke, um überhaupt auffliegen zu können. Die weitgehend pelagisch, ständig auf den Ozeanen lebenden Vögel, benutzen den Gegenwind oder den Aufwind dicht über den Wellen, um Muskelkraft zu sparen.

Unsere Greife und Störche nutzen bei ihrer Futtersuche die an besonderen Orten aufsteigende Thermik, und ihre Zugrouten beschränken sich ebenfalls auf energiesparende Regionen mit Aufwinden. Die bekannten Langstreckenflüge rund um die Antarktis der schweren Wanderalbatrosse sind nur möglich, da in dieser Region – zirkumpolar – ausschließlich beständige Westwinde herrschen. Röhrennasen, eine Vogelordnung ausgeprägter Hochseevögel der südlichen Breiten, können sich sogar Flügel leisten, die eigentlich für ihre Körperabmessungen viel zu schmal sind; denn Start und Landung erfordern an sich eine Mindestbreite der Flügel – es sei denn, dass sich die Tiere auf einen ausreichenden Gegenwind verlassen können.

Während also viele Vogelarten
gerne gleiten oder segeln, hält den schnellsten Vogel der Welt seine Sturzflug-Fähigkeit am Leben. Wanderfalken sollen anlässlich der Verfolgung ihrer Beute knapp 300 Stundenkilometer erreichen können. Seine spitzen und zugleich langen Flügel bescheren dem Greif genügend Auftrieb bei gleichzeitig idealen Werten des Luftwiderstandes. Und wenn ein Vogel dann in der Lage ist, seinen Stoß dabei noch aufzufächern, kann er sogar wie der Turmfalke (daher auch Rüttelfalke genannt) in der Luft beim Erspähen von Feldmäusen „stehen“.

Wohl dem Vogel, der mit einem Flügelmodell fliegen darf, das aus verschiedenen Mittelwerten guter Flugeigenschaften besteht. Möwen können zum Beispiel im Geradeausflug
40 Stundenkilometer zurücklegen, ansehnliche Sturzflüge hinlegen sowie im Gegen- oder Aufwind fast bewegungslos stehen – ideal.



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