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Ostholsteiner Anzeiger

17. August 2017 | 06:25 Uhr

Flüchtlingszahlen: Addition versagt da

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Prognosen über die aktuelle Entwicklung im Sozialausschuss des Kreistages

„Alles ist im Fluss“. Diese bereits von dem altgriechischen Philosophen Heraklit getroffene Feststellung gilt bis heute, zum Beispiel für eine Bestandsaufnahme über die Situation der Flüchtlinge in Ostholstein. Sie gilt nicht zuletzt für den Versuch, Vorhersagen zu treffen, die auch für die Bereitstellung von Geld sinnvoll wären.

Der Sozialausschuss des Kreistages erhielt gestern Abend einen Bericht über Ist-Zahlen, Soll-Zahlen und wahrscheinlichen Zahlen. Fachbereichsleiter Dr. Matthias Badenhop trug vor, dass in den Gemeinden im Kreis aktuell 1624 Flüchtlinge angekommen seien. Die Ankunft von weiteren 400 bis knapp 600, insgesamt also bis zu 2200, bis Jahresende sei realistisch.

Die für Ostholstein festgelegte Quote liege bei 4000, mit weiteren 2000 Menschen in den ersten Monaten des neuen Jahres sei zu rechnen. Die Differenz zwischen Quote und tatsächlicher Ankunft in den Kreisen ergebe sich aus der Tatsache, dass von den 54  000 Flüchtlingen, die Schleswig-Holstein in diesem Jahr aufnehmen müsse, noch 25  000 in Aufnahmeeinrichtungen des Landes seien.

Die aktuellen Vorhersagen gehen davon aus, dass in Ostholstein neben 4000 Personen im kommenden Jahr weitere 6000 aufgenommen werden müssten. Im Gespräche mit dem OHA gab Dr. Badenhop indes zu bedenken, dass bei diesen Prognosen die einfache Grundrechenart des Addierens nicht funktioniert: Flüchtlinge, die eine Aufenthaltsgenehmigung erhielten, könnten den Wohnort frei wählen. Es sei davon auszugehen, dass eine deutliche Zahl von Personen in die Nähe von Verwandten oder Freunden ziehen wollen, also weg aus dem ländlichen Ostholstein und hinein in Ballungsgebiete.

Als finanzielle Auswirkungen für die Unterbringung der Flüchtlinge werden im Kreishaushalt für nächstes Jahr rund 50 Millionen Euro eingestellt. Davon werde der Kreis etwa 38 Millionen erstattet bekommen. Einen entsprechenden Entwurf des sogenannten Produkthaushaltes billigte der Ausschuss einstimmig.

Weiter berichtete Dr. Badenhop, dass zurzeit etwa 75 minderjährige Flüchtlinge, die ohne Eltern angekommen sind, im Kreis in verschiedenen Einrichtungen untergebracht seien. Eine etwa gleich große Zahl könnte noch zugewiesen werden, und das werde auch keine Probleme bereiten: „Da sind wir gut aufgestellt“.

Das Land habe 14 neue Deutschlehrer bewilligt, schilderte Dr. Badenhop weiter. Sprachunterricht für Flüchtlingskinder gebe es neuerdings auch in Lensahn und Stockelsdorf.

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erstellt am 18.Nov.2015 | 00:32 Uhr

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