Flüchtlingsthematik in einem ganz anderen Licht

Christian Jakob berichtete über Milliardendeals der EU mit afrikanischen Diktatoren.
Christian Jakob berichtete über Milliardendeals der EU mit afrikanischen Diktatoren.

shz.de von
04. Juli 2018, 10:54 Uhr

Gemeinsam hatten der Friedenskreis Eutin, Amnesty International Eutin/Plön, der Förderkreis Kreisbibliothek und die Kreisbibliothek Eutin am vergangenen Dienstag den Journalisten Christian Jakob eingeladen. Der Autor verschiedener Bücher setzt sich in ihnen mit Migration und Asyl auseinander.

Nachdem er von Andreas Schulze-Sellschopp vom Friedenskreis vorgestellt worden war, begann er seinen Vortrag. Das 2017 erschienene Buch, das er und seine Co-Autorin Simone Schlindwein, die – in Uganda lebend – nicht anwesend sein konnte, nach über einem Jahrzehnt Recherche schließlich in kurzer Zeit zusammengestellt hatten, mit dem Titel „Diktatoren als Türsteher Europas“ war Thema des Abends. Jakobs Vortrag, gestützt von Filmausschnitten und Lesungen aus seinem Buch, zeigte deutlich, wie tief er sich in die Migrationsproblematik hineingearbeitet hat. Da weiß einer, wovon er spricht. Wäre das, was er erläutert, nicht so ungeheuerlich, könnte man annehmen, es sei in Ordnung, so sachlich klärt er auf. Aber er lässt keinen Moment den Eindruck aufkommen, irgendetwas sei in der Flüchtlingspolitik in Ordnung. Er berichtet über Milliardendeals sowohl europäischer Regierungen als auch der deutschen mit afrikanischen Despoten; über als Entwicklungshilfe deklarierte Gelder, die tatsächlich zum Bau von Zäunen und Lagern innerhalb der afrikanischen Staaten benutzt werden, um Flüchtende daran zu hindern, nach Europa weiterzureisen und dass dies schon seit über einem Jahrzehnt so gehandhabt wird. Das bedeutet, dass Fluchtursachen nach wie vor nicht bekämpft werden, auch wenn dies in der Öffentlichkeit so dargestellt wird. Natürlich spricht Christian Jakob auch über die Folgen für die Menschen in Staaten wie etwa Sudan oder Niger. Und er weist darauf hin, dass niemand weiß, was mit zurückgeschickten Flüchtenden passiert.

Auch wenn in der sehr gut besuchten Kreisbibliothek wohl kaum jemand war, der nicht schon mit dem Thema vertraut war, blieb am Ende eine Mischung aus Hilflosigkeit und Erschütterung bei den Anwesenden. Eine Lösung weiß auch der 2015 für den Journalistenpreis „Der lange Atem“ nominierte und 2017 mit dem Otto-Brenner-Preis ausgezeichnete Jakob nicht; er möchte informieren, so sagt er bescheiden. Aber seine Informationen sind gleichzeitig ein Appell an die EU, nicht weiterhin Menschenrechte mit Füßen zu treten.

Die Fülle von Informationen in knapp eineinhalb Stunden lässt das Bedürfnis entstehen, mehr über das Geschehen zu erfahren. Sein im Juni vom Fernsehsender Arte ausgestrahlter Film „Türsteher Europas“ lässt sich nachträglich noch ansehen und sein Buch ist im Buchhandel wie auch in der Bundeszentrale für politische Bildung erhältlich.

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