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„Flüchtlingsinitiativen wären ohne Ehrenamtler verloren“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die Zahl der Menschen, die auf ihrer Flucht bis nach Deutschland gelangen, hat zwar abgenommen, doch für die Flüchtlingsinitiativen gibt es weiter viel zu tun. Über 50 Menschen, die sich ehrenamtlich für Geflüchtete einsetzen (darunter einige ohne kirchlichen Bezug), trafen sich am vergangenen Donnerstagabend in den Räumen der Kirchengemeinde von Ahrensbök, um sich über aktuelle Fragen auszutauschen.

Der Eutiner Propst Peter Barz, der ebenso wie der Neustadter Propst Dirk Süssenbach an dem Treffen teilnahm, verwies eingangs auf viele aktuelle Probleme: Der Widerwillen gegen Geflüchtete sei weit verbreitet und sozial Schwache sähen in ihnen sogar eine Konkurrenz. Andererseits seien Ängste und Befürchtungen vor allem dort anzutreffen, wo die Zahl der Neuankömmlinge besonders gering ist, so Barz. Er plädierte dafür, Probleme offen zu benennen, sprach aber auch davon, welch ein Gewinn mit einer erfolgreichen Integration der Geflüchteten einher gehe: „Indem ich etwas für andere tue, bekommt mein Leben Sinn“, so der Propst.

Bei einer Podiumsrunde berichtete die aus Afghanistan stammende Dolmetscherin Rayana Fahkri von ihrer eigenen Flucht im Jahre 2002 und ihrer Ankunft in Deutschland. „Es hat uns niemand geholfen“, erinnerte sie sich. Heute sei das zum Glück anders. Ohne das Engagement der Ehrenamtlichen gäbe es mehr Abschiebungen, zeigte sich die junge Frau überzeugt. Sie schilderte eindringlich die Beweggründe der Afghanen, die Strapazen einer Flucht auf sich zu nehmen: Nach 30 Jahren Krieg im eigenen Land und angesichts einer unfähigen politischen Elite glaubten viele ihrer Landsleute nicht mehr an Besserung. Rayana Fahkri, die 2014 in Kabul selbst Augenzeugin eines Autobomben-Attentats wurde, monierte die jahrelange Unsicherheit, in der viele Afghanen hierzulande lebten. Das sei ein Hindernis für die Integration. Die Afghanin dankte den vielen Engagierten: „Ohne die Ehrenamtler wären wir verloren“, sagte sie.

Bärbel Graw-Sorge, Kieler Fachanwältin für Familienrecht, kritisierte die komplizierten und sich ständig ändernden Regeln des Asylverfahrens. Gesetzesverschärfungen machten es für viele Geflüchtete immer schwerer, ein Bleiberecht zu bekommen. Mit Blick auf Menschen im Kirchenasyl sei nicht klar, wie lange Behörden noch bereit seien, dies weiter zu dulden, so die Juristin. Sie wandte sich nachdrücklich gegen „Nacht- und Nebelabschiebungen“, insbesondere bei Familien. Dies seien vor allem für die Kinder traumatische Erlebnisse. Menschen, deren Aufenthaltsstatus ungeklärt ist, forderte sich dazu auf, dennoch die Zeit zu nutzen, um zum Beispiel Deutsch zu lernen. Dies habe sich schon oft später als Vorteil erwiesen.

Uwe Wille, Migrationsmanager des Landkreises Ostholstein, betonte die Notwendigkeit, Ehrenamtliche in ihrem Engagement zu begleiten und zu koordinieren, um Doppelbetreuungen von Geflüchteten zu vermeiden und frühzeitig auf Probleme reagieren zu können. Martin Liegmann vom Kinderschutzbund forderte, mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Dies sei derzeit eine der größten Herausforderungen. Moderiert wurde die Runde von Volker Holtermann, Flüchtlingsbeauftragter des Kirchenkreises Ostholstein.

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erstellt am 17.Feb.2017 | 13:06 Uhr

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