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Ostholsteiner Anzeiger

21. November 2017 | 22:19 Uhr

Flüchtlingsdrama auf der Bühne

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Eutiner Tanztheater gastiert in der Plöner Schiffsthal-Aula / Aufführung als Auseinandersetzung mit Krieg, Terror und Flucht

Politischer kann Tanztheater nicht sein: Zwei Jahre lang haben 31 Jugendliche der Eutiner Schule für Rhythmik und Tanz „Impuls“ mit Choreografin Ulrike Pfeiffer das Stück „Grenzen“ erarbeitet. Sie luden Geflüchtete zu sich ein und hörten deren Geschichte. Das Ergebnis ist eine mehr als sehenswerte Aufführung in der Auseinandersetzung mit Krieg, Terror und Flucht auf der einen und sinnentleerter Wohlstandsgesellschaft auf der anderen Seite. Am Dienstag spielten, tanzten, sangen und sprachen die Protagonisten vor 250 Schülern in der Plöner Schiffsthal-Aula.

Weiße Masken, ein Tuch, ein Teddy, rot-weißes Absperrband, eine Bahn grauen Stoffs, Malerfolie, Einkaufswagen, Laken: Mit sparsamen Mitteln und umso mehr Körpereinsatz mimen die Jugendlichen auf der Bühne in gleicher Intensität Ertrinkende im Mittelmeer, gelangweilte Schüler in der Mensa, Näherinnen in einer Fabrik, gestresste Eltern, allein gelassene Kinder, Malaks Sehnsucht nach zu Hause… Sprüche wie „Es ist am besten, wenn alle auf dem Mittelmeer verrecken“, „sollen sie doch ihr eigenes Essen mitbringen, wenn ihnen unseres nicht schmeckt“, und auch „unser reines, geliebtes Land ist zum Asylantenstaat geworden, wir müssen Grenzen setzen“, mögen manchem Zuschauer den Atem rauben. Krasser lassen sich Gedanken und Emotionen kaum darstellen. Die Handlung gipfelt in einer Massenschlägerei zwischen Demonstranten. Auf der einen Seite diejenigen, die ein Zeichen gegen Fremdenhass setzen, auf der anderen der „Deutschland den Deutschen“ skandierende Mob. Wenn es heißt „Meine Freiheit sind deine Grenzen und deine Grenzen sind meine Freiheit. So achten wir niemanden und leben in Gerechtigkeit“ oder auch: „Grenzen lassen sich verschieben“ erhält jeder für sich Gelegenheit zur Reflexion. Sham (13) und ihrer Schwester Malak (14) aus Syrien gefällt das Stück. Die beiden Mädchen gehen in die 6. Klasse der Plöner Gemeinschaftsschule am Schiffsthal. Malak ist Namensgeberin für das Mädchen, dessen Schicksal in „Grenzen“ gespielt wird. „Es ist die wahre Geschichte von Sham, die darin erzählt wird“, erklärt Klassenlehrerin Ellen Freidel den Hintergrund. Sie findet die Darstellung beklemmend. Als spannend und interessant bewerten Shams Klassenkameradinnen Charlotte und Emma (beide 12) das Geschehen. „Es ist gut, dass man die Geschichte mal aus anderer Sicht sieht“, meint Emma.

Das Ensemble wurde von der Ulbrich-Stiftung gefördert und wird von der Ortsgruppe Eutin-Plön von Amnesty International und dem Friedenskreis Eutin unterstützt. Am Sonnabend, 8. Juli, 19 Uhr und Sonntag, 9. Juli, 17 Uhr gibt es zwei weitere Aufführungstermine. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.

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