Flüchtlings-Container als Dorftreffpunkt

Barkauer Dorfvorstand tagt nach rund drei Jahren wieder und stellt ungewöhnliche Ideen für die Planung eines Gemeinschaftshauses zur Diskussion

shz.de von
26. März 2017, 15:15 Uhr

Rund drei Jahre waren seit der letzten öffentlichen Sitzung des Barkauer Dorfvorstandes vergangen. Nun fand wieder eine statt. Allerdings im Dorfgemeinschaftshaus Gothendorf. Denn ein eigenes hat Barkau nicht. Seit 2013 dauern die Planungen für den Bau eines eigenen Dorfgemeinschaftshauses schon. Nun endlich zeichnet sich eine Möglichkeit ab. Doch bei der Versammlung fand diese Lösung bei längst nicht allen der rund 40 Anwesenden Zustimmung. Zuvor hatte Süsels Bürgermeister Holger Reinhold ausgeführt, dass der Neubau eines Dorfgemeinschafthauses zwischen 371  000 und 395  000 Euro kosten würde. Fördergelder gibt es dafür keine und auch die Gemeinde würde keine größeren Mittel dazugeben: „Zwei andere Dörfer haben auch keine Dorfgemeinschaftshäuser. Und wir wollen keine schlafenden Hunde wecken“, verkündete Reinhold. Dann aber zauberte Dorfvorsteher Matthias Thoms eine neue Möglichkeit aus dem Hut: Das Land gibt grade einige hundert Container ab, die ursprünglich zur Unterbringung von Flüchtlingen angeschafft worden waren. Die Gemeinde Süsel hat Bedarf für sieben Container angemeldet, von denen einige als Dorfgemeinschaftshaus genutzt werden könnten. Zwar sind die Container kostenlos, dennoch hat die Sache einen Haken: Pro Container fallen Transportkosten von 235 Euro an. Hinzu kommt, dass sie nicht energiesparend sind. „Sie sind mit Elektroheizungen ausgestattet und müssten erst noch umgerüstet werden“, erklärte Reinhold.

Eine Idee, wie man diese Umrüstung umgehen könnte, präsentiert Dorfvorstandsmitglied Johann Schlichting. Er schlug vor, eine zehn mal 15 Meter große Kalthalle zu bauen, in die die Container dann gestellt werden könnten. Eine solche Halle sei bereits für rund 40  000 Euro zu bekommen. „Vielleicht ist das ja eine gangbare Art“, so Schlichting. Und das Bauamt müsse ja nicht wissen, dass Barkau dort Container hineinstelle. Der knappe Kommentar des Bürgermeisters: „Die Gemeinde wird nicht zum Komplizen.“

Doch auch aus anderen Gründen gibt es inzwischen Gegenwind gegen den Bau eines Dorfgemeinschaftshauses. Nicht nur an dessen Wirtschaftlichkeit herrschten bei der Dorfversammlung Zweifel. Daran änderte auch das Versprechen von Dorfvorstand Thoms nichts, er und die beiden weiteren Dorfvorstandsmitglieder würden die Betriebskosten, die nicht erwirtschaftet würden, aus eigener Tasche zahlen.

Widerstand gab es auch gegen den geplanten Standpunkt. Eine Anwohnerin beklagte sich, dass die potenziellen Nachbarn nicht gefragt wurden. „Wir wollen nicht jedes Wochenende Party haben“, stellte sie klar. Und weshalb habe es keinen Brief gegeben, in dem für oder gegen das Projekt gestimmt werden konnte? Gerne hätte der Dorfvorstand alle Bewohner mit einbezogen und konkrete Planungen rumgeschickt, entgegnete Dorfvorsteher Thoms. „Doch die gibt es noch nicht.“ Wenigstens das könnte sich nach Aussage von Süsels Bürgermeister Reinhold bald ändern. „Die Gemeinde lässt ermitteln, welche Kosten die Schaffung des Baurechts und die die Erschließung des Grundstücks kosten würden“, versprach er.

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