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Ostholsteiner Anzeiger

24. Oktober 2017 | 06:25 Uhr

Eutin : Flüchtlinge wollen sich bedanken

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Am Sonnabend verteilen fünf junge Syrer stellvertretend für alle Flüchtlinge am Stand vor dem Rathaus Herzen als Zeichen von Dankbarkeit.

shz.de von
erstellt am 19.Feb.2016 | 04:00 Uhr

„Wir wollen ‚Danke‘ sagen, weil die Menschen hier wirklich sehr nett zu uns sind“, sagt Hussein Hussein al Mohamad. Der 26-jährige Syrer will zusammen mit vier anderen Landsleuten und Ehrenamtler Albrecht Gieseler am Sonnabend von 9 bis 12 Uhr mit einem Zelt vor dem Rathaus auf dem Wochenmarkt stehen und Herzen verteilen. Ziel der Aktion ist es, so Gieseler, mit Interessierten ins Gespräch zu kommen, Hemmschwellen abzubauen und – das ist als Anliegen von den Flüchtlingen an ihn herangetragen worden – „Danke“ zu sagen. Eigens dafür organisierte der Ehrenamtler 1000 rote Herzen mit der Aufschrift „Mein Herz für deine Gastfreundschaft“.

„Mein Motto ist: ‚Sprecht nicht über die Flüchtlinge, sondern mit den Flüchtlingen‘“, sagt Gieseler. Das schreibe er auch in den sozialen Netzwerken besonders gern unter Kommentare, die Klischees und Vorurteile beinhalten. Auch sein Engagement begann im Netz. „Doch ich habe relativ schnell gemerkt, dass das nicht reicht. Man muss auch aktiv helfen“, sagt Gieseler.

Es war an einem Junitag im vergangenen Jahr, als er einfach „losstiefelte“ und die Bewohner des Holzhauses im Lindenbruchredder fragte, was sie brauchen. Auch seinem Engagement ist zu verdanken, dass fast alle der damaligen Bewohner heute nicht mehr im Lindenbruchredder wohnen müssen.

„Ich fungiere als Mittler, melde mich auf Wohnungsangebote, spreche mit Vermietern und bin bei den Besichtigungsterminen dabei. Das klappt eigentlich echt gut“, sagt Gieseler. Auch bei Behördengängen oder Arztbesuchen half und hilft er. Und, da der Pianist Musik mag, spielt er gemeinsam mit Eritreern in Malente in einer Musikgruppe. „Wenn man sich erstmal mit den Menschen unterhält, merkt man von ganz allein, welche dramatischen Einzelschicksale jeder hat.“ Alle Flüchtlinge nach Ereignissen wie in der Silvesternacht von Köln über einen Kamm zu scheren, funktioniere nicht. „Davon distanzieren sich die Jungs auch deutlich“, sagt Gieseler. Auf Plakaten wollen einige von ihnen dazu Stellung nehmen, sind für Fragen jeglicher Art offen. „Aber im Mittelpunkt soll das Danken stehen und das Abbauen von Hemmschwellen, das halte ich für Eutin ganz wichtig“, sagt Gieseler.

Mit Steckbriefen Flüchtlinge rings um den Pavillon sollen erste Infos erzählt werden. „Wir wollen nicht aufdringlich sein, werden mit den Herzen nicht quer über den Markt laufen, aber wir wollen zeigen, wie dankbar diese Menschen sind, in Eutin sein zu dürfen“, sagt Albrecht Gieseler.

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