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Ostholsteiner Anzeiger

13. Dezember 2017 | 05:18 Uhr

Malente : Flüchtlinge willkommen heißen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Arbeiterwohlfahrt Malente initiiert einen Runden Tisch zur Verbesserung der Willkommenskultur in der Gemeinde Malente

von
erstellt am 22.Feb.2015 | 14:22 Uhr

Die Arbeiterwohlfahrt (Awo) will Kräfte in der Gemeinde Malente bündeln und die Willkommenskultur für Asylbewerber verbessern. Dafür soll in den nächsten Tagen ein „Runder Tisch“ initiiert werden, sagten der Awo-Kreisvorsitzende Klaus Eckstein und der Malenter Awo-Vorsitzende Hans-Jürgen Weber.

Knapp 80 Gäste aus vielen gesellschaftlichen Bereichen trafen sich am Sonnabend im Awo-Bürgerhaus. Seit drei Jahren verzeichnet Deutschland eine starken Zustrom von Flüchtlingen aus Krisengebieten, der nach Einschätzung von Fachleuten in diesem Jahr noch einmal sprunghaft steigen soll. Dabei gelten die Unterbringung und die Integration der Menschen als die größten Herausforderungen, denen man mit einer besseren Vernetzung von Vereinen, Verbänden und Institutionen begegnen könnte.

Uwe Wille, der Integrationsbeauftragte des Kreises Ostholstein, nannte die Herkunftsländer der Flüchtlinge: 20 Prozent kommen derzeit aus Syrien, weitere aus Serbien, Eritrea, Afghanistan, Irak, Bosnien-Herzegowina, Kosovo oder Albanien. Ein Drittel der Asylanträge werde abgelehnt, ein Drittel positiv beschieden und über das letzte Drittel werde formell entschieden. Wille: „Die Menschen sind meistens untergetaucht oder in andere Länder abgewandert.“

Bei der Unterbringung im Kreis Ostholstein wird versucht, die familiären Verhältnisse zu berücksichtigen, so Uwe Wille weiter. Die Flüchtlinge bekommen hier Grundleistung nach Hartz IV sowie die Wohnung und Möbel zur Verfügung gestellt. Medizinisch erhalten sie lediglich eine Notfallversorgung – der Zahnarzt zieht zum Beispiel einen schmerzenden Zahn, ersetzt ihn aber nicht. Flüchtlingskinder sind schulpflichtig, lernen so die deutsche Sprache und erhalten zusätzliche Mittel nach dem Teilhabegesetz.

Wille: „Erwachsene Asylbewerber haben keinen Anspruch darauf, die deutsche Sprache zu lernen.“ Deshalb sei die Begegnung von Deutschen mit Asylbewerbern so wichtig. Um das zu koordinieren, sei beim Kreis Ostholstein eine neue Stelle geschaffen worden. Wille: „Das hilft Asylbewerbern bei der so wichtigen Orientierung.“

Malentes Bürgermeister Michael Koch beschrieb die Probleme in der Gemeinde Malente im Umgang mit Asylbewerbern. Oft seien die Menschen von den Ereignissen in ihrer Heimat traumatisiert und bedüften der Hilfe von Fachleuten. Das könnten die Gemeinden nicht leisten.

Wenn Flüchtlinge in Malente aufgenommen würden, müsste zunächst vom Mitarbeiter eine Wohnung gesucht werden. Vor den Verwaltungskräften säßen Familien mit vor Hunger weinenden Kindern. „Dann besorgen meine Mitarbeiter schnell etwas zu Essen, manchmal auch aus dem eigenen Geldbeutel“, sagte Koch. Es müssten viele Telefonate geführt und die Menschen in ihre Wohnung gebracht werden, die vorher natürlich noch im Hinblick auf die Eignung für die Unterbringung besichtigt werden müssen.

Unterhalten wird sich in gebrochenem Englisch oder, so Koch, „mit Händen und Füßen“. Und dann werde die Tür zur Wohnung geschlossen und die Familie mit ihren vielen Fragen dort allein gelassen. „Sie kommen dann wieder ins Rathaus, wo ihnen natürlich geholfen wird“, sagte Koch.  

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