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Ostholsteiner Anzeiger

11. Dezember 2017 | 15:02 Uhr

Flüchtlinge sind gern gesehen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die Stadt Plön hat das „Taj Mahal“, den „Plöner Hof“ und Wohnungen in der Lütjenburger Straße als Flüchtlingsunterkünfte gemietet

shz.de von
erstellt am 14.Jan.2016 | 12:01 Uhr

Er freue sich, dass es auch in Plön eine solche Willkommenskultur gebe, schloss Bürgervorsteher Dirk Krüger am Mittwoch die Einwohnerversammlung zum Thema „Flüchtlinge“. Allerdings scheint ein Teil dieser Willkommenskultur die Erwartung zu sein, dass die Flüchtlinge auch etwas zurück geben.

Im vergangenen Jahr nahm die Stadt 79 Flüchtlinge auf, 66 weniger als es laut Quote hätten sein sollen. So kommt es, dass Plön in diesem Jahr 211 Flüchtlinge aufnehmen soll – nach aktuellem Stand. Denn die Quoten können sich jederzeit ändern. „Es ist eine große Aufgabe, die Flüchtlinge aufzunehmen“, schilderte Bürgermeister Jens Paustian vor 85 Einwohnern in der Schiffsthalaula.

Über normale Wohnungsanmietungen lasse sich der Bedarf nicht mehr decken, deshalb habe die Stadt das „Taj Mahal“, den „Plöner Hof“ und Wohnungen in der Lütjenburger Straße gemietet. Trotzdem reiche das nicht, und so appellierten sowohl Paustian als auch Krüger an die Plöner, der Stadt geeigneten Wohnraum zu melden.

„Die Mietverträge schließt die Stadt mit den Vermietern ab, da gibt es keine Scherereien, dass das Geld nicht kommt“, warb Paustian. Wenn es keine andere Möglichkeit gebe, komme sogar der Bau eines Containerdorfes in Frage, berichtete Paustian auf Nachfrage. „Am schlimmsten wäre die Unterbringung in einer Sporthalle. Dann wäre dort kein Sport mehr möglich, und das will auch niemand“, sagte Paustian.

Die Plöner hatten viele Fragen rund um das Thema „Flüchtlinge“ in ihrer Stadt. Eine, die sich seiner Aussage nach wohl kaum jemand zu stellen wagte, fragte Axel Schümann dennoch: Welchen Einfluss haben die in Plön untergebrachten Flüchtlinge auf die Kriminalstatistik? Gar keinen, berichtete Jörg-Thomas Voß, stellvertretender Leiter der Plöner Polizeistation. „Die Dinge, die für Plön im Internet verbreitet werden, sind haltlos.“ Für Plön gebe es nichts, was Besorgnis erregend sei.

Den Aspekt der Dankbarkeit brachte Klaus Beha in die Diskussion ein. Er schlug vor, dass Flüchtlinge sich kostenlos in der Stadt nützlich machen sollten, etwa indem sie die Mitarbeiter des Bauhofes unterstützten. Das sei nicht nur für die Stadt, sondern auch für die Flüchtlinge von Vorteil, die ja noch nicht arbeiten dürfen. „Diese Mithilfe könnte ein selbstverständliches Dankeschön sein“, fasste Beha seinen Vorschlag zusammen und erntete viel Applaus dafür. Auch Bürgervorsteher Krüger und Bürgermeister Paustian zeigten sich für diesen Gedanken offen, verwiesen aber auf die schwierige rechtliche Umsetzung.

Statt auf eine Zwangsverpflichtung setze er eher auf eine freiwillige Basis, antwortete Paustian. Er wünsche sich von der Stadt, dass sie auch mal über Regelungen hinweg sehe, entgegnete Beha. Diesen Kommentar mochte der SPD-Fraktionschef in der Plöner Ratsversammlung, Thorsten Pfau, nicht hinnehmen: Es werde immer wieder gefordert, dass Flüchtlinge sich an die Gesetze in Deutschland halten müssten. „Das gilt aber auch für uns, wir dürfen die Gesetze nicht aushebeln, nur weil es sich um Flüchtlinge handelt.“ Er halte einen Arbeitsdienst für Flüchtlinge für gefährlich, so Pfau weiter.
Einig aber waren sich alle, dass die Flüchtlingsproblematik die Stadt noch einige Jahre begleiten wird. „Nach 1945 hatte sich die Situation auch erst nach gut sechs Jahren reguliert“, rief Bürgermeister Paustian in Erinnerung. Und vielleicht sorge der Zuzug an Flüchtlingen ja dafür, dass Plön bald wieder mehr Einwohner habe, so die Überlegung eines Plöners.

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