Flucht vor der Polizei im Drogenrausch: 18 Monate und Fahrverbot

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13. Juni 2018, 12:33 Uhr

Das Urteil hätte härter ausfallen können, doch für den Angeklagten könnte es schwer wiegen, da er eine Therapie erfolgreich absolvieren muss. Vor dem Amtsgericht Eutin verantwortete sich gestern ein 35-Jähriger wegen vorsätzlichen Autofahrens im Straßenverkehr unter Drogeneinfluss, Nötigung, Fahrerflucht und Drogenbesitzes in nicht geringer Menge. Das Schöffengericht um Richterin Anja Farries verurteilte den Angeklagten zu einem Jahr und sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung, verbunden mit einer einjährigen Sperre der Fahrerlaubnis und zweijähriger Begleitung durch einen Bewährungshelfer. Besonderes Augenmerk legte das Gericht auf die Drogenabhängigkeit, und so wies es den Angeklagten an, eine Drogentherapie zu machen. Der Angeklagte sitzt bis Oktober noch frühere Gesetzesverstöße im Gefängnis ab.

Die dem Angeklagten gestern vorgeworfenen Taten liegen zwei Jahre zurück und kosteten zwei Polizeibeamte und mehrere Autofahrer Nerven. Am 6. Juli 2016 hatte sich der Angeklagte, der damals in Eutin lebte, eine Verfolgungsjagd mit einer Polizeistreife in Eutin geliefert, dabei mehrere rote Ampelsignale missachtet, vorschriftswidrig überholt und währenddessen mehrere Autofahrer in Gefahr gebracht. Zwei Fahrer hatten Vollbremsungen hinlegen müssen, um Zusammenstöße zu vermeiden. Der Angeklagte war teilweise über Bürgersteige ausgewichen. Nach Angabe eines der Polizisten sei der Angeklagte, kurz bevor er ihn mit einem Kollegen gestellt hätte, mit 160 Stundenkilometern aus dem Ort hinausgerast. Wenig später hätten sie den Mann im Wald am Ukleisee dann fassen können, berichtete der Polizeihauptkommissar.

Die Verfolgungsfahrt beeindruckt den erfahrenen Polizisten heute noch: „So etwas hat man nicht jeden Tag“, kommentierte er den Einsatz. Im Wagen des Angeklagten hatten die Beamten damals Marihuana mit einem Wirkstoffgehalt von 44 Prozent einer nicht geringen Menge (mindestens 7,5 Gramm Wirkstoff), Ecstasy-Tabletten mit einem Wirkstoffgehalt von 21,5 Prozent (mindestens 30 Gramm) und Amphetamin-Wirkstoffe in Höhe von 38,2 Prozent (mindestens 10 Gramm) gefunden. In der Summe überschritten die Wirkstoffe mit 103,7 Prozent den Grenzwert (100 Prozent) für eine nicht geringe Menge.

Staatsanwalt Stavros Karagiannidis und Verteidiger Jochen Veen waren sich beim Strafmaß überwiegend einig. Der Staatsanwalt forderte eine Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten zur Bewährung, zwei Jahre Fahrverbot und eine erfolgreiche Therapie. Karagiannidis hielt dem Angeklagten zugute, dass der geständig war und schon während der Haft versuche, sein künftiges Leben zu gestalten. Veen wies auf das noch bestehende zehnmonatige Fahrverbot hin und bat, die neue Fahrsperre gering zu halten.

Das Gericht entschied, keine Fahrerlaubnis vor einem Jahr zu erteilen. Dann hätte ohnehin die Führerscheinstelle per Gutachten zu entscheiden, sagte Farries.

Dem Angeklagten gab sie mit auf den Weg: „Wenn Sie das Drogenproblem nicht bewältigen, werden Sie Ihr Leben nicht in den Griff bekommen.“ Er könne nichts für die Versäumnisse in seiner Kindheit – der Angeklagte war seit seinem neunten Lebensjahr fern von seiner Mutter und seinem Vater aufgewachsen, zeigte Farries Verständnis. Doch als Erwachsener trage er nun selbst die Verantwortung für sein Leben.

Der 35-Jährige nahm das Urteil an. Da die Gesamtfreiheitsstrafe zur Bewährung ausgesetzt ist, besteht die Möglichkeit der vorzeitigen Haftentlassung. Darüber hat ein anderes Gericht zu entscheiden.

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