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Ostholsteiner Anzeiger

23. August 2017 | 22:15 Uhr

Flechtkunst mit Schnabel und zwei Beinen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die aufwändig konstruierten Nester der Webervögel in Afrika gehören zu den am weitesten entwickelten und eindrucksvollen Baukonstruktionen in der Vogelwelt

Im Süden Afrikas ist jetzt Sommer und die Singvögel brüten. Die Hängenester der europäischen und afrikanischen Beutelmeisen, der Stärlinge Südamerikas sowie der Webervögel in Afrika gelten als die am weitesten entwickelten und eindrucksvollen Baukonstruktionen bei Vögeln. Sie sind besonders in den Tropen verbreitet und gelten als Anpassung gegenüber baumbewohnenden Nesträubern wie Affen, Mardern und Schlangen.

Als Basisstruktur dienen meist die Spitzen dünner Zweige. Der meist auf der Unterseite befindliche Nesteingang erschwert zusätzlich das Eindringen unerwünschter Besucher. Der in den Savannengebieten ganz Afrikas verbreitete und zahlreich vorkommende Maskenweber beherrscht eine Reihe verschiedener Webtechniken und verwendet hauptsächlich langfaserige Gräser und Palmblätter als Webmaterial.

Die Nestaufhängung beginnt mit der Befestigung erster Fasern an eine gegabelte Zweigspitze. Das Männchen hält das eine Ende mit dem Fuß, während er das andere in mehreren wechselseitig zurückgeführten Schlaufen um die Zweiggabel bindet. Diese Technik führt zu einer Art Zugverknotung.

Anschließend baut der Vogel einen Nestring, der zwischen den beiden verzweigten Gabelästen befestigt wird. Im nächsten Schritt erweitert der Vogel den Nestring nach vorne zu einer halbkugeligen Brutkammer, deren Größe und Form durch die Reichweite des Schnabels des innen sitzenden Vogels bestimmt werden. Das Gewebe wird immer dichter, so dass kaum noch Tageslicht durchscheint, und das Dach wird gegen Regen abgedichtet.

Im letzten Arbeitsgang fügt das Männchen eine kleine Vorkammer und eine kurze, nach unten offene Einflugröhre an. Für die Fertigstellung bis dahin sind etwa 500 Sammelflüge notwendig.

Das Nest des Maskenwebers nimmt eine zentrale Bedeutung bei der Balz und Paarbildung ein. Erscheint ein interessiertes Weibchen am Nest, hängt sich sein Erbauer kopfüber flatternd an den Eingang und fordert somit die Umworbene zur Besichtigung auf. Das Weibchen schlüpft hinein und besichtigt das Nest einige Minuten intensiv, während das Männchen ausgiebig singt.

Eine zustimmende Entscheidung für das Nest und damit für den Partner signalisiert das Weibchen, indem es weiche Grasähren für die Innenverkleidung einträgt. Nach mehrmaliger Wiederholung dieses Rituals erfolgt die Begattung.

In der Regel vollendet das Weibchen den Innenausbau allein. Auch bei der Brutpflege ist das Männchen nicht mehr beteiligt, sondern beginnt mit dem Bau eines neuen Nestes und versucht abermals, ein weiteres Weibchen für sich zu gewinnen. Aufgrund dieses polygamen Verhaltens wächst die Brutkolonie Nest um Nest.

Alle geselligen Webervögel schließen sich in großen, lärmenden Kolonien zusammen, und sie leben auch außerhalb der Brutzeit in Gruppen. Sie haben sich teilweise dem ländlichen Siedlungsraum des Menschen angeschlossen und nisten oft an stark befahrenen Straßen. Dieses Verhalten, das auch andere Kulturfolger haben, wird als Strategie zur Vermeidung von Begegnungen mit Beutefeinden gedeutet.

> www.vogelschutzeutin-
badmalente.de


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erstellt am 23.Dez.2015 | 00:32 Uhr

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