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Serie: Fit for Frühling : Fit for Frühling: Klettern

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Dieser Frühling wird sportlich – oder wenigstens nicht ganz so kurzatmig. Das haben OHA-Mitarbeiter Harald Klipp und Andrea Lange beschlossen. In Folge 6 geht es heute in luftige Höhen: an die Kletterwand.

shz.de von
erstellt am 28.Apr.2017 | 19:30 Uhr

Weil Joggen und Gerätetraining allgemein bekannt sein sollten und für viele sportliche Durchstarter nicht das ausreichende Spaß-Potential für ein langes Durchhalten bergen, präsentiert die Serie „Fit for Frühling“ Sportarten für jeden Geschmack. Nach Federball, Trampolin, Schwimmerbecken, Pilates- und Kung-Fu-Matte geht es in der sechsten und letzten Folge an die Kletterwand.

Klettern

Als ich die acht Meter hohe Kletterwand, die bis an die Hallendecke reicht, vor mir sehe, wird mir schon etwas mulmig zumute. Auf Bäume zu klettern bereitet auch heute noch kaum Schwierigkeiten. Aber an einer steilen – teilweise sogar leicht geneigten – Wand mit winzigen Gummi-Gnuppeln empor zu kraxeln, wie soll das physikalisch überhaupt möglich sein?! Beim Zustand meiner Bizepse hege ich Zweifel, auch nur einen Fuß vom Boden lösen zu können. Aber diese Sorge nimmt mir Wolfgang Kaselow (61), mein Betreuer für heute, schon im Vorfeld. Während ich hilflos auf meine Pudding-Oberarme deute, erklärt mir der Polizei-Sportlehrer ungerührt: „Vom Grundsatz ist Klettern genauso, als würde man eine Leiter hochsteigen. Die Kraft kommt aus den Beinen, nicht aus den Armen.“ Puh, Glück gehabt, Leitern hochklettern, das kann ich.

Nachdem mich Wolfgang Kaselow mit dem nötigen Gurtzeug und Kletterschuhen ausgestattet und mir den Sicherungsknoten erklärt hat, an dem in wenigen Minuten mein junges Leben hängen soll, wage ich mich an die Wand. Acht Meter ist er also hoch, mein heutiger Everest. Und doch wirkt die Distanz bis zur Wellblech-Decke deutlich größer und beeindruckender. Wolfgang, seit vier Jahren passionierter Kletterer, sichert mich.

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Meinen rechten Fuß stelle ich auf einen grünen Griff, der knapp 20 Zentimeter über dem Boden angebracht ist, und halte mich dabei gleichzeitig an einem gelben Griff kurz über meinem Kopf fest. „An die Beine denken“, ermahnt mich Wolfgang mit gedehnten Vokalen als er offensichtlich bemerkt, dass ich gerade all meine Kraft im Spaghetti-Arm aufzubauen versuche, um mich damit hochzuziehen. Also stemme ich mich stattdessen mit dem Fuß nach oben ab und tatsächlich, es funktioniert! Ohne großartige Kraftanstrengung habe ich schon knappe 20 Zentimeter an der Wand geschafft. Schritt für Schritt arbeite ich mich, mal nach rechts, dann nach links fassend und steigend, nach oben.

Je höher ich komme, desto weiter entfernen sich aber die Griffe voneinander, sodass auch jede weitere Schritt-Griff-Kombination komplexer wird. Jetzt heißt es nicht nur, sich genau zu überlegen, welcher Gummi-Gnuppel für einen der beiden Füße – im Rahmen der eigenen Gelenkigkeit und Bein- oder auch Fußlänge – am besten zu erreichen ist. Nein, jetzt gilt es auch, gleichzeitig mit dem nächsten geplanten Schritt einen Griff für die Hände anzuvisieren, den man noch im Schwung nach oben packen kann – und sollte, um nicht von der Wand zu fallen. Für diesen „Fall“ sichert aber natürlich der untenstehende Partner das unbeschadete Landen auf dem Boden. Zum Glück gibt mir Wolfgang hilfreiche Tipps und motiviert mich. Somit schaffe ich die Anfänger-Kletterwand ohne Probleme.

An der nächsten, anspruchsvolleren Wand – mit leichter Neigung ins Halleninnere – ist jeder Schritt nach oben merklich schwieriger. Aber jetzt habe ich das Kletterkonzept verstanden und denke weniger über jeden Tritt nach. Die acht Meter spüre ich überhaupt nicht, weil ich dafür viel zu konzentriert meinen Weg gen Decke plane. Und auch das Abseilen, nach dem Bezwingen des „Gipfels“, ist lediglich eine Überwindungsfrage und macht zudem richtig Spaß.

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Mein Fazit

Klettern ist eine Sportart, deren Spaßfaktor ich unterschätzt habe. Die Steilwand zu erklimmen erfordert körperliche wie geistige koordinative Fähigkeiten, ist aber für jeden – ohne ausgeprägte Höhenangst – geeignet. Nach drei Wänden à acht Metern habe ich keinerlei Überlastungserscheinungen gespürt, auch der erwartete Muskelkater blieb aus. Klettern wie hier beschrieben ist nur mit einer Person zur Absicherung und natürlich in einer Kletterhalle möglich. Wenn beide Bedingungen erfüllt sind, sollte man aber jede physikalische Skepsis über den Haufen werfen, und zum Kletteraffen werden. Prädikat: Absolut empfehlenswert!
Alle Selbstversuche unserer Autoren Harald Klipp und Andrea Lange gibt es auch als Video: http://www.shz.de/lokales/
ostholsteiner-anzeiger

 

„Fit for Frühling“ – Der Film

Folge verpasst? Die verschwitzten Selbstversuche von Andrea Lange und Harald Klipp gibt es hier nochmal zu sehen.

Folge 1: Badminton

Folge 2: Jumping-Fitness

Folge 3: Pilates

Folge 4: Aqua-Jogging

Folge 5: Kung Fu

 


 

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