Eutin : Fissau: Diskussion um FFH-Gebiet

Die Schuppen sollen vor der FFH-Bestimmung gebaut worden sein. An ihrer Stelle soll ein Wohnhaus entstehen, wenn eine Lösung gefunden wird, das Gebiet aus dem FFH-Schutz zu nehmen.
1 von 3
Die Schuppen sollen vor der FFH-Bestimmung gebaut worden sein. An ihrer Stelle soll ein Wohnhaus entstehen, wenn eine Lösung gefunden wird, das Gebiet aus dem FFH-Schutz zu nehmen.

An der Sielbecker Landstraße sollen Mehrfamilienhäuser entstehen – einziges Problem: Schutz der Flora und Fauna steht im Weg

Avatar_shz von
30. November 2018, 10:52 Uhr

Was passiert, wenn am Schreibtisch Pläne und Schutzgebiete geschmiedet werden, ohne diese mit der Realität abzugleichen, wurde im jüngsten Stadtentwicklungsausschuss am Donnerstag gleich mehrfach deutlich.

Ein nennenswertes Beispiel tauchte bei den Planungen für Mehrfamilienhäuser rund um die Sielbecker Landstraße 21 auf. Wo seit 1993 Stallungen und Lagerplätze neben dem großen Wohnhaus Nummer 21 existieren, wurde offenbar Jahre später ein FFH-Gebiet „über“ die bestehenden Bauten gelegt. FFH-Gebiete sind spezielle europäische Schutzgebiete in Natur- und Landschaftsschutz, die nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ausgewiesen wurden und zum Schutz von Pflanzen und Tieren sowie Lebensraum im allgemeinen dienen. Doch was passiert, wenn die Referentin des Planungsbüros Ostholsteins – beauftragt mit der FFH-Verträglichkeitsprüfung – sagt: „Es bestehen aus unserer Sicht keine Bedenken, da es sich um artenarmes Intensiv-Grünland handelt“? Die Reaktionen folgen prompt. „Ich habe noch nie erlebt, dass ein festgesetztes FFH-Gebiet mit einer solchen Eleganz totgesprochen wird. Das ist mir noch nicht untergekommen“, eröffnete Heiko Godow (CDU) die Diskussionsrunde. Christiane Balzer (Grüne) hakte nach: „Warum ist es denn artenarm? Weil da offenbar keiner darauf geachtet hat, dass ein FFH-Gebiet nicht so genutzt werden kann, wie es genutzt wurde.“ Als Grüne könne und wolle sie dem so nicht stattgeben – „es gab nicht mal eine richtige Umweltprüfung“.

Heinz Lange (FWE) zeigte sich überrascht: „In der Riemannstraße und an der Stadtbucht haben wir mit den Stimmen von CDU und Grünen einmal Bauen in den Niederungen zugelassen und einmal ein Stück aus dem Landschaftsschutz entlassen und hier geht das nicht?“

Es müssten alle gleichbehandelt werden, so Christian Schulz von der FDP: „Standen die Schuppen vor dem FFH-Gebiet, hat die Verwaltung gepennt oder ein anderer.“ Susanne Stange vom zuständigen Fachdienst für Stadt- und Gemeindeplanung lenkte ein: Es habe einen Wechsel im Verfahren mit Umweltprüfbericht gegeben. Der Verwaltung erschließe sich der Schutzzweck nicht bei dieser Fläche, weshalb sie keine Einwände hätte, die Planungen so zu genehmigen.

Für den Dorfvorstand seien Koppel und Schuppen ebenso nicht schützenswert: „Uns war wichtig, dass die Parkplatzsituation auf dem Grundstück geklärt und die Zufahrt im Kreuzungsbereich mit der Dorfstraße geregelt wird“, erklärte Dorfvorsteher Manfred Raddatz. Auch den Blick zur Schwentine wollten die Fissauer gewahrt wissen, weshalb die Häuser quer und nicht längs zur Straße entstehen sollen.

Auf Bitten von CDU und Grünen, dann doch ein „sauberes Entlassungsverfahren“ aus dem FFH-Gebiet zu wählen, sagte Stange: „Wir befinden uns derzeit in der Abstimmung und können ja schauen, ob am Ende die Entlassung aus dem FFH-Gebiet oder die Befreiung mit Auflagen von der Naturschutzbehörde der bessere Weg ist.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen