18 Jahre Pachtzeit abgelaufen : Fischerei Reese verlässt den Standort Plön

Der alte Angelkahn hat die besten Jahre hinter sich. Gunnar Reese räumt in diesen Tagen die Fischerei in Plön.
Der alte Angelkahn hat die besten Jahre hinter sich. Gunnar Reese räumt in diesen Tagen die Fischerei in Plön. Fotos: Michael Kuhr (3)

Fischwirtschaftsmeister Gunnar Reese hat vor zwei Jahren Entscheidung getroffen, den Vertrag mit dem Land zu beenden.

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30. März 2020, 17:41 Uhr

Plön | Er hat sich bemüht, dass Wappentier der Stadt Plön – die Maräne – wieder im Großen Plöner See anzusiedeln. Fischwirtschaftsmeister Gunnar Reese haben allerdings drei aufeinander folgende harte Winter einen gehörigen Strich durch die Rechnung gemacht. Heute ist nach 18 Jahren Schluss. Der 59-Jährige gibt seinen Teil der Fischerei auf dem Großen Plöner See und die Liegenschaft der Fischerei in Plön mit Auslaufen des Vertrages am 31. März an das Land zurück. 2002 übernahm Reese den Betrieb von der Fischerei Wilken, die die Plöner Seenfischei zuvor über drei Generationen führte. Heute bewirtschaftet Gunnar Reese von seinem Hauptbetrieb in Sarlhusen (Kreis Steinburg) gemeinsam mit seinen 18 Mitarbeitern 80 Hektar Teiche und 2500 Hektar Seen im Land – darunter Teichanlagen in Aukrug, Mühlenfeld und Sarlhusen sowie der Selenter See.

Bis 2010 haben wir mit dem See und dem Bistro gute Jahre gehabt Gunnar Reese, Fischwirtschaftsmeister
 

„Bereits vor zwei Jahren habe ich die Entscheidung getroffen, den Großen Plöner See aufzugeben“, sagt Gunnar Reese. Schon im vergangenen Jahr sei nicht mehr gefischt und bereits 2017 das Bistro geschlossen worden. Er hatte große Probleme, geeignetes Personal für das Bistro zu finden. „Bis 2010 haben wir mit dem See und dem Bistro gute Jahre gehabt“, blickt Gunnar Reese zurück. Es habe ein schlüssiges Konzept und eine vernünftige Perspektive gegeben. Und das Bistro sei besonders in den Sommermonaten von Einheimischen und Urlaubern sehr gut angenommen worden. Silbermaränen habe es geräuchert oder gebraten im Bistro gegeben. Highlight war das Stadtbuchtfest.

Riecht und schmeckt lecker: frisch geräucherter Fisch aus der Fischerei Reese gab es auch zum Stadtbuchtfest.
Michael Kuhr
Riecht und schmeckt lecker: frisch geräucherter Fisch aus der Fischerei Reese gab es auch zum Stadtbuchtfest.
 

In guten Sommern hat Gunnar Reese bis zu 17 Arbeitsplätze in Plön geschaffen: Fischer, Auszubildende zum Binnenfischer und Teichwirt, Fahrer sowie Kräfte in Vorbereitung, Veredelung und Verkauf sowie Saisonkräfte. Ein gutes wirtschaftliches Standbein waren die Guidings der Fischerei. Fischer fuhren mit Angelgästen aus ganz Deutschland auf den See zum Fischen. Gewohnt haben die Gäste direkt in der Fischerei in der Eutiner Straße. „Dafür hatten wir drei Ferienwohnungen in der Fischerei renoviert“, erinnert sich Gunnar Reese an wöchentlich etwa 15 Angler in der Saison von Mai bis Oktober.

Die motorisierten Ausfahrten mit unseren Angelgästen wurden uns dann 2018 vom Verpächter des Sees verboten. Gunnar Reese, ehemaliger Pächter der Plöner Seefischerei

Doch es ga b Probleme. Zur beruflichen Fischerei auf dem Großen Plöner See durften die Reese-Fischer mit Motorbooten auf den Seen fahren. Das allerdings taten sie auch mit den Angeltouristen, was in Plön gerade von Anglern, die noch mit erheblicher Muskalkraft in die Angelreviere pullen mussten, mit Argwohn beobachtet wurde. „Die motorisierten Ausfahrten mit unseren Angelgästen wurden uns dann 2018 vom Verpächter des Sees, dem Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein , verboten“, ärgert sich Gunnar Reese – ein wesentlicher Grund für ihn, den Betrieb in Plön aufzugeben.

Die prächtige Seeforelle haben die Fischer von Guunnar Reese aus dem Großen Plöner See gefischt.
Michael Kuhr
Die prächtige Seeforelle haben die Fischer von Guunnar Reese aus dem Großen Plöner See gefischt.
 

Der einst über die Grenzen des Landes hinaus als fischreicher See bekannte Große Plöner See hat einen immer noch starken Hecht- und Barschbestand, weiß der Fischwirtschaftsmeister. Der See sei für die Hobbyangler immer noch sehr interessant aber für die Berufsfischerei heute nicht mehr. Aale gibt es schon seit 2002 nicht mehr. So hat Gunnar Reese versucht, durch eigene Besatzmaßnahmen die Silber- und Edelmaräne als seinen wirtschaftlichen „Brotfisch“ zu stärken. Jährlich züchtete er bis zu sechs Millionen Maränenbrütlinge, die seine Fischer in den See einbrachten. Doch drei aufeinander folgende harte Winter machten die Arbeit zunichte, erzählt Gunnar Reese von „viel Frust“. Die Bestände an Silbermaränen seien zusammengebrochen, was übrigens auch für den Selenter See gelte. Ab 2014 stellte Reese die Fischerei auf Silbermaänen in Plön ein.

Die Insel Olsborg hat Fischer Gunnar Reese viele Jahre vor der Besiedlung durch Kormorane geschützt.
oha
Die Insel Olsborg hat Fischer Gunnar Reese viele Jahre vor der Besiedlung durch Kormorane geschützt.
 

Als weiteres Problem auf dem Großen Plöner See beschreibt er die Kormorane, deren Abschuss seit 2019 verboten und vom Land pro Betrieb mit 10.000 Euro pro Jahr entschädigt wird. Für den 59-Jährigen „ein Tropfen auf den heißen Stein“. Zu Beginn seiner Aktivitäten sei das Wasser des See wegen seines hohen Nährstoffgehaltes noch trübe (eutroph) gewesen. Das erschwerte die Jagd der Kormorane nach Fischen. Doch das Wasser sei in den vergangenen Jahren deutlich klarer (mesotroph) geworden, weil die Landwirte offensichtlich nicht mehr so viele Schadstoffe auf ihre Felder bringen und so für weniger Nährstoffe im Wasser sorgen. „So wird der See für uns Berufsfischer allerdings mit weniger Erträgen unproduktiv und zu einem exzellenten Revier für die Kormorane“, sagte Gunnar Reese.

Das war ein Kapitel meines Arbeitslebens. Gunnar Reese, 59 Jahre
 

Der 59-Jährige weint der Fischerzeit in Plön keine Träne nach: „Das war ein Kapitel meines Arbeitslebens.“ Der Weg in Plön vom Fang bis zum Essen sei völlig in Ordnung gewesen. Deshalb möchte er Plön auch nicht ganz verlassen: „Derzeit laufen die Verhandlungen mit dem Land über die Pacht des Kleinen Plöner Sees“, verrät Gunnar Reese. Angelkarten würden zurzeit von Fischerkollegen Lasner, dem Landessportfischerverband und den Fischern Schwarten am gemeinsame Karte für den Großen Plöner See und die Nebenseen angeboten. Reese weiß: „Die Gewässer bleiben ein Eldorado für Angler, die große Fische mögen.“

Dicke Barsche nach Darstelung von Gunnar Reese aus dem Großen Plöner See zu ziehen.
privat
Dicke Barsche nach Darstelung von Gunnar Reese aus dem Großen Plöner See zu ziehen.
 

Das zurückgelassene Fischereigebäude in der Eutiner Straße ist funktionell. Zwar soll eine große Garage abgerissen werden, weil es schon lange baurechtliche Probleme gibt, doch die Fischerei selbst bietet neben dem Bistro mit knapp 30 Plätzen drinnen und 15 Plätzen auf der Terrasse Platz für Gäste. „Die Einrichtung im Bistro bleibt erhalten, bis die Nachfolge geregelt ist“, sagt Gunnar Reese. Vielleicht wolle ein neuer Pächter das Bistro nutzen und habe dann für wenig Geld schon eine gute Grundlage. Drei Wohnungen hat Gunnar Reese vor fünf Jahren komplett renoviert. Es gibt in der Fischerei Kühl- und Getrierräume aber auch ausreichend Raum zur Veredelung der Fische aus dem Großen Plöner See.

Grundstück am Großen Plöner See soll 300 Euro pro Quadratmeter kosten

Es ist ein wunderschönes Fleckchen Erde, dass in der Plöner Stadtbucht durch den Weggang der Fischerei Reese jetzt zur Disposition steht. So mancher Makler mag sein Augenmerk schon mal auf das exzellente See-grundstück gelegt haben. Der Eigentümer ist das Land Schleswig-Holstein. Hier gibt es klare Vorstellungen: 300 Euro soll laut einem Wertgutachten jeder der 2527 Quadratmeter der Fischerei kosten – rund 750.000 Euro. „Wir stehen in engem Austausch mit dem Land und dem Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein“, sagte Bürgermeister Lars Winter gestern. Zunächst einmal werde die Stadt die Fläche für das anstehende Stadtbuchtfest und die H-Jollen-Regatta des PSV „übernehmen“. Es solle das Garagengebäude abgerissen werden. Außerdem, so Winter weiter, muss sich die Stadt um einen abgängigen Steg kümmern.

Bürgermeister kann sich einen Sandstrand mit Fischverkauf in der Stadtbucht vorstellen

Zwischenzeitlich, so die Informationen in Plön, wird das Land die Fischerei europaweit ausschreiben. Lars Winter geht davon aus, dass sich nach einer Entscheidung des Landes alle Beteiligten zusamensetzen werden, um gemeinsam die Zukunft der Fischerei in Plön zu besprechen. Wenn es nach der Stadt Plön geht, dann soll auf dem Gelände ein neues Multifunktionsgebäude entstehen – als Umkleide- und Waschraum mit Toiletten für die Segler und die Öffentlichkeit. In Gedanken ist Plöns Bürgermeister schon sehr weit. Er könnte sich an der Plöner Fischerei in der Eutiner Straße einen Stadtstrand mit Fischverkostung draußen vorstellen und vielleicht auch eine Verlegung von Tante Theas Bootsverleih. Für ein Hotel sei der Standort zu klein.

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