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Ostholsteiner Anzeiger

22. Oktober 2017 | 00:08 Uhr

Filme aus Hitlers Propagandastudio

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Im Kommunalen Kino der Pumpe startet im neuen Jahr eine siebenteilige Reihe mit sogenannten „Vorbehaltsfilmen“ aus der NS-Zeit

shz.de von
erstellt am 21.Dez.2015 | 00:35 Uhr

Der Giftschrank öffnet sich. Im neuen Jahr zeigen 26 Studenten der Medienwissenschaften an der Kieler Universität gemeinsam mit ihrem Dozenten Eckhard Pabst eine siebenteilige Filmreihe unter dem Titel „Propaganda – Das Kino der NS-Zeit“. Das Projekt versteht sich als Aufklärungsarbeit über das künstlerische Wirken der Nationalsozialisten, alle Filme werden im Kommunalen Kino der Pumpe von Vorträgen und Diskussionen begleitet. Christian Meyer-Heidemann als Landesbeauftragter für politische Bildung und Bildungsministerin Britta Ernst als Schirmherrin unterstützen diesen Ansatz. Eröffnet wird die Serie am 12. Januar mit „Hitlerjunge Quex“.

Zwischen 1933 und 1945 entstanden in Deutschland über 1200 Filme. Den größten Anteil stellen reine Unterhaltungsfilme. „Die Feuerzangenbowle“ mit Heinz Rühmann und „Münchhausen“ mit Hans Albers in der Titelrolle des Lügen-Barons gehören zu den bekanntesten. NS-Propagandaminister Joseph Goebbels ließ aber auch Werke produzieren, die den Kern der nationalsozialistischen Ideologie auf die Kinoleinwand transportierten: Judenfeindlichkeit und Rassismus, Kriegsverherrlichung und Volksverhetzung.

Als sogenannte „Vorbehaltsfilme“ dürfen sie in der Bundesrepublik auch 70 Jahre nach Kriegsende nur mit einem Rahmenprogramm gezeigt werden – um der perfiden Propaganda die Giftzähne zu ziehen. Denn sie sind, wie auch die Studenten in ihrer Filmsichtung herausgefunden haben, handwerklich durchweg sehr gut gemacht. „Man muss aufpassen“, erklärt eine Teilnehmerin, „dass man das Quex-Lied nicht einfach auf der Straße weitersingt.“

Die Filme im Einzelnen:
> „Hitlerjunge Quex“ (Dienstag, 12. Januar, 19 Uhr): Dieser Film, 1933 entstanden, nährt die Mythen des NS-Aufstiegs und des Kampfes mit dem politischen Gegner – jener brutale Arbeiter eingeschlossen, der seinem Sohn die „Internationale“ einprügelt.
> „Ich klage an“ (Sonntag, 17. Januar): Das Drama von 1941 wirbt um Sympathie für die Vernichtung unwerten Lebens – der Euthanasie fielen im Dritten Reich über 70  000 Menschen zum Opfer.
> „Der ewige Jude“ (Mittwoch, 20. Januar) setzt 1940 die Juden mit den Ratten gleich – als dreckige Krankheitsüberträger und schädliches Ungeziefer.
> „Jud Süß“ (Sonntag, 24. Januar) von 1940 soll die Hinterhältigkeit des jüdischen Wesens in der Person des Bankiers Oppenheimer offenlegen.
> „Ohm Krüger“ (Dienstag, 26. Januar) beschäftigt sich mit dem Burenkrieg in Südafrika und will die Machenschaften der Briten entlarven – Kriegsgegner der Deutschen im Jahre 1941.
> „Heimkehr“ (Sonntag, 31. Januar) wurde 1941 gedreht. Der Film rechtfertigt den Überfall der Deutschen auf Polen und schafft dafür Helden, die verbissen an ihren Zielen festhalten.
> „Kolberg“ (Mittwoch, 3. Februar) stammt aus dem Jahre 1945 und nutzt den historischen Freiheitskampf der Deutschen gegen Napoleon zur Stärkung des Durchhaltewillens in den letzten Kriegsmonaten.  


Mehr Infos unter www.diepumpe.de

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