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Ostholsteiner Anzeiger

22. August 2017 | 08:16 Uhr

Fieberhafte Suche nach der Ursache

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Sprachrekorder der abgestürzten Germanwings-Maschine geborgen – doch die Blackbox bleibt verschollen / Merkel besucht Unglücksort

Die Ermittlungen zur Ursache des Germanwings-Absturzes in Frankreich stoßen auf unerwartete Probleme. Im Trümmerfeld der Unglücksstelle in den Alpen fanden Bergungskräfte zwar den Sprachrekorder und den Behälter des Flugdatenschreibers. Die eigentliche Blackbox mit gespeicherten Flugdaten blieb zunächst aber verschollen, wie der französische Präsident François Hollande in Seyne-les-Alpes sagte. Zudem dauerte die Auswertung der Geräusche aus dem Cockpit des Airbus A320 länger als erwartet.

Klar war zunächst nur, dass die Germanwings-Maschine nicht in der Luft explodierte. „Das Flugzeug ist bis zum Schluss geflogen“, es habe also keine Explosion gegeben, teilte der Direktor der französischen Untersuchungsbehörde BEA, Rémi Jouty, in Paris mit. Die BEA habe zwar auswertbare Daten aus dem ersten Flugschreiber sichergestellt, doch: „Wir haben auch nicht die geringste Erklärung dafür, warum dieses Flugzeug auf die Kontaktversuche der Luftraumkontrolle, wie es scheint, nicht geantwortet hat“, sagte Jouty.

Bundeskanzlerin Angela Merkel besichtigte mit Hollande aus der Luft den Absturzort in einem schwer zugänglichen Tal. Merkel dankte den Einsatzkräften: „Das ist ein Zeichen unglaublicher Freundschaft und Hilfe. Wir sind sehr dankbar“, sagte sie. Bergungsteams seilten sich gestern von Hubschraubern in das unwegsame Gelände ab. Zugleich setzten rund 50 Spezialkräfte, die in dem Bergmassiv übernachtet hatten, ihren Aufstieg zum Absturzort fort. Beim Aufprall der Maschine waren alle 150 Menschen an Bord ums Leben gekommen. Die meisten Opfer stammen aus Deutschland und Spanien.

Die Maschine war auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf, als sie minutenlang an Flughöhe verlor und schließlich an dem Bergmassiv zerschellte. Die meisten deutschen Opfer kamen aus Nordrhein-Westfalen, weshalb Ministerpräsidentin Hannelore Kraft mit Merkel nach Frankreich gereist war. Unter den Opfern waren unter anderem 16 Schüler aus Haltern, die ihre verhängnisvolle Spanien-Reise per Losentscheid gewonnen hatten, wie eine Sprecherin der Bezirksregierung sagte. Vor dem Joseph-König-Gymnasium in Haltern erinnerte gestern ein Lichtermeer an die  Schüler und zwei Lehrerinnen. „An unserer Schule wird nichts mehr so sein, wie es vorher war“, sagte Schulleiter Ulrich Wessel.

Die Bergung der 150 Opfer wird nach Einschätzung der Experten extrem schwierig. Für die Angehörigen wurde in Seyne-les-Alpes ein Ort der Stille eingerichtet. Die Lufthansa will heute weitere Hinterbliebene mit Sonderflügen nach Südfrankreich bringen. Seiten 22 bis 24

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erstellt am 25.Mär.2015 | 20:00 Uhr

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