Gravierende Baumängel : Feuerwehrhaus in Röbel: Erst vier Wochen alt, aber schon angeschimmelt

Im nagelneuen Feuerwehrhaus in Röbel offenbaren sich gravierende Baumängel.
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Im nagelneuen Feuerwehrhaus in Röbel offenbaren sich gravierende Baumängel.

700.000 Euro hat der Neubau gekostet – doch es gibt gravierende Mängel. Die Sozialräume wurden gesperrt.

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25. Januar 2018, 15:49 Uhr

Die Freude über das neue Domizil währte nur kurz: Vier Wochen nach dem Einzug wurde am Donnerstag das neue Feuerwehrhaus in Röbel (Gemeinde Süsel, Kreis Ostholstein) gesperrt: In den Sozialräumen blüht Schimmelpilz an Wänden. Die ziehen, wie es aussieht, an diversen Stellen Feuchtigkeit von unten.

Nach einem Besichtigungstermin von Feuerwehrleuten, Gemeindevertretern und Verwaltungsmitarbeitern am Mittwoch fiel die Entscheidung, die Sozialräume in dem 700.000 Euro teuren Gebäude vorerst wegen möglicher Gesundheitsgefahren nicht mehr zu nutzen. Die Fahrzeughalle ist aber trocken und damit die Einsatzfähigkeit der Wehr gegeben.

Die Sozialräume des Feuerwehrhauses werden vorerst nicht mehr genutzt.
Achim Krauskopf
Die Sozialräume des Feuerwehrhauses werden vorerst nicht mehr genutzt.

Schwarze Flecken über den Fußleisten im Schulungsraum waren die ersten Zeichen, dass mit dem Haus etwas nicht stimmt, schilderte Rolf Müller am Donnerstag dem Ostholsteiner Anzeiger Der neue Gemeindewehrführer war bis Ende des Jahres Ortswehrführer von Röbel, in seine Dienstzeit fielen Planung und Bau des neuen Sprüttenhuses, für das er sich immer noch verantwortlich fühlt.

Schwarze Flecken verraten aufsteigende Feuchtigkeit.
Achim Krauskopf
Schwarze Flecken verraten aufsteigende Feuchtigkeit.
 

Nach der Erkenntnis, dass da offensichtlich in den Wänden Feuchtigkeit von unten aufsteigt, habe man naheliegende Quellen gesucht: Die Dichtheit der Heizungsrohre einschließlich der Heizschlangen im Fußboden sei ebenso überprüft worden wie die der Wasserleitungen – ohne Nachweis eines Lecks.

Durch ein undichtes Dach oder durch die Wände von außen komme das Wasser offensichtlich auch nicht. Die Öffnung einer Wand im Büro habe gezeigt, dass die Außenhaut des Gebäudes trocken, die Innenwand aber feucht sei.

Diese Beobachtung gilt auch bei Schimmel in Räumen, in denen die Spinde stehen: Die Außenwände sind anscheinend ok, die Innenwände sind feucht. Teilweise stehen sogar Wasserlachen auf Fliesen. Eine weitere Merkwürdigkeit: In einem Duschraum gibt es keine Pilze, aber auf der anderen Seite der Wand, an der Spinde standen und in der keine Wasserleitungen sind, blüht der Schimmel.

Wie den Feuerwehrleuten ist auch den Gemeindevertretern der Schreck in die Glieder gefahren: Als erstes müsse per Leckortung die Quelle der Feuchtigkeit gefunden werden, sagte Swantje Meininghaus (SPD), die bis Donnerstag den Bürgermeister vertrat. Und dann müsse schnell der Schaden beseitigt und geklärt werden, wer dafür aufkomme.

Adrianus Boonekamp (CDU) sagte, er werde sich dafür einsetzen, dass ein neutraler Sachverständiger den kompletten Bau unter die Lupe nehme und, falls vorhanden, auch andere Mängel dokumentieren. Der Vorsitzende der CDU-Fraktion ist nicht nur wegen des Desasters in Röbel verärgert, sondern auch wegen überraschender Kosten im Süseler Feuerwehrhaus: Da habe sich herausgestellt, dass die Kapazität des Sicherungskastens nicht ausreichend sei und nachgerüstet werden müsse. „Das ist wieder ein Beispiel für eine unzureichende Bauabnahme: Weil das zu spät bemerkt worden ist, muss die Gemeinde das aus ihrer Tasche zahlen.“

Rolf Müller hofft unterdessen, dass die Ursache der Feuchtigkeit schnell gefunden und abgestellt werden kann – und auch geklärt wird, wer die Kosten dafür übernimmt. Auf eine Nutzung der Sozialräume werde man vorerst verzichten, weil Schimmelpilze für empfindliche Menschen eine Gefahr darstellen könnte. Die Spinde aus den feuchten Räumen werde die Feuerwehr in die trockene Fahrzeughalle bringen.

An einen Umzug der Fahrzeuge ins alte Haus direkt nebenan denkt die Feuerwehr nicht. Die Jahresversammlung in einer Woche am 2. Februar soll aber noch einmal im alten Versammlungsraum stattfinden. Müller: „Da müssen wir aber erst einmal die Heizung wieder in Gang bringen“.

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