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Ostholsteiner Anzeiger

20. Oktober 2017 | 00:15 Uhr

Festspiele: Erstmals zwei Orchester

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Sparkasse Holstein und Eutiner Festspiele kooperieren wieder. Das erste Pilotprojekt: Kaphil! – ein Kammerphilharmonie-Orchester

shz.de von
erstellt am 09.Apr.2016 | 03:40 Uhr

Die Eutiner Festspiele werden das Publikum in der 66. Spielzeit mit gleich zwei Orchestern überraschen. Leo Siberski, der als einer von zwei namhaften Dirigenten für die Inszenierungen gewonnen werden konnte, wird „Carmen“ mit dem neu gegründeten Kammerphilharmonischen Orchester aus Lübeck namens KaPhil! begleiten.

„Wir sind froh, dass wir einen ‚alten‘ neuen Partner wiedergefunden haben“, sagt Festspiele Geschäftsführerin Sabine Kuhnert gestern, als sie verkündete, dass die Sparkasse Holstein sowie die Sparkassen-Kulturstiftungen Ostholstein die Neuen Eutiner Festspiele unterstützen. Denn dies ermögliche erst die Arbeit mit gleich zwei Orchestern in einer Saison. Die Freude war auch seitens der Sparkasse groß. „Ich freue mich, dass wir wieder an einem Tisch sitzen. Wir glauben an die Zukunft der Festspiele und an die Professionalität des neuen Teams und der neuen Eigentümer“, sagte Sparkassen-Chef Dr. Martin Lüdiger. Kultur vor Ort werde nicht als Wettbewerb sondern als gemeinsame Aufgabe gesehen und dies zu unterstützen, habe sich die Sparkasse und ihre Kulturstiftungen verschrieben.

Die finanzielle Unterstützung ermögliche genau die Art Entwicklung, die sich Intendantin Dominique Caron für die Festspiele ersehnt hat: „Wir wollen den Menschen Vielfalt bieten und wachsen. und das ist etwas, das uns wachsen lässt.“ Zwei Orchester seien eine Bereicherung. In kaum einem anderen Festspielhaus gebe es nur ein Festspielorchester – wie bisher bei den Eutiner Festspielen. „Es ist keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung“, hob Caron hervor. „Carmen“ werde mit dem Pilotprojekt, wie Caron die Zusammenarbeit mit KaPhil! im ersten Jahr nennt, dem Publikum völlig neu dargeboten: „Ein neues Team, ein neues Bühnenbild, ein neues Orchester.“ Auch für künftige Crossover-Projekte beispielsweise auf kleineren Bühnen sei die Zusammenarbeit mit einem derartigen orchester reizvoll. „Wir glauben zusammen mit unserem Partner daran, dass eine erfolgreiche Weiterentwicklung der Festspiele, so wie wir sie uns denken, möglich ist“, so Caron.

Leo Siberski wird das (bisherige) Festspielorchester beim „Vogelhändler“ dirigieren und das neue bei „Carmen“. Was bedeutet KaPhil!? „Der Name kommt aus der Komik-Sprache von Kawumm!. Wir wollen auf unser Publikum modern und offensiv zugehen, im Kapuzenpulli gepaart mit schwarzem Anzug die Musik auch an Orten tragen, die nicht primär damit verbunden werden“, sagt Siberski, der sich – obwohl KaPhil!-Chefdirigent – als Teil des Projekts begreift. „Das völlig neue an dieser Art von Orchester ist, dass alle künstlerischen Entscheidungen sowie der Probenprozess demokratisch entstehen“, so Siberski. Ebenso demokratisch erfolgte auch die Besetzung des insgesamt rund 80 köpfigen Orchesters: Drei Musiker aus Lübeck (Jan Baruschke sowie die Initiatoren Andy Limpio und Helge Tischler) und Siberski haben jeweils zum Konzept passende Musiker ausgewählt, die wiederum andere Musiker ins Spiel brachten. Mit einer Besetzung von 56 begleiten sie die Oper in Eutin ab 8. Juli. Siberski: „Wir wollen Carmen so spielen, wie wir denken, das Bizet sie gemeint hat. Denn die genreübergreifende Zusammensetzung der Musiker eröffnet einen ganz anderen Blick auf die klassische Musik.“ Das besondere an KaPhil!: „Die Musiker nehmen sich für die Proben so viel Zeit, wie sie meinen zu brauchen, um die Qualität zu liefern, der sie sich verschrieben haben“, sagt Siberski. Auch die Spielfreude der 25- bis 45-Jährigen, die aus den verschiedensten Bereichen kommen, sei eine größere und andere, als in so manchem Profi-Orchester, so Siberski.

Für zusätzliche Qualität bei „Carmen“, so die Intendantin, sorge das Engagement der „Alsterspatzen“, ein professioneller Kinderchor, der im vergangenen Jahr die „Carmen“ an der Hamburger Staatsoper begleitet hat. Das lassen sich die Festspiele auch einiges Kosten, versicherte Kuhnert, denn die Logistik allein – Kinder zu allen Proben udn Aufführungen abholen und nach Hamburg bringen – sei eine Herausforderung gewesen. „Das zu meistern, funktioniert nur mit starken Partnern, die von der guten Sache ebenso überzeugt sind, wie man selbst.“

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