Festspiele: Arbeit mit Hingabe und Liebe

Mit Spaß bei der Arbeit: La-Traviata-Intendantin Dominique Caron schaut bei den Proben vorbei. Kostümbildnerin Martina Feldmann notiert, was Hardy Rudolz und sein Choreograf sagen.
Mit Spaß bei der Arbeit: La-Traviata-Intendantin Dominique Caron schaut bei den Proben vorbei. Kostümbildnerin Martina Feldmann notiert, was Hardy Rudolz und sein Choreograf sagen.

Intendant Hardy Rudolz hat es gern perfekt / Ein Probenbesuch mit Zukunftsvision

shz.de von
04. Juli 2018, 00:46 Uhr

Die Sonne scheint auch bei den Abendproben von „My Fair Lady“, Sängern und Chormitgliedern ist sichtlich warm. Intendant Hardy Rudolz sitzt am Regie-Tisch mit Choreograf Vanni Viscusi und Kostümbildnerin Martina Feldmann im Schatten auf der Zuschauerseite. Klavierprobe, Montagabend – zwei Tage bis zur öffentlichen Generalprobe. „Wir machen das so lange, bis es klappt“, sagt der 62-Jährige ins Mikrofon. Ist das Ensemble nicht synchron, das Geräusch klappernder Tassen nicht auf den Punkt, muss Eliza Doolittle (gespielt von Désirée Brodka) ihre Zungenbrecher-Sätze wiederholen und wiederholen – bis es passt.

„Wenn ich etwas mache, dann mit viel Hingabe und Liebe und so, dass es perfekt ist“, sagt Hardy Rudolz. Er freut sich, mit der Inszenierung von „My Fair Lady“ nach der „Blume von Hawaii“ 2012 ein zweites Mal in Eutin zu sein. „Es ist wie eine große Familie. Die Menschen machen das hier mit einer unbeschreiblichen Hingabe“, sagt der 62-Jährige. Die Sänger stünden zwar auf der Bühne und bekämen den Applaus, „den gleichen Respekt aber hat auch ein Ole Kwiatkowsky verdient, der 16 Stunden am Tag vor Ort arbeitet und dafür sorgt, dass alles funktioniert.“

In Eutin zu arbeiten, sei für ihn wie nach Hause kommen: „Ich habe viele Verwandte hier oben in Malente, Plön und Ascheberg. Ich durfte Urlaub auf Gut Immenhof in der Wohnung überm Torbogen machen, weil mein Onkel dort Melker war. Überhaupt habe ich tolle Erinnerungen an die Zeit.“ Geboren und aufgewachsen ist Rudolz in Börnsen am Sachsenwald – „schon in Schleswig-Holstein, Kreis Herzogtum Lauenburg“, da legt er Wert drauf. Früh habe er seine Liebe zur Musik entdeckt, seine Eltern unterstützten ihn – vom Flötenchor bis zum Studium – „nur mein Opa wollte anfangs, dass ich Pastor werde“, sagt er. Die Verbundenheit, die er in der 400-Seelengemeinde kennengelernt hat, hält bis in die Gegenwart. „Ich weiß noch, wie ein Börnsen-Fanblock 2012 nach Eutin kam, um bei der Premiere dabei zu sein – mit Banner.“ In diesem Jahr gibt es vielleicht kein Banner – aber bei mindestens zwei Vorstellungen freut sich Hardy Rudolz schon jetzt auf Freunde und Familie im Publikum.

Die Herausforderung bei der diesjährigen Inszenierung von „My Fair Lady“ liegt für Rudolz, wie er sagt, darin, dem Stück die Leichtigkeit zu geben, die es verdiene und zusätzlich mit dem Chor die zahlreichen Szenenwechsel und Umbauten einzustudieren, die in anderen Theatern durch den klassischen Vorhang im Hintergrund geschehen. „Wir spielen das hier alles mit.“

Ihm macht die Arbeit in Eutin so viel Spaß, dass er sich auf die Frage nach der Zukunftsperspektive gut vorstellen kann, auch in der nächsten Spielzeit der Festspiele ein Musical in Eutin zu inszenieren. „Er träumt davon“, sagt Rudolz mit dem ihm eigenen verschmitzten Grinsen in der dritten Person. Die große Zeit von acht Shows pro Woche sei vorbei, großartige Rollen habe er nahezu alle spielen dürfen, die Regie-Arbeit mache ihm aber so viel Freude, dass er sich das gut noch ein paar Jahre vorstellen könne. Die Arbeitsbedingungen, die Büros, „überhaupt die Veränderung der ganzen Opernscheune, das ist alles sehr wunderbar geworden, sehr familiär“.



Heute Abend (je 20 Uhr) ist öffentliche Generalprobe, Freitag Premiere.

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