Festspiel-Bühne: Die Späne fliegen

Auf Hochtouren arbeitet das Team von Bau-Service Knoop: Tadek Pawelczak (v.l.) und Jürgen Nowritzki verblenden die Stufen, Ole Kwiatkowski und Thomas Andersen sägen Bühnenbretter passend.
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Auf Hochtouren arbeitet das Team von Bau-Service Knoop: Tadek Pawelczak (v.l.) und Jürgen Nowritzki verblenden die Stufen, Ole Kwiatkowski und Thomas Andersen sägen Bühnenbretter passend.

Vorbereitungen auf Eutins Freilichtbühne laufen auf Hochtouren / Opernscheune wird moderner und lädt zum Blick hinter die Kulissen

shz.de von
28. April 2018, 00:37 Uhr

Schrauben, hämmern, sägen – und der rockige Sound aus dem Makita-Baustellenradio übertönt die zarten Vogelstimmen. Auf dem Festspielhügel ist wieder sichtbares Leben eingekehrt. Das Team um Ole Kwiatkowski baut seit dieser Woche die Bühne auf, die Ursula Wandaress für das Musical „My Fair Lady“ und die Oper „La Traviata“ entwickelt hat.

„Es ist jedes Jahr aufs neue beeindruckend, wie aus einer Idee, eigentlich einer Skizze ein Modell mit absoluter Präzision und Genauigkeit wird, passende Kostüme für die Epoche und Künstler erdacht werden und wie alle an einem Strang ziehen“, sagt Intendantin Dominique Caron. Sie freut sich auf das internationale Team aus Solisten, von denen die meisten in dieser Festspiel-Saison zum ersten Mal in Eutin singen. Es sei eine große Herausforderung, so Caron, auf Eutins Bühne zu spielen: „Wir haben keine Drehscheibe, keinen Vorhang, keine Versenkung. Alles hier ist unmittelbar – das Publikum sieht jedes Detail, jede Unachtsamkeit. Unser großer Reiz und die Herausforderung besteht darin, es glaubwürdig zu machen.“

Die Proben für das Musical „My Fair Lady“ beginnt Hardy Rudolz mit den Solisten am 4. Juni. Die Proben zur Verdi-Oper „La Traviata“ starten danach. Doch nicht nur die Bühne und die Stücke darauf werden vorbereitet, auch in der Opernscheune selbst wird gewerkelt – ein moderner Verkaufstresen wird montiert, im Gastronomiebereich wich der dunkle Holzton modernem Weiß. „Wir wollen den Festspielbesuch zu einem Erlebnis machen, das ist unser Wunsch, unsere Vision“, sagt Falk Herzog, der Mitgesellschafter und Geschäftsführer der Festspiele ist. Neben dem Gastronomieangebot, das für alle Gäste – nicht wie bisher nur „Vip’s“ und Künstler – offen ist, heißt das für ihn auch langfristig ein Miteinander in Eutin. „Wir haben in dieser Stadt so viele Schätze auf engem Raum. Wenn wir zusammenarbeiten profitieren alle davon, als wenn jeder sein eigenes Süppchen kocht“, sagt Herzog. Bei den Festspielen fängt er damit an: Die eigene Gastronomie wird nicht mehr mit einem Caterer betrieben, sondern in Kooperation mit heimischen Anbietern. „Die Verbundenheit in der Region wollen wir leben“, betont Herzog.

Wer nicht bis zur Premiere von „My Fair Lady“ (6. Juli) oder „La Traviata“ (20. Juli) warten möchte, um in den Genuss der besonderen Atmosphäre rund um den grünen Hügel zu kommen, kann am 29. Juni zum Tag der offenen Tür sogar dorthin, wo sonst nie ein Besucher hinkommt: „Der Förderverein der Festspiele wird dabei sein, wir werden etwas von den bisher erarbeiteten Produktionen zeigen und sogar die Maske, Schneiderei und den Kostümfundus öffnen“, sagt Dominique Caron. Eine erste musikalische Einstimmung auf „My Fair Lady“ unter der Leitung von Hardy Rudolz planen die Eutiner Festspiele Ende Juni auch auf dem Markt: „Auf einer kleinen Bühne werden von 10.30 bis 11.30 Uhr Kostproben des Musicals zu hören sein“,
verrät Marketingleiterin Ulrike Horstmann.

Die Bühne ist bis dahin längst fertig – auch in Farbe und lichttechnisch in Szene gesetzt. Doch damit hört für Ole Kwiatkowski und die selbsternannten „starken Jungs“ vom Bauservice Arend Knoop die Arbeit nicht auf. Mit fast zwei Dutzend Szenenwechsel innerhalb des Musicals auf offener Bühne ist auch die Aufführung eine wahre Herausforderung für das Team. Leichte Handgriffe werden für die Künstler ins Spiel integriert – für die großen Umbauten schlüpft Kwiatkowski selbst ins Kostüm.

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