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Ostholsteiner Anzeiger

23. Oktober 2017 | 23:14 Uhr

Eutin : Ferien und Training in der alten Heimat

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Der gebürtige Eutiner Paul Sprick hat in seinem ersten Jahr an der Universität von Danville in Kentucky sportlich einige Rückschläge verkraften müssen.

shz.de von
erstellt am 14.Jun.2016 | 19:19 Uhr

Seine Hausaufgaben hören sich nach viel Arbeit an, doch sein Ziel ist noch ehrgeiziger. Er soll in den Semesterferien, die dreieinhalb Monate dauern, bei seinem individuellen Training 1000 Treffer pro Woche erzielen. Paul Sprick ist das zu wenig: Der 20-Jährige will 1500 Mal pro Woche in den Korb treffen. Er will sich in der kommenden Saison einen Platz im Team des Center College Danville erkämpfen. In der abgelaufenen Spielzeit ist Paul Sprick selten über die Rolle eines Einwechselspielers hinausgekommen: „Ich habe nur etwa fünf Minuten pro Spiel auf dem Feld gestanden.“

Die Serie 2015/16 brachte dem gebürtigen Eutiner eine Reihe neuer Erfahrungen, vor allem ungewohnt viele Niederlagen. Die Teambilanz weist 19 Siege und sieben verlorene Spiele aus, darunter vier Niederlagen in Folge sowie eine Schlappe in der Conference, das sind die Punktspiele, mit 30 Punkten Unterschied. Im Sport läuft es überall auf der Welt gleich, der Erfolg deckt vieles zu, wenn er ausbleibt, kommen die Kritiker. „Das waren interessante Erfahrungen“, sagt Paul Sprick. Im Team gibt es zur nächsten Saison einige gravierende Veränderungen, von den 17 Spielern des Kaders verlassen drei die Universität in Danville, vier machen ihren Abschluss. Paul Sprick ist dann kein „Freshman“ mehr, der neu auf den Campus und ins Team gekommen ist, er darf sich dann größere Chancen auf mehr Spielzeit ausrechnen.

Freizeit ist für Paul Sprick im Uni-Alltag fast ein Fremdwort geworden. So erfordert ein Punktspielwochenende einen hohen Zeitaufwand. „Für unsere weiteste Tour sind wir am Donnerstag nach Vorlesungsschluss um 16.30 Uhr losgefahren, waren vier Stunden später am ersten Zielort. Am Freitagmorgen gab es Walk around und Shoot around, das ist die Gewöhnung an die Spielstätte und den Korb, es folgten Videos vom Gegner und eine letzte Taktikeinweisung. Am Abend ab 20 Uhr das Spiel. Am Sonnabendmorgen ging es mit dem Bus vier Stunden weiter, für Sonntag um 14 Uhr war das Spiel angesetzt, danach wieder mit dem Bus zurück, Ankunft in Danville am Montag gegen 4 Uhr, erste Vorlesung um 8 Uhr“, schildert der Student der Psychologie und Ökonomie den Ablauf.

In der letzten Saison war dieser Aufwand beinahe umsonst. Das Team des Centre College aus Danville in Kentucky flog im Halbfinale raus. „Das war eine Enttäuschung“, räumt Paul Sprick ein, der bis dahin in zwei USA-Jahren insgesamt lediglich sieben Spiele verloren hatte. Seine Schlussfolgerung: Er arbeitet in den Sommerferien noch härter an seiner Form. Dreimal die Woche, montags, mittwochs und freitags, geht er um 18 Uhr ins Fitnesstudio. Dienstag und Donnerstag feilt er am Ostseestrand an seiner Schnelligkeit und Gewandtheit.

Wichtiger als das sportliche Fortkommen ist ihm nach wie vor die akademische Entwicklung. Seine Planung hat sich geändert. „Ich will in angewandter Psychologie und in Ökonomie jeweils den Bachelor als Abschluss schaffen, danach will ich in Deutschland – wie es zurzeit aussieht, in Berlin – den Master in Wirtschaftspsychologie erwerben“, sagt Sprick. Die Regelstudienzeit von sechs Semestern bis zum Bachelor werde er wohl um zwei Semester überschreiten, die Doppelbelastung mit intensivem Basketballsport und Studium sei zu groß. Derzeit nutze er die Auswärtsfahrten mit dem Bus oft dazu, seine Hausarbeiten zu schreiben.

Das Studentenleben auf dem Campus in Danville brachte dem jungen Sportler auch viele neue Kontakte. Er wohnt auf dem Gelände der Privatuniversität im „Athlete Dorm“, dem Studentenwohnheim für Sportler. Die Palette der Sportarten der Kommilitonen auf dem Gang reicht vom Football und Fußball bis Golf, Tennis und Lacrosse. „Insgesamt sind wir 18 Leute auf dem Gang, die sich neun Zimmer teilen. Man wird im Laufe der Zeit eine große Familie, hin und wieder unternehmen wir auch etwas gemeinsam, das ist dann die Hall
Activity“, berichtet der angehende Wirtschaftspsychologe.

Insgesamt lernen und leben am Centre College nur rund 1500 Menschen, da ist der Kontakt enger als im großen Akademiebetrieb. „In der Vorlesungen zur Makroökonomie sitzen 31 Studierende“, sagt Paul Sprick. Klar, dass da der Kontakt zwischen Lehrenden und Lernenden enger ist. „Die Professoren interessieren sich für die Studenten, gucken sich zum Beispiel auch Basketballspiele an, fragen, wie es denn im Sport läuft“, berichtet er. Das Studium läuft gut: „Ich habe aktuell einen Notenschnitt von 2,0“, stellt Paul Sprick zufrieden fest.

Im nächsten Jahr steht für ihn ein Auslandssemester im Auslandsstudium auf dem Plan, da will er ein Semester in Shanghai an der Partneruniversität des Centre College Danville im „International Business“ einlegen. Vorerst genießt der 20-Jährige aber den ungewohnt langen Aufenthalt in Eutin, das Treffen mit Freunden, die Gespräche mit seinem Coach Bob Alexander. Paul Sprick unterstützt seinen Coach beim aktuellen Projekt, dem Basketballtraining mit jungen Flüchtlingen: „Manchmal sind 30 Jungen zwischen zehn und zwölf Jahren in der Sporthalle der Weberschule, in der jetzt die Körbe an den Seiten für die Kleineren heruntergelassen werden können.“ Paul Sprick legt Wert auf den Kontakt zur Turnerschaft Riemann Eutin und der BG Ostholstein: „Der Verein hat mich beim Sport sehr unterstützt, es ist Zeit, dass ich etwas zurückgeben kann, wenn ich in Eutin bin.“

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