Fehmarnbelttunnel sorgt für Diskussion

Die Spezialelemente sind jeweils 47 Meter breit und lang und 13 Meter hoch. Sie sind da-mit etwa vier Meter tiefer und an einer Seite vier Meter breiter als die Standardelemente. Die Elemente werden in der künftigen Tunnelfabrik auf Lolland gefertigt, aufs Meer hinaus-geschwommen und in den zuvor ausgehobenen Tunnelgraben abgesenkt.
Die Spezialelemente sind jeweils 47 Meter breit und lang und 13 Meter hoch. Sie sind da-mit etwa vier Meter tiefer und an einer Seite vier Meter breiter als die Standardelemente. Die Elemente werden in der künftigen Tunnelfabrik auf Lolland gefertigt, aufs Meer hinaus-geschwommen und in den zuvor ausgehobenen Tunnelgraben abgesenkt.

Amt für Planfeststellung Verkehr legt erneut Änderungen aus / Gegner kritisieren kurze Frist für Stellungnahmen / Dänen loben die Sicherheit des Bauwerks

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04. November 2018, 13:39 Uhr

Während die Dänen den Tunnel als das sicherste Bauwerk anpreisen, sorgen auf deutscher Seite die jüngsten Planungsänderungen beim Bauvorhaben des Fehmarnbelttunnels für Diskussion.

Im Zuge der zweiten Änderung der Pläne zum Bau des Fehmarnbelttunnels haben die Vorhabenträger noch einmal Anpassungen der Unterlagen vorgenommen, teilt das zuständige Kieler Ministerium mit. Zudem habe das Amt für Planfeststellung Verkehr (APV) bei der Bundesanstalt für Wasserbau eine gutachterliche Stellungnahme zur Belastbarkeit der hydrologischen und morphologischen Daten für die Umweltuntersuchungen eingeholt. Dies hat die beide Vorhabenträger, die dänische Projektgesellschaft Femern A/S und den LBV.SH Lübeck, zu einer ergänzenden Erklärung zu diesem Themenkomplex veranlasst.

Die angepassten Unterlagen werden den beteiligten Umweltverbänden und Behörden noch einmal zur möglichen Stellungnahme zur Verfügung gestellt und sind ab sofort auf der Internetseite (https://planfeststellung.bob-sh.de/) aufzurufen oder herunterzuladen (Unterordner „FBQ, Plankorrekturen und Ergänzung von Unterlagen nach der 2. Planänderung), wie das Kieler Ministerium mitteilte. Darin sei auch eine Liste enthalten, um die erfolgten Anpassungen systematisch nachzuvollziehen zu können. Nach Angaben des APV endet die Frist für die Stellungnahme der Verbände und Behörden am 23. November dieses Jahres. Gegen die Pläne zum Bau des Belttunnels sind auf deutscher Seite insgesamt über 12 000 Einwendungen eingegangen.


Die Stimmen der Gegner

Aus Sicht des Aktionsbündnisses gegen eine feste Fehmarnbeltquerung kommen werfen die Planungsänderungen in „buchstäblich letzter Minute“ zahlreiche Fragen auf, wie Hendrick Kerlen vom Aktionsbündnis mitteilt. „Wie passen diese Planänderung in buchstäblich letzter Minute und der Planfeststellungsbeschluss terminlich zusammen? Oder handelt es sich hier um eine Scheinbeteiligung, und die Änderungen sind von der Planfeststellungsbehörde längst bearbeitet ohne Ablenkung durch störende Bürger?“, fragt Kerlen.

Es handele sich „immerhin um 116 Änderungen verstreut auf über annähernd 11 000 Seiten des dänischen Plan-Dokuments“, über welches das Amt bis Weihnachten entscheiden soll. Nach Auffassung des Aktionsbündnis gegen eine feste Fehmarnbeltquerung offenbart die erneute Planänderung wieder mal, dass sich Femern A/S keineswegs der immer von ihr behaupteten einmalig hohen Qualität seiner Genehmigungsplanung sicher ist. „Was geht hier vor?“, fragt Hendrick Kerlen vom Aktionsbündnis besorgt und hakt nach: „Zielt diese so spät nachgeschobene Planänderung etwa darauf ab, die Genehmigungsbehörde mit der nun notwendigen Eröffnung eines neuen Anhörungsverfahrens unter Zeitdruck zu setzen? Will die Femern A/S die Genehmigungsbehörde mit diesem Vorgehen etwa von ihrer gründlichen Bearbeitung des Planfeststellungsbeschlusses ablenken?“

Auch für die Umweltverbände und Kommunen sei dieses erneute Anhörungsverfahren eine Zumutung – allein wegen deer verkürzten Frist auf zwei Wochen für die Stellungnahmen.


Firma lobt die Sicherheit

„Der Fehmarnbelt-Tunnel zwischen Deutschland und Dänemark wird so sicher sein wie wenige andere Tunnel auf der Welt. Ein Grund sind die geplanten Untergeschosse in dem Bauwerk. Sie sind eine Weltneuheit beim Bau von Absenktunneln“, teilt Julia Wäschenbach. Sprecherin von Femern AS mit.

Mit rund 18 Kilometern werde der Fehmarnbelt-Tunnel zwischen Puttgarden auf Fehmarn und Rødbyhavn auf der dänischen Insel Lolland der längste Tunnel der Welt für Autos und Züge – und der längste Absenktunnel der Welt werden. „In so einem langen Tunnel sind Betrieb und Wartung natürlich eine besondere Herausforderung“, sagt Susanne Kalmar Pedersen, Projektleiterin des Konsortiums aus den Unter-nehmen Rambøll, Arup und TEC, das den Bauherren Femern A/S bei der Tunnelplanung berät. „Deshalb haben wir uns überlegt: Wie bekommen wir das hin, ohne den Verkehr im Tunnel zu behindern?“Die Lösung: Alle zwei Kilometer finden sich über die ganze Länge des Tunnels sogenannte Spezialelemente mit den besonderen Untergeschossen. „Sie schaffen viel bessere Bedingungen, als man sie normalerweise in Absenktunneln vorfindet“, sagt Kalmar Pedersen.

Neben den durchgehenden Standstreifen in den Straßenröhren gibt es in ihnen etwa Haltebuchten für Wartungsfahrzeuge, sodass diese nicht den normalen Verkehr beeinträchtigen. Dort können die Mitarbeiter parken und über Treppen und Aufzüge eine Ebene tiefer gelangen. „Das macht den Tunnel besonders sicher für die Mitarbeiter und die Nutzer“, sagt Matthias Laubenstein, Chef für das deutsche Planfeststellungsverfahren bei Femern A/S. Außerdem könne in den Untergeschossen die ganze elektrische und mechanische Versorgung des Tunnels untergebracht werden, die Beleuchtung, Lüftung, Brandmeldeanlagen und - bekämpfung versorgen.

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