Eutin : Faszinierende und stark bedrohte Welt

Der Marienkäfer zählt zu den Insekten bei Menschen beliebten Insekten, die mit etwa einer Millionen Arten eine große Vielfalt aufweisen. Foto: dpa/Andrea Warnecke
Der Marienkäfer zählt zu den Insekten bei Menschen beliebten Insekten, die mit etwa einer Millionen Arten eine große Vielfalt aufweisen. Foto: dpa/Andrea Warnecke

Nabu-Experte Carsten Pusch liefert Einblick in eine vielfältige Lebensgemeinschaft mit etwa einer Millionen Arten.

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05. März 2019, 10:00 Uhr

Eutin | „Es herrscht Mord und Totschlag in der Insektenwelt. Da gibt es nichts, das es nicht gibt“, sagt Carsten Pusch. Der Experte des Naturschutzbundes (Nabu) gewährte vergangene Woche in der Jahresversammlung des Eutiner Nabu einen Blick in eine faszinierende und weitgehend unbekannte, aber auch eine sehr bedrohte Welt. „Wenn das Summen in der Wiese erstirbt – Ursachen und Konsequenzen des Insektensterbens“ hieß der Vortrag, dem 30 Zuhörer im kirchlichen Gemeindesaal folgten.

Insekten sind bei weitem nicht nur Bienen und Schmetterlinge. Es gibt etwa eine Millionen Arten, und immer noch werden neue entdeckt. Wie Pusch, der dem Nabu-Landesvorstand angehört und Vorsitzender des Nabu Lütjenburg ist, weiter ausführte, stellen die Insekten 60 Prozent aller Tierarten. Und 85 Prozent aller Pflanzen werden durch Insekten bestäubt. Pusch: „Ernten im Wert von 235 Milliarden US-Dollar hängen pro Jahr von der Insektenbestäubung ab.“ Die Auswertung von 73 Studien weltweit lasse den Schluss zu, dass fast die Hälfte aller Arten stark zurück gehe. Besonders gravierend sei der Schwund bei Schmetterlingen, Dungkäfern und Hautflüglern, zu denen Wespen, Bienen und Ameisen zählen. Von den bestäubenden Arten seien 40 Prozent bedroht.

Vorsitzender Oscar Klose (links) und Referent Carsten Pusch.
Foto: kf
Vorsitzender Oscar Klose (links) und Referent Carsten Pusch.
 

Insekten erfüllen, wie Pusch betonte, viele, in der breiten Öffentlichkeit kaum bekannte ökologische Funktionen. Zum Beispiel die Zuckmücken, auch Tanzmücken genannt, die organische Partikel aus Gewässern aufnehmen. Da sie als wichtiges Futter für Fische oder Vögel und Fledermäuse dienten, erfolge eine Art Partikeltransfer, ohne den sich die Qualität von Gewässern drastisch verschlechtern würde.

Bei der Benennung der Ursachen gehe es nicht um eine pauschale Verurteilung der Landwirtschaft, aber intensive Bewirtschaftung, Dünger und Pestizide spielten eine wichtige Rolle. Zugelassene Neonicotinoide seien schlimm, hinzu kämen Verinselung von Lebensräumen, Zerstörung und Entwertung von Lebensräumen und auch sowie Lichtverschmutzung: Millionen von Insekten kämen jede Nacht an Straßenlampen zu Tode, um die sie herumflattern, bis die vor Erschöpfung verenden. Die Menge der von Fahrzeugen getöteten Insekten sollte ebenfalls nicht unterschätzt werden, mahnt Pusch.

Seine Hinweise, was dem Insektensterben entgegengesetzt werden sollte, fielen eher knapp aus: Die Politik sei gefragt, zum Beispiel mit ausreichender öffentlicher Honorierung von ökologischen Leistungen von Landwirten oder veränderten Zulassungsverfahren bei Pestiziden.

Die wesentlichen Ursachen des Insektensterbens:

> 23,9 Prozent Intensiv-Landwirtschaft

> 12,6 Prozent Pestizide

> 12,6 ökologische Anfälligkeit

 > 10,7 Verstädterung

> 10,1 Düngemittel

> 21,3 Sonstige (Trockenlegung von Feuchtgebieten Flussbegradigungen, Erderwärmung, Brände, invasive Arten

Licht und Schatten enthielt der Bericht des Vorsitzenden des Eutiner Naturschutzbundes, Oscar Klose, über die Arbeit des Ortsverbandes im vergangenen Jahr, dessen Mitgliedszahl leicht von 488 auf 480 gesunken sei. Erfolgreich sei die Wiederansiedlung des Laubfrosches in Ostholstein gewesen: Mit etwa 30 000 künstlich aufgezogenen Fröschen, die ausgesetzt wurden, sei die Art wieder über im ganzen Kreisgebiet ansässig.

Unbekannt sei die Ursache des Amphibienschwundes in Brackrade: Dort sei über Jahre hinweg in der Wanderzeit der Kröten die Straße gesperrt worden, um mehr als 2000 Tiere zu schützen. Vergangenes Jahr seien es 200 gewesen, dafür lohne die Sperrung nicht mehr: „Wir fahren, wenn es abends warm ist, hin und sammeln Tiere ab, die auf der Straße sitzen.“ Ursachen für diesen deutlichen Rückgang seien nicht ersichtlich.

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