Fast Vollbeschäftigung im Kreis Ostholstein

Arbeitsmarktbilanz 2016: Zahl der Menschen ohne Job ging erneut zurück

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07. März 2017, 16:49 Uhr

So niedrig wie zuletzt 1992 zeigte sich die Arbeitslosenquote im vergangenen Jahr in Ostholstein. Im Jahresdurchschnitt lag sie bei 5,8 Prozent. Das geht aus der Arbeitsmarktstatistik hervor, die die Agentur für Arbeit gestern in Eutin vorgestellt hat. Demnach sank die Zahl der Menschen ohne Job um fast vier Prozent. Und mit noch einer guten Nachricht konnte die Agentur gestern aufwarten:
Im Vergleich zu 2005, als Jobcenter und Co. entstanden, hat sich die Arbeitslosenquote fast halbiert. „Wir haben fast Vollbeschäftigung im Kreis“, sagte Markus Dusch, Vorsitzender der Agentur-Geschäftsführung.

Vom Rückgang konnten insbesondere Alleinerziehende und Geringqualifizierte profitieren, so Dusch. Im siebten Jahr in Folge ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Kreis Ostholstein angestiegen. Insgesamt 58  814 Menschen haben im vergangenen Jahr hier gearbeitet – drei Prozent mehr als noch 2015. Zum Vergleich: Der Landestrend liegt bei 2,7 Prozent. Der Mindestlohn habe nicht dazu geführt, dass weniger Menschen beschäftigt werden, bilanziert Dusch.

„Ostholstein hat jedoch das niedrigste Bruttoarbeitsentgelt am Arbeitsort in Deutschland“, sagte Karsten Marzian, Geschäftsführer des Jobcenters Ostholstein. Es liegt bei 2516 Euro – bundesweit liegt der Schnitt bei 3084. Begründet wird dies durch den hohen Anteil von Jobs im Hotel-, Gaststätten- und Dienstleistungsbereich im Kreis, so Marzian. Bitter: Rund ein Drittel der Ostholsteiner haben zu ihrem regulären Job eine weitere Arbeit – die so genannten Aufstocker. „Wir sind ein Saisonbezirk, wir haben hier vielfach keine durchgängige Beschäftigung“, ergänzt Dusch. Zudem sei der Anteil der Älteren im Kreis sehr hoch: Die Beschäftigungsquote der 15 bis 65-Jährigen liegt bei 61,5 Prozent – bundesweit sind es 66,1 Prozent.

Die Flüchtlingswelle hat bisher kaum Auswirkungen auf die Statistik der Arbeitsagentur gehabt. Ein Großteil der Migranten befindet sich
in Asylverfahren, besucht Sprach- oder Integrationskurse des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge oder eine Fördermaßnahme des Jobcenters oder der Arbeitsagentur. Erst im Verlauf dieses Jahres sei mit weiteren Arbeitslosmeldungen von Flüchtlingen zu rechnen, so Dusch. Seite 3

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