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Pendler in Ostholstein und Plön : Fast 80 000 Menschen unterwegs zur Arbeit

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Woher kommen die täglichen „Gastarbeiter“ in der Region? Und wohin pendeln die Menschen von hier aus zum Arbeitsplatz? Die meisten zieht es nach Lübeck und Kiel.

shz.de von
erstellt am 08.Jan.2016 | 17:52 Uhr

Jeden Tag verbringt Matthias Straußfeld fast zwei Stunde im Auto. Täglich pendelt der gebürtige Eutiner von Lübeck in seine Heimatstadt zur Arbeit – 40 Kilometer hin, 40 Kilometer zurück. Bei jedem Wetter. „Schnee, Eis und Starkregen sind schon nervig“, sagt Straußfeld. Und schränkt ein: „Das gibt es ja zum Glück nicht so häufig im Jahr.“

Seit 16 Jahren lebt Straußfeld in Lübeck, nutzt die Vorzüge und Annehmlichkeiten der großen Stadt an der Trave. Und freut sich, jeden Tag in seiner Heimatstadt zu arbeiten. „Das Pendeln stört mich gar nicht, das ist eher entspannend“, sagt der Eutiner Verkehrsüberwacher.

Straußfeld ist bei weitem nicht der einzige, der sich jeden Tag aufmacht, um an einem anderen Ort zu arbeiten. Bezogen auf die Region sind es insgesamt rund 40 000 Menschen, die von und nach Ostholstein pendeln – 14 553 kamen in den Kreis, 25 726 hatten ihn 2014 verlassen, um zur Arbeitstätte zu gelangen.

Im Kreis Plön sind es knapp 36 000 Pendler. „Die Zahl der Pendler ist seit Jahren weitgehend stabil“, sagt Antje Hoier vom Bereich Statistik der Bundesagentur für Arbeit in Hannover. Veränderungen würden sich für die jeweiligen Orte nur ergeben, wenn Betriebe schließen oder sich neu ansiedeln würden, so Hoier weiter.

Als Pendler werden generell Personen bezeichnet, die einen periodisch wiederkehrenden Wechsel zwischen Wohnort und Arbeits- beziehungsweise Ausbildungsplatz vornehmen und dabei die Grenze ihrer Wohngemeinde überschreiten. Unterschieden wird zwischen Pendlern, die täglich oder wöchentlich von Wohn- zum Arbeitsort pendeln und daher als Nah- oder Fernpendler gelten.

Weiterhin unterschieden wird zwischen Ein- und Auspendlern. Einpendler sind Personen, die nicht rund um den Arbeitsplatz wohnen, Auspendler die, die in ihrem Wohnort nicht arbeiten – Matthias Straußfeld ist also statistisch gesehen ein Einpendler.

Der Eutiner Verkehrsüberwacher, der außerdem noch bei „Die Ostholsteiner“ beschäftigt ist, nutzt seine 40 bis 45 minütige Fahrzeit zwischen Lübeck und Eutin zum Abschalten. „Ich höre gerne Musik, Nachrichten oder auch mal ein Hörspiel“, sagt Straußfeld, der das Auto als Fortbewegungsmittel bevorzugt. „Eine zeitlang bin ich auch ’mal Zug gefahren“, sagt der Wahl-Lübecker und berichtet von dem Vorteil, dass man in der Bahn auf nichts weiter achten müsse – im Gegensatz zum Autofahren im Verkehr. Doch mit dem Auto sei er flexibler und unabhängiger.

Auto, Bahn, Rad oder zu Fuß: Die meisten Menschen in Ostholstein pendeln den Angaben der Arbeitsagentur zufolge aus Ostholstein nach Lübeck (12 915 Personen), gefolgt von Hamburg (2965) und dem Kreis Stormarn (1462). In entgegengesetzter Richtung kamen die meisten „Gastarbeiter“ in Ostholstein aus Lübeck (6114 Personen), Plön (1776) und Mecklenburg-Vorpommern (1380).

Im Kreis Plön zieht es die meisten Menschen zur Arbeit nach Kiel (16  099 Personen). Etwas weniger – 2035 Menschen – hatten 2014 ihren Arbeitsplatz in Rendsburg-Eckernförde. Weiterhin war aber auch Plöns Nachbarkreis Ostholstein ein Ziel: 1776 Personen machten sich dorthin auf. Zur Arbeit in den Kreis Plön fuhren am meisten die Kieler (4522 Personen), gefolgt von den Menschen aus Rendsburg-Eckernförde (1313) und den Ostholsteinern (1175).

Aufschlussreich ist auch der Blick in die Orte. In Eutin leben beispielsweise 5226 Arbeitnehmer. 2899 von ihnen verlassen die Kreisstadt, um an ihren Arbeitsplatz zu gelangen; 5362 Menschen kommen wiederum nach Eutin zum Arbeiten in den dortigen 578 Betrieben.

In Plön leben 2633 Arbeitnehmer; 1742 arbeiten nicht hier, verlassen somit täglich ihren Wohnort. 2276 pendeln wiederum in die Schlossstadt zur Arbeit in den hier ansässigen 323 Betrieben.

Das Pendeln ist nicht für jeden etwas. „Viele meiner Kollegen ziehen es vor, in Eutin zu wohnen und dort zu arbeiten“, sagt Matthias Straußfeld. Es seien die direkten Arbeitswege, die von ihnen als Hauptgrund ins Feld geführt werden. „Pendeln kommt für viele nicht infrage“, sagt der Lübecker. Für Straußfeld zählen aber die Vorteile seines Wohnorts, der Hansestadt – insbesondere das Freizeitangebot sei hier größer. Größer sei auch der gedankliche Abstand zur Arbeit, so Straußfeld. Und das Abstandnehmen beginnt bei ihm bereits bei der Heimfahrt – sicherlich auch bei den fast 80  000 anderen Pendlern in der Region.

Die statistischen Angaben sind in der Printausgabe des Ostholsteiner Anzeigers vom 9. Januar 2016 tabellarisch aufbereitet.

 

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