Farbschlacht unter freiem Himmel

Pink, Blau, Grün, Gelb schwebten die Farbpulverwolken über den Köpfen – und senkten sich auf die jubelnden Menschen, die hinterher glücklich bunt eingestaubte Gesichter hatten.
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Pink, Blau, Grün, Gelb schwebten die Farbpulverwolken über den Köpfen – und senkten sich auf die jubelnden Menschen, die hinterher glücklich bunt eingestaubte Gesichter hatten.

„Festival der Farben“ feiert Premiere in Timmendorfer Strand / Mehr als 1000 Besucher / Fest nach indischem Vorbild

shz.de von
27. Mai 2018, 17:43 Uhr

Die Bässe wummern, junge Menschen tanzen im Sand zu den Beats. Alle sind bunt. Manchmal reicht eben ein bisschen Farbpulver, um Menschen zu verbinden, um Unterschiede auszumerzen.

Schüler des Ostseegymnasiums hatten zu Beginn des Jahres die Idee, ein „Festival der Farben“ am Ostseestrand zu veranstalten. In Kooperation mit der „Timmendorfer Strand Niendorf Tourismus GmbH“ (TSNT) gelang die Aktion am vergangenen Sonnabend. Mehr als 1000 vorrangig jugendliche Festival-Besucher genossen sichtlich die Farbschlacht am Ostseestrand. Zwei von ihnen waren Kim Völz und Jessicka Hubert. Die beiden Schülerinnen meinten unisono, dass die Party „ein Riesenspaß“ sei. Wie sie hatten auch die anderen Besucher mehrfach eine Reihe von den zwei Euro teuren Farbpulver-Tüten beim Tanzen zerrissen und in die Luft geworfen – auf ein Signal des DJs schwebte mehrfach bis in den Abend hinein eine riesige bunte Wolke über den Köpfen.

„Sowas sollte es mehrfach im Jahr geben“, sagten Völz und Hubert. In der Tat. Das hatte auch die TSNT erkannt. Denn die Zielgruppe des Ostseebades liegt eigentlich bei 30- bis 40-Jährigen. „Angebote für jüngere Menschen fehlen vielfach“, sagte Kim Völz und Freundin Jessicka Hubert nickte zustimmend.

Es sei nicht so leicht, Schüler und Co. anzusprechen, sagte TSNT-Eventmanagerin Janina Schütze. Das „Festival der Farben“ sei jedoch eine gute Möglichkeit. Anna Gut und Line Dannenberg aus dem 9. Jahrgang des Ostseegymnasiums hatten mit ihrem Projekt im Fach Angewandte Gesellschaftswissenschaften die Nase vorn. Gemeinsam mit der TSNT wurden die rund 18 000 Euro Kosten gestemmt. Über Eintritt und den Verkauf der Farbtüten soll sich das Fest tragen. „Wenn wir plus-minus-null rauskommen, ist das ok“, sagte Schütze.

Die bunte Pulver-Party ist jedoch im Grunde keine Timmendorfer Schüleridee. Das Farbspektakel ist weltweit eher als Holi-Fest bekannt. Die Inder begrüßen den Frühling mit einem spirituellen, Holi genannnten Fest der Farben. Dabei lassen sie buntes Pulver vom Himmel regnen. Das ursprünglich religiöse Fest stammt aus Indien und Nepal, symbolisiert den Sieg des Guten über das Böse und den Frühlingsanfang – und hat zumindest vom Namen her in den vergangenen Jahren seinen Siegeszug rund um die Welt angetreten. Auf Großveranstaltungen von New York über Paris bis Berlin tanzen junge Menschen zu elektronischen Beats und bewerfen sich mit buntem Pulver aus Maisstärke. Das Gelände ist abgesperrt, die großen Boxen gut von den Feiernden abgeschirmt und die Farben auf Verträglichkeit getestet. Alleine in Deutschland soll es im Sommer 2017 mehr als 50 solche Feiern gegeben haben. In Timmendorfer Strand feierte der Farbenrausch am Sonnabend Premiere. Viele ähnliche Farb-Feste in der Region seien bereits im Ansatz gescheitet, berichtet Schütze. Die prognostizierten Besucherzahlen wurden nie erreicht. In Timmendorfer Strand zeigte man sich mit der Resonanz aber zufrieden. Noch sei fraglich, ob es 2018 eine Neuauflage geben wird. „Wir warten erstmal die Feedbackrunde ab“, sagte Schütze.

Wer Lust auf die Farbschlachten unter freiem Himmel bekommen hat, muss bis dahin teilweise weitere Reisen auf sich nehmen: Heidelberg (2. Juni), Saarbrücken (14. Juli) oder – wenigstens in Reichweite – Hamburg (8. September) sind Stationen des größten Anbieters in Deutschland, der Berliner Holi Concept GmbH mit seinem „Festival of Colours“. 21 Städte sind es insgesamt, in denen buntes Pulver in die Luft fliegt – wie am vergangenen Sonnabend am Ostseestrand.

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