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Weniger Kunden : Fahrschulen leiden unter einem Schülermangel

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Den Fahrschulen in Deutschland gehen zunehmend die Schüler aus. Auch den Autoherstellern fehlen Kunden.

Den Fahrschulen in Deutschland gehen zunehmend die Schüler aus. Vor allem der demografische Wandel macht den Fahrlehrern zu schaffen. Außerdem ist das Auto für junge Leute längst kein Statussymbol mehr. Das spüren auch die Autohersteller. Das Durchschnittsalter der Käufer von Neuwagen steigt.

In den ersten sieben Monaten dieses Jahres betrug das Durchschnittsalter eines Neuwagenkäufers 52,4 Jahren. Das ist ein erneuter Altersrekord, wie eine Studie des Center Automotive Research an der Universität Duisburg ergab. Erstmals war ein Drittel der Neuwagenkäufer mehr als 60 Jahre alt. Zugleich waren nur noch 6,9 Prozent jünger als 30 Jahre. „Eine Trendumkehr ist nicht erkennbar“, sagte Institutsleiter Ferdinand Dudenhöffer.

Bei den Fahrschulen zeigt sich ein ähnliches Bild. Bundesweit kämpfen sie mit rückläufigen Schülerzahlen. Insgesamt wollten im vergangenen Jahr nur 888 129 Schüler einen Autoführerschein erwerben. Das ist im Vergleich zu 2011 ein Rückgang um 4,1 Prozent. Noch gravierender sieht es bei den Moped-Führerscheinen aus. Im vergangenen Jahr wollten nur 10 945 Bewerber eine solche Fahrerlaubnis erwerben. Das ist ein Rückgang von 20,2 Prozent im Vergleich zu 2011.

Ein Blick in die Länder Bremen, Niedersachsen und Hamburg zeigt, dass der Schwund von Fahrschülern unterschiedlich stark ist: In Bremen kämpfen die Fahrschulen seit längerem mit sinkenden Schülerzahlen. „Wir haben in den vergangenen Jahren einen ständigen Schwund um 2,5 Prozent“, sagte Rüdiger Grollmann, Vorsitzender des Landesfahrlehrerverbands. Einer der Gründe sei, dass die Deutschen weniger Kinder bekämen. Noch dazu hätten sich die Gewohnheiten der Jugendlichen geändert. Sie gäben mehr Geld fürs Handy oder schicke Kleidung aus. Und durch das Internet hätten sie einen anderen Freizeitalltag als früher. „Sie brauchen kein Auto mehr, um zu Freunden zu kommen.“ Aber auch die klammen Kassen der Deutschen bekommen die Fahrschulen zu spüren. Immerhin kostet ein Führerschein laut ADAC-Preisvergleich aus dem Jahr 2011 in Bremen durchschnittlich 1728 Euro, in Hamburg 1660 Euro und in Hannover 1528 Euro. Eltern und Großeltern könnten den Führerschein oft nicht mehr für ihre Kinder bezahlen, sagte Grollmann. Sie müssten selbst zusehen, wie sie über die Runden kommen und lebten sparsamer. „Früher war es außerdem üblich zur Konfirmation Geld zu schenken. Dieses wurde dann für den Führerschein zurückgelegt.“ Doch diese Zeiten seien vorbei.

In Niedersachsen sieht das Bild etwas anders aus: Der Schülerschwund ist in verschiedenen Regionen unterschiedlich stark, räumte Dieter Quentin, Vorsitzender des Landesfahrlehrerverbands ein. Auch er führt den demografischen Wandel als Grund an. Das Statistische Landesamt schätzt, dass es 2020 nur noch 154 761 17- und 18-Jährige in Niedersachsen geben wird. Im vergangenen Jahr wurden noch 173 073 gezählt. Zugleich gibt Quentin zu: „Wir wissen schon, dass für junge Erwachsene der Führerschein nicht mehr die erste Priorität ist.“ Die Anzahl der Fahrschulen sinke deswegen aber noch nicht. Auch seien noch keine Fusionen zu beobachten.

Hamburg als beliebte Großstadt sei von den bundesweit sinkenden Fahrschüler-Zahlen nur minimal betroffen, sagte Sabine Darjus, Vorsitzende des Landesfahrlehrerverbandes. „Das wird sich aber in den kommenden Jahren wandeln.“ Schließlich gehe die Zahl der 17- und 18-Jährigen auch hier stetig zurück. Außerdem verfüge Hamburg über einen guten öffentlichen Nahverkehr und das Auto sei vielen nicht mehr so wichtig. „Die Werte haben sich geändert. Es gibt andere Schwerpunkte, die die Menschen setzen.“

Fahrschulen und Autohersteller müssen sich daher künftig umstellen. Laut eines Branchenberichts der Volks- und Raiffeisenbanken können Fahrschulen weiterhin bestenfalls stagnierende Umsätze erwarten. In Bremen kaschiere man den Mitgliederschwund laut Grollmann bereits durch Seminare für auffällige Fahrer oder Berufskraftfahrer. Für Autohersteller sieht Dudenhöffer eine Chance im Geschäft mit dem CarSharing: „Diese Produkte sprechen deutlich jüngere Menschen an.“

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