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Verkehrsversuch Eutin : Experte rät zur Veränderung

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Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Zahlen zur Parkplatzauslastung liegen nicht vor. Ein Verkehrsplaner schlägt den Umbau des Stadtgrabens vor. Die Folge: ein Plus von 60 Plätzen.

shz.de von
erstellt am 08.Jan.2016 | 17:54 Uhr

Der geplante Verkehrsversuch, die Einbahnstraßenregelung in Eutins historischer Altstadt weitgehend aufzuheben und den Durchfahrverkehr von täglich rund 3500 Autos in der Straße Am Rosengarten durch eine mobile Schranke zu minimieren, sorgt auch am Tag nach dem Stadtentwicklungsausschuss für Diskussionen.

Zahlreiche Geschäftsleute äußerten die Sorge von Einbußen und einer sterbenden Innenstadt, wenn durch den Verkehrsversuch laut Planungsskizze 47 Parkplätze wegfallen und ein Umkreisen unmöglich wird. Verkehrsplaner Professor Dr. Herbert Staadt kennt die Bedenken der Händler auch aus anderen Städten, teilt aber die Befürchtungen nicht: „Ich verstehe die Angst bei einem solchen Paradigmenwechsel. Aber ich denke, Eutin braucht das für die Aufwertung der Innenstadt.“ Dass die Parksituation eine kritische sei, sei nicht von der Hand zu weisen: „Es gibt keine Erhebung über die Auslastung der Stadt. Wir haben das bei der Stadt angeregt und gesagt, dass dies im Auge behalten werden muss“, so Staadt. Sein Verkehrskonzept sehe mit einem überplanten Stadtgraben ein Plus an mindestens 60 Parkplätzen vor. Die Umsetzung sei eine politische Entscheidung.

Die Kritik an der Verkehrszählung, dass unter den Abbiegern in Richtung Plöner Straße auch zahlreiche Autofahrer wieder in den Stadtgraben fahren könnten, um dort nach erfolgloser Suche zu parken, beantwortet Staadt auf Nachfrage wie folgt: „Deshalb öffnen wir die Albert-Mahlstedt-Straße, damit dieser Parkplatz direkt angefahren werden kann. Das ist ja Zielverkehr für die Altstadt und wäre dann kein Durchgangsverkehr mehr.“ Auch auf die Befürchtungen der Ausschussmitglieder – in der Bahnhofstraße entstünde bei der neugestalteten Verkehrsbreite von 5,50 Meter ein Chaos – begründet er: „Hindernisse, die die Geschwindigkeit an einer Stelle drosseln, in der zahlreiche Fußgänger den Vorrang haben sollten, um in die Innenstadt zu gelangen, sind gut. Denn Menschen, die nur durchfahren wollen, sollten auch die Altstadtumfahrung nutzen. Das ist die Elisabethstraße.“

Staadt: „Die LGS wäre ein guter Zeitraum, den Fußgängern im Rosengarten mehr Bedeutung beizumessen und den Durchgangsverkehr zu minimieren.“ Bisher sprachen sich lediglich die Grünen für einen Versuch zu diesem Zeitpunkt aus. Die CDU und SPD sehen den Versuch parallel zur LGS kritisch (wir berichteten).

LMK-Inhaber Thomas Menke bat die politischen Vertreter um Fingerspitzengefühl, sollte es irgendwann mit dem Versuch losgehen: „Wenn Sie aus der Kaufmannschaft das Signal bekommen, wir schaffen nicht noch einen Monat mit halbierten Umsätzen, müssen sie den Versuch auch nach vier Wochen abbrechen.“ Dies ist aus Expertensicht nicht ratsam. „Die Menschen brauchen eine Weile, bis sie sich umgewöhnt haben und ihr Verhalten ändern. Realistische Zahlen wird es erst nach einer Eingewöhnungsphase geben“, so Staadt. Sollte wider besserer Erfahrung ein Chaos ausbrechen, müsse man den Versuch zurückdrehen. Aber: „Ich erwarte anderes.“

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