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Malenter Sportstätten : Experte rät: Sporthalle abreißen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Prof. Kähler schlägt vor, die Sportanlage in der Ringstraße in ein Wohngebiet umwandeln und die Einnahmen in die Sportinfrastruktur der Gemeinde zu stecken.

Malente | Er fürchtete, sich Proteste einzuhandeln, weil er Tabus brechen würde: „Ich hoffe nicht, dass ich die Quelle der gebrochenen Herzen sein werde“, erklärte Prof. Dr. Robin Kähler am Donnerstag vor etwa 50 Zuhörern im Malenter Kursaal. Dorthin waren nicht nur die Mitglieder des Planungs- und des Sozialausschusses gekommen, sondern auch Vereins- und Verbandsvertreter. Sie wollten vom Leitenden Akademischen Direktor a.D. des Instituts für Sportwissenschaft der Kieler Universität hören, welche Optionen er für die Entwicklung der Malenter Sportstätten sieht – angefangen von den Sporthallen über die Außenanlagen bis zur Rolle von Vereinen und Schulsport.

Doch Proteste blieben aus, zumindest, was die Vorschläge Kählers zu den Sporthallen anging, obwohl diese wirklich an die Wurzeln gehen. Das betrifft etwa die Sporthalle am Ernst-Rüdiger-Sportzentrum in der Neversfelder Straße: „Die Frage ist, ob nicht ein Neubau besser ist als immer wieder zu sanieren“, erklärte der 67-Jährige, den Bürgermeister Michael Koch als „ausgewiesenen Fachmann für Sportstättenentwicklungsplanung“ angekündigt hatte.

Die Sporthalle sei mittlerweile 38 Jahre alt. „Sie kommt jetzt in die Jahre“, erklärte Kähler, der sich persönlich vom Zustand der Halle überzeugt hatte. Dabei fiel ihm der desolate Zustand der sanitären Anlagen besonders negativ auf: „Für die Schule ist es schlecht, wenn die Schüler nicht mehr duschen. Das tun sie schon lange nicht mehr.“ Auf zwei bis zweieinhalb Millionen Euro hatte Koch die Sanierungskosten für die Halle zuvor beziffert – und eine weitere Zahl genannt: 180 000 Euro gebe die Gemeinde jährlich für ihre Sportanlagen aus – nur an Betriebskosten: „Da ist noch kein Euro für die Sanierung dabei.“

Aufgabe der Politik sei es, die begrenzten Mittel so effektiv wie möglich einzusetzen, betonte Kähler. Das bedeute mit Blick auf die Sportanlage an der Neversfelder Straße, dass die Gemeinde sich überlegen müsse, wie diese künftig genutzt werden solle. Eines steht dabei für den Wissenschaftler und Berater fest: Der Ganztagsschule gehört die Zukunft. Deshalb sei die Frage zu beantworten, „wie kann man Vereinssport kombinieren mit Schulsport und Ganztagsschule mit entsprechendem Raumbedarf?“. Die Vereine müssten sich auf die Entwicklung einstellen. „Viele Vereine werden Schulunterricht machen“, zeigte sich Kähler überzeugt.

Tabula rasa würde Kähler am liebsten mit der 1927 eingeweihten Turnhalle in der Ringstraße machen. Sein Vorschlag: Die Gemeinde solle die Halle abreißen und das Grundstück samt Bolzplatz in Bauland umwandeln: „Das wäre eine sehr kluge Entscheidung.“ Das Geld, das durch die Grundstücksverkäufe in die Gemeindekasse fließen würde – im Saal war von fünf Millionen Euro die Rede –, könnte Malente in die Sportinfrastruktur stecken: „Das heißt, Sie hätten ein Nullsummenspiel“, warb Kähler für seine Idee.

Ersatzlos wegfallen soll die Sporthalle an der Ringstraße nicht: „Sie kriegen eine kleine Halle heute für eine Million Euro.“ Die bestehende Halle sei zwar „sehr hübsch“ und sicher auch in den Herzen vieler Malenter verankert, entspreche aber nicht mehr den heutigen Anforderungen. Moderne Hallen seien lichtdurchflutet, böten mehr Raum und Funktionalität. „Viele Sportgruppen brauchen heute ganz andere Räume, als diese Halle bietet“, sagte Kähler. Zudem könne die Gemeinde durch niedrigere Decken Energie sparen.

Dass er durchaus ein Herz für alte Sporthallen hat, bewies Kähler unterdessen am Beispiel der Turnhalle an der Grundschule. „Eine sehr schöne Halle, so wurde in den 30er Jahren gebaut“, schwärmte er und sagte voraus, dass die Gemeinde hier keine Probleme zu erwarten habe.

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erstellt am 14.Sep.2013 | 04:00 Uhr

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