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Nach Sturm in Ostholstein : Experte: Mit hoher Wahrscheinlichkeit Tornado in Oldenburg

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Umgeknickte Bäume und Laternenpfähle, abgedeckte Dächer, beschädigte Autos: Der Sturm über Oldenburg und Seester hat große Schäden hinterlassen.

Oldenburg | Nach dem heftigen Sturm in Oldenburg in Holstein am Dienstagnachmittag geht Tornado-Experte Thomas Sävert von einem Tornado der Stärke F1 aus. „Natürlich müssen die Schäden noch genau analysiert werden und Zeugenaussaugen ausgewertet werden, aber die Indizienlage ist relativ eindeutig.“ Sävert betreibt die Webseite „Tornadoliste“ und dokumentiert dort die Verdachtsfälle in Deutschland. Allein 2015 gibt es bereits 26 bestätigte Windhosen in der Bundesrepublik. 161 Verdachtsfälle listet der Wetterexperte auf. Ein F1-Tornado erreicht Windgeschwindigkeiten zwischen 118 und 180 Kilometern pro Stunde.

Der Sturm knickte Fahnenmasten und Laternenpfähle einfach um.
Der Sturm knickte Fahnenmasten und Laternenpfähle einfach um. Foto: Tobias Knebel

Die mutmaßliche Windhose (=Tornado) hatte zahlreiche Dächer teilweise abgedeckt und Bäume umstürzen lassen. Die Feuerwehr war den gesamten Abend in der Region im Einsatz. Auf dem Parplatz eines Einkaufszentrums richtete der Sturm massive Schäden an. Die Windhose beschädigte auch eine Kirche und ein Seniorenheim, das vorläufig geräumt wurde. Ein Statiker gab jedoch Entwarnung und die 21 Bewohner konnten noch am Abend zurückkehren. Wie hoch der vom Sturm verursachte Schaden ist, war vorerst unklar.

Der Begriff Windhose ist in Deutschland in der Vergangenheit häufig falsch genutzt worden. Viele Menschen gehen davon aus, dass es in Amerika große Tornados und in Deutschland lediglich harmlose Windhosen gibt. Aber: Eine Windhose ist ein Tornado, weder in ihrer physikalischen Natur noch bezüglich ihrer Stärke unterscheiden sich Windhose und Tornado. Dass es auch in Schleswig-Holstein Tornados geben kann, erklärte Thomas Sävert bereits in einem früheren Interview mit shz.de.
Einkaufwagen wurden vom Wind gegen Autos geschleudert.
Einkaufwagen wurden vom Wind gegen Autos geschleudert. Foto: Tobias Knebel

„Es kann immer noch sein, dass es sich um eine Gewitterböe gehandelt hat, denn auch die können solche Schäden verursachen“, sagt Sävert. Ein Team von Skywarn Deutschland, einem Verein, der sich mit der Dokumentation von und Information über Unwetter beschäftigt, ist vor Ort, und analysiert die Sturmschäden. Umknickende Laternenpfähle alleine sind noch kein Indiz für einen Tornado, sagt Meteorologe Sävert, doch Augenzeugen hätten bestätigt, dass der Sturm „Dinge herumwirbeln“ ließ. Auch die Satellitenbilder würden ein Indiz für einen Tornado sein.

Scheiben wurden durch herumfliegende Äste zerstört.
Scheiben wurden durch herumfliegende Äste zerstört. Foto: Tobias Knebel

In dem Fall der möglichen Windhose in der Gemeinde Seester (westlicher Kreis Pinneberg) am Dienstagnachmittag in Seester ist Sävert skeptischer. „Der Fall ist schwieriger zu beurteilen, da es im Augenblick noch nicht so viele Informationen gibt.“ Einzig eine Pressemeldung der Feuerwehr reiche nicht aus, um sicher zu sagen, dass es sich um einen Tornado gehandelt habe. Der Sturm hatte dort zahlreiche Schäden angerichtet. Die Freiwillige Feuerwehr war mit insgesamt 25 Helfern im Einsatz, um die Folgen des Naturspektakels zu beseitigen. Personen wurden nicht verletzt.

Der erste Alarm ging um 14.55 Uhr ein. An der Kreuzung Dorfstraße/Diekhof waren große Äste aus einer Kastanie auf einen abgestellten Mercedes-Transporter (Sprinter) gefallen und beschädigten den Kastenwagen erheblich. Nur zwei Minuten später wurde wenige Meter entfernt ein auf die Dorfstraße gewehtes Gartenhaus aus Holz gemeldet. Seesters Wehrführer Hermann Stieler ließ daraufhin Vollalarm für die Wehr geben.

Noch während die Helfer die Aufräumarbeiten an den beiden Einsatzorten aufnahmen, musste die Straße Groß Sonnendeich in einem Teilbereich gesperrt werden. Hier waren aus zwei großen Bäumen ganze Teile der Baumkronen auf die Straße gefallen. Auch hier half die Feuerwehr. Gegen 16.15 Uhr waren alle Einsätze beendet. Eine Erklärung für das Wetterphänomen gibt es nicht.

„Die Windhose soll nur drei Minuten durchs Dorf gezogen sein“, sagte Frank Hinrichs, Sprecher der Feuerwehr Seester. Danach verlor der Sturmwirbel über den Feldern die Kraft. Weder aus dem benachbarten Elmshorn noch aus den anderen Dörfern ringsherum wurden der Feuerwehr Schäden gemeldet.

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erstellt am 16.Sep.2015 | 15:34 Uhr

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