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Ostholsteiner Anzeiger

17. August 2017 | 16:09 Uhr

Experimentierfeld der Machteroberung

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Eröffnung der Ausstellung über das frühe Konzentrationslager in Ahrensbök

„Ganz Deutschland war ein KZ“. Unübersehbar, gut lesbar steht der Text über einer Landkarte, die Deutschland in den Grenzen von 1933 zeigt. Wer weiterliest erfährt: „1933/34 gab es über 80 frühe Konzentrationslager (KZ) in Deutschland mit fast 30 000 ‚Schutzhäftlingen‘. Ab Oktober 1933 gehörte auch Ahrensbök für 8 Monate mit rund 100 KZ-Häftlingen zu diesen Orten“.

Die Landkarte wurde 1936 während der Olympischen Spiele in Berlin von französischen Teilnehmern verteilt. Großformatig hängt sie als erste Tafel einer Ausstellung, die den sperrigen, aber informativen Titel „Das Konzentrationslager Eutin – Ahrensbök – Holstendorf mit den Außenlagern für ‚Schutzhäftlinge‘ in Bad Schwartau, Nüchel und Neukirchen“ trägt. Diese Ausstellung wird am Sonntag, 29. September, um 11 Uhr in der Gedenkstätte Ahrensbök in Anwesenheit des Staatssekretärs im Justiz-Ministerium, Eberhard Schmidt-Elsaeßer, und der Vizepräsidentin des Schleswig-Holsteinischen Landtags, Marlies Fritzen, eröffnet. Bärbel Seehusen vertritt als stellvertretende Kreispräsidentin den Kreis.

Die Ausstellung ist das Ergebnis intensiver und jahrelanger Forschungsarbeit des Historikers und Erziehungswissenschaftlers Jörg Wollenberg (Universität Bremen), ein geborener Ahrensböker. Er hat sie seinem Mitstreiter Lawrence D. Stokes gewidmet, mit dem Wollenberg den ersten Entwurf dieser Ausstellung erarbeitete. Stokes, der 2007 verstorbene kanadische Historiker ist Autor des Werks „Eutin, eine Kleinstadt im Nationalsozialismus“.

Wollenberg bezeichnet das frühe Konzentrationslager als „Experimentierfeld“ der nationalsozialistischen Machteroberung. Verantwortlich war Johann Heinrich Böhmcker, Regierungspräsident des Landesteils Lübecks im Freistaat Oldenburg, zu dem Eutin, Ahrensbök und andere Teile des späteren Ostholsteins damals gehörten. Der SA-Führer ließ die etwa 100 Häftlinge des frühen Konzentrationslagers in Ahrensbök entgegen damals noch geltender Gesetze für ihre Haftkosten arbeiten, indem er sie im Straßenbau einsetzte – ein „erster verhängnisvoller Schritt auf dem Weg zur späteren Vernichtung durch Arbeit“, so Wollenberg. In die Ausstellung wird Professor Wollenberg einführen. Besucher sind willkommen.

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erstellt am 27.Sep.2013 | 00:31 Uhr

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