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Sensation am Barkauer See : Exotisch: Verletzter Pelikan bei Eutin entdeckt

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Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Rosapelikane überwintern eigentlich in Afrika. Doch Spaziergänger entdeckten nun ein verletztes Exemplar des großen Vogels in der Nähe von Eutin im Kreis Ostholstein. Gerätselt wird über die Herkunft des Tieres – es trägt keinen Ring.

shz.de von
erstellt am 07.Jan.2014 | 13:05 Uhr

Gothendorf | Das Naturschutzgebiet Barkauer See ist Heimat für diverse sehr seltene Tierarten. Was Spaziergänger am Samstag in der Nähe von Eutin entdeckten, war allerdings trotzdem eine kleine Sensation: ein Pelikan. Da der große Vogel verletzt war, wurde er von Mitgliedern des Naturschutzbundes (Nabu) Eutin und dem Betreiber des Tierparks Niendorf, Klaus Langfeldt, eingefangen.

Gibt es die überhaupt, freilebende Pelikane in Deutschland? Im Prinzip nein. Aber... In Mitteleuropa leben Rosapelikane und Krauskopfpelikane. Vor allem auf dem Balkan, besonders im Donau-Delta sind Kolonien dieser auffälligen, riesigen Wasservögel vertreten, wobei der Rosapelikan in Afrika überwintert.

Ein Rosapelikan wurde, wie Klaus Lehmkuhl vom Nabu Eutin berichtet, in den vergangenen Monaten mehrfach in Schleswig-Holstein gesichtet, es gibt auch Videoaufnahmen, die im November in Bordesholm entstanden sind. Im Dezember freuten sich Dänen über den Besuch des fliegenden Exoten. Vermutlich war es der Vogel, den Spaziergänger am Samstag an der Schwartau-Brücke zwischen Gothendorf und Fassensdorf entdeckten. Sonderbar war, dass der unberingte Pelikan kaum Scheu zeigte und Menschen bis auf fünf Meter an sich herankommen ließ.

Unter den Spaziergängern war Helge Lehmkuhl aus Fassensdorf, der seinen Bruder Klaus verständigte. Der ehemalige Vorsitzende des Eutiner Nabu zählt zu den Betreuern des Naturschutzgebietes Barkauer See. Zusammen mit dem Ornithologen Dr. Detlef Heldt fällte Lehmkuhl die Entscheidung, das sichtbar am Bauch verletzte Tier einzufangen.

Eine Nachfrage beim Vogelpark Niendorf hatte ergeben, dass dort kein Pelikan ausgebüxt war. Inhaber Klaus Langfeldt erklärte sich aber spontan bereit, bei dem Rettungseinsatz zu helfen und die Betreuung des Vogels zu übernehmen. Der Pelikan hatte mehrfach seinen Sitzplatz gewechselt, bevor er auf eine von Galloway-Rindern beweidete Koppel zwischen Gothendorf und dem Barkauer See flog. Dort gelang es Klaus Langfeldt, mit Kescher und Köderfischen ausgestattet, den Pelikan zu greifen, während der Sprotten fraß.

Eine Tierarztbehandlung zeigte am Montag, dass der Vogel – ein Weibchen – insgesamt vier unterschiedlich tiefe Wunden hat, eine davon sehr tief. „Die Wunden wurden mehrfach ausgewaschen, und der Vogel hat auch Antibiotikum bekommen“, sagte Langfeldt dem Ostholsteiner Anzeiger. Es gehe ihm sichtbar nicht gut, er sei ziemlich apathisch. Ein Hoffnungsschimmer: er frisst, sowohl Sprotten als auch eine fangfrische Rotfeder verschwanden in seinem typischen Schnabel.

Eine Schussverletzung könne ausgeschlossen werden, sagte Langfeldt weiter, beim Röntgen habe es keinen Nachweis von Schrotkugeln gegeben. Er vermute, dass der Pelikan gebissen worden ist, und das vermutlich von einem Hund. „Ein Fuchs hätte es auch sein können, aber ich bezweifle, dass ein Fuchs ihn noch mal losgelassen hätte.“ Die Wunden seien auch nicht sehr frisch gewesen, sondern offensichtlich schon ein paar Tage alt, auch wenn sie noch geblutet hätten. „Das kann zehn Tage her sein,“ so der Experte.

Nun bleibe neben guter Pflege die Hoffnung, dass der Vogel wieder gesund wird. Woher er kommt, steht übrigens nicht fest, da er keinen Ring trägt. Damit könnte der große und trotzdem „federleichte“ Vogel – Spannweite bis zu 2,8 Meter – tatsächlich aus freier Wildbahn stammen, weil Zoo-Tiere fast immer beringt sind.

Bereits Ende vergangenen Jahres hatte sich ein Pelikan nach Schleswig-Holstein verirrt:

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