Eutins Schloss als Wegbegleiter

Das Europazimmer mit seiner aufwändigen Deckenmalerei durfte beim Rundgang von Landeskonservator Michael Paarmann mit Schlosschefin Brigitta Herrmann nicht fehlen. Es ist sein Lieblingsort in Eutins Wahrzeichen.
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Das Europazimmer mit seiner aufwändigen Deckenmalerei durfte beim Rundgang von Landeskonservator Michael Paarmann mit Schlosschefin Brigitta Herrmann nicht fehlen. Es ist sein Lieblingsort in Eutins Wahrzeichen.

Abschiedsbesuch des obersten Denkmalpfleger Schleswig-Holsteins, Dr. Michael Paarmann / Auszeichnung überreicht

shz.de von
14. März 2019, 17:55 Uhr

Ein besonderer Besucher durfte sich gestern – bevor das Schloss ab 23. März nach der Winterpause wieder für die Öffentlichkeit geöffnet ist – noch einmal in den Räumen umschauen: Landeskonservator Dr. Michael Paarmann genoss sichtlich den Blick auf Antependium, Europazimmer und Co.

Seit knapp mehr als 20 Jahren ist Paarmann der oberste Denkmalpfleger Schleswig-Holsteins. Per 1. April geht der 65-Jährige in den Ruhestand. Vor seinem letzten Arbeitstag am 29. März ließ er es sich nicht nehmen, dem Eutiner Wahrzeichen einen Besuch abzustatten.

„Es passte nicht viel Papier zwischen der Stiftung Schloss Eutin und der Denkmalpflege“, sagte Paarmann. Das Schloss hat ihn sein ganzes Leben begleitet – nicht nur von Berufswegen. Der gebürtige Löhrstorfer (bei Neukirchen) hat zu Eutin eine besondere Beziehung. Von 1974 bis 1976 diente er in der Rettberg-Kaserne als Soldat, hat als junger Zugführer mit Kameraden an einem Gottesdienst in der Schlosskapelle teilgenommen. „Das hatte etwas, was nicht in den strengen Dienstplan gehörte“, sagt Paarmann.

Seine Vorliebe und sein Fachwissen gelten der Kulturlandschaft Schleswig-Holsteins. Das Schloss Eutin hat dabei eine gewichtige Rolle gespielt. „Er hat uns viel Zeit geschenkt“, sagte Schlosschefin Brigitta Herrmann. Sein „Schatz an großer Erfahrung“, sein „geballtes Wissen“ hat laut Herrmann dem Schloss stets geholfen, insbesondere bei der aktuellen Renovierung, die auch moderne Einbauten wie Fahrstuhl, Rampen und Notausgang-Schilder umfasste. Paarmann sei es zu verdanken, dass es „ästhetische Bereicherungen des Schlosses wurden“, so Herrmann.

Für Paarmann muss „Neues eine besondere Qualität haben“. Es müsse in einem Denkmal ablesbar sein, was alt und was neu ist. Beides müsse aber gleichberechtigt sein, in einen Dialog treten – wie im Schloss Eutin. „Wenn das gelingt, ist für ein Denkmal viel gewonnen“, so Paarmann.

Beobachten, begleiten, gestalten: Bei dem Barockgebäude hatte er stets betont, Neues sichtbar zu machen und auch dazu zu stehen, sagte Herrmann, die Paarmann als sehr gründlichen, feinsinnigen Menschen charakterisierte.

Der Vater von vier erwachsenen Kindern, der mit seiner Partnerin in einem alten Haus in der Nähe von Preetz lebt, geht „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“. Ein Nachfolger steht noch nicht fest. „Ich bin gespannt“, sagte Paarmann, der das Amt des Landeskonservators seit Oktober 1998 bekleidet.

Als Abschiedsgeschenk gab es die Denkmalschutz-Plakette für das Schloss. Diese gilt als eine Auszeichnung für Leistungen in der Denkmalpflege und die Bewahrung des kulturellen Erbes in Schleswig-Holstein. Die Plakette soll am Tor angebracht werden, schlug Paarmann vor. Ob sie korrekt hängt, wird der Pensionär in spe dienstlich nicht mehr bewerten müssen. Aber Paarmann versprach, weiterhin „mit Herz, Ohr und Auge“ beim Schloss zu bleiben.

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