Eutins Innenstadt ist Durchschnitt

Eutins Innenstadt mangele es an der „Barrierefreiheit“ und dem „Erlebnischarakter“, so das Ergebnis der Befragung.
Eutins Innenstadt mangele es an der „Barrierefreiheit“ und dem „Erlebnischarakter“, so das Ergebnis der Befragung.

Bundesweite Umfrage: Schulnote 3 für Eutiner City / Online-Handel nimmt an Bedeutung zu – und lokalen Händlern Kunden weg

shz.de von
27. Januar 2015, 10:51 Uhr

25 Schüler der Beruflichen Schulen des Kreises Ostholstein befragten im vergangenen Herbst rund 300 Passanten in Eutin zur Attraktivität der Innenstadt. Die Interviews waren Teil der bundesweiten Studie „Vitale Innenstädte“, an der die Kreisstadt neben 61 anderen Städten zeitgleich teilnahm. Gestern wurden nun die Ergebnisse dieser größten empirisch basierten Untersuchung zur Zukunft der Stadtzentren vorgestellt.

Insgesamt erreichte der zukünftige Austragungsort der Landesgartenschau eine Schulnote 3. „Das entspricht in etwa dem bundesdeutschen Durchschnitt“, sagt Stadtmanagerin Kerstin Stein-Schmidt, die die Untersuchung in Eutin in Kooperation mit der Wirtschaftsvereinigung Eutin (WVE) und den Beruflichen Schulen des Kreises Ostholstein organisierte.

Auf der Negativseite muss Eutin die „Barrierefreiheit“, „Erlebnischarakter“ und „Freizeit“ verbuchen. „Vieles in der Stadt ist in die Jahre gekommen“, gestand Stein-Schmidt gestern ein. Durchschnittliche Werte wurden in folgenden Kategorien erreicht: Gestaltung der Innenstadt, Atmosphäre, Regionale Verbundenheit, Sauberkeit, Sicherheit, Vielfalt und Angebote der Geschäfte, Gastronomie, Besucherzahl und Parkmöglichkeiten. Auf der Positivseite der Bilanz steht bei Eutin die Erreichbarkeit der Stadt.

Die Studie brachte aber nicht nur Stärken und Schwächen ans Licht: Auch wie der Durchschnittsbesucher der Stadt aussieht, konnte die Studie ermitteln: „Der typische Innenstadtbesucher ist weiblich, 40+, wohnt in der Stadt und kommt mit dem Auto“, berichtet Stein-Schmidt. „Frau Mustermann“ lebt in einem Zwei-Personen-Haushalt und besucht die Stadt mehrmals pro Woche. Dann kauft sie hier Lebensmittel, Getränke, Bekleidung, Kosmetik und Gesundheitsartikel in der Innenstadt ein. Sie vermisst Artikel aus dem Bereich Multimedia, Elektronik und Foto. „Bislang kauft sie kaum online ein – informiert sich dort aber über Angebote“, sagt Stein-Schmidt.

Und gerade dieser Fakt könnte zum wunden Punkt der Innenstädte werden: Für die bundesweite Auswertung der Umfrage hat das Institut für Handelsforschung Köln (IFH) ermittelt, dass jeder fünfte Innenstadtbesucher wegen des wachsenden Online-Angebots heute seltener durch die Einkaufsstraßen als früher bummelt. Und: Der Kundenschwund trifft demnach große wie kleine Städte gleichermaßen. Dieser Umstand sei in Eutin noch nicht so stark ausgeprägt, sagt Stein-Schmidt.

Experten kritisieren, dass viele Kommunalpolitiker nicht begreifen, wie sehr der Online-Handel ihre Innenstädte bedrohe. „Wir müssen die Attraktivität insgesamt steigern, nur dann können wir bestehen“, sagt Hans-Wilhelm Hagen, Vorstandsmitglied der WVE. Dennoch sei es wichtig, die Ergebnisse der Befragung zu nutzen. Denn – und das ist ein weiteres Ergebnis der bundesweiten Studie: Stadtzentren sind bei Alt und Jung gleichermaßen beliebt. Alle Altersgruppen sind dabei mit ihren Stadtzentren grundsätzlich zufrieden.

Mit seiner Note 3 steht Eutin aber nicht allein da: Ihre Innenstädte bewerteten alle Befragten durchschnittlich mit der Schulnote drei plus, wobei große Städte mit über 500  000 Einwohnern mit einer 2,5 am besten abschnitten – wie Hamburg. Kleinere unter 25  000 Einwohnern waren mit 3,0 am schlechtesten. Den Kunden fehlen dort vor allem gute Modeläden und Elektronikmärkte, hieß es von der federführenden IFH.

„Das ist überhaupt kein gutes Ergebnis“, bewertete der Standortexperte des Handelsverbands Deutschland, Michael Reink, die drei plus. Der Handlungsbedarf sei groß. „Wir müssen zusehen, dass der Freizeitwert in den Innenstädten massiv erhöht wird.“ Reink warnte auch davor, Anziehungspunkte wie Ordnungsämter und Bibliotheken aus den Innenstädten fortziehen zu lassen. „Da sind bundesweit einige Fehler gemacht worden.“

Der Studie sollen nun Gespräche mit Vertretern aus Politik und Wirtschaft folgen, so Stein-Schmidt. „Beratung und Service: Damit kann Eutin punkten“, sagt die Stadtmanagerin.

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