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Begnadetes Alter : Eutins Ehrenbürger ist 95 geworden

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Der Eutiner Ehrenbürger Ernst-Günther Prühs hat in kleiner Runde seinen Geburtstag gefeiert.

Bürgervorsteher Dieter Holst und Kreispräsident Ulrich Rüder haben am Sonnabend ein gemeinsames Ziel angesteuert: Die höchsten Repräsentanten der Stadt und des Kreises haben Ernst-Günther Prühs und ihm offiziell zum Geburtstag gratuliert. Eutins Ehrenbürger, zugleich Ehrenpräsident des ostholsteinischen Kreistages, hat am Sonnabend die Vollendung seines 95. Lebensjahres gefeiert.

„Wir feiern mit einem kleinen Empfang bei uns zu Hause. Die beiden Herren haben sich angemeldet, ebenso Mitglieder meines Freundeskreises. Vielleicht kommt auch noch die Pastorin“, hatten sich der Jubilar und seine Ehefrau Herta Johanna über den Familienkreis hinaus auf eine illustre Gästeschar eingestellt.

Die obligatorische Frage nach seinem Befinden beantwortete der pensionierte Studiendirektor, der bis 1990 gut drei Jahrzehnte ehrenamtlich in der Kommunalpolitik sehr aktiv war, dem OHA am Telefon so: „Ich fühle mich eigentlich ganz normal, am Donnerstag habe ich noch im Garten gearbeitet. Aber Vorträge und Konzerte kann ich nicht mehr besuchen, weil ich da zu viele Probleme mit dem Hören habe. Leider.“

Sein Rezept für ein langes Leben in rüstiger Verfassung gab Eutins Ehrenbürger schmunzelnd preis: „Man sollte einen guten Trunk nicht verabscheuen.“ Und mit erhobener Stimme fortfahrend: „Man muss in Bewegung bleiben, immer wieder etwas tun. Und sich vor allem geistig wach halten.“

Für Ernst-Günther Prühs gehört die Beschäftigung mit historischen Themen, vorzugsweise aus Eutins Geschichte, aber auch das Verfolgen aktueller Entwicklungen in aller Welt immer noch zum Alltag. Zur neuen Regierungsbildung in Deutschland hat der ehemalige Gymnasiallehrer für Deutsch und Geschichte, der sich zeitlebens als politisch denkender und handelnder Bürger verstanden hat und seit nun 65 Jahren CDU-Mitglied ist, natürlich eine klare Meinung: „Es bleibt nur die große Koalition. Besser aber wären gleich Neuwahlen, die wird es in einiger Zeit dann wohl auch geben.“ Seine Begründung: „Das Kräfteverhältnis zwischen CDU und SPD ist zu ungleich. Das kann in einer Regierung auf Dauer nicht gut gehen, das gibt Ärger.“

Einmal im politischen Fahrwasser kommt gleich die nächste Positionsmeldung: „Ich bin Anhänger des Mehrheitswahlrechtes. Das hat zwar auch Nachteile, weil ein großer Teil des Volkes keine Stimme im Parlament hat. Aber es schafft für eine Wahlperiode klare Verhältnisse, das ist der Vorteil.“ Vor fast 50 Jahren, als in Bonn unter Kanzler Kiesinger CDU und SPD gemeinsam regierten, wurde eine solche Wahlrechtsänderung geplant, aber dann doch nicht realisiert. „Und jetzt ist das überhaupt nicht mehr möglich“, trauert Prühs einer damals vergebenen Chance nach.

Perspektivwechsel: Reden wir ein wenig über Eutin. Der Ehrenbürger macht kein Hehl aus seiner Erleichterung, dass es mit der Umwandlung der Schlossterrassen in ein Hotel nichts wird: „Darüber bin ich sehr, sehr froh. Das hätte doch gar nicht zum Schloss gepasst.“ Die Persönlichkeit, die Eutin im 20. Jahrhundert am stärksten geprägt habe, sei Bischof Wilhelm Kieckbusch: „Seine Ausstrahlung, national konservativ, hat über das kirchliche Leben hinaus von 1920 bis in die 70er Jahre großen Eindruck auf viele gemacht. Er hat mich bei der Kirche gehalten.“

Noch eine Frage: „In welchem Jahrhundert hätten Sie gern in Eutin gelebt?“ Die postwendende Antwort: „In der kulturellen Blützezeit gegen Ende des 18. Jahrhunderts, als Johann Heinrich Voß hier wohnte. Aber lieber noch lebe ich heute.“ Dies gelte umso mehr, als er nicht allein die Beschwerlichkeiten des Alters meistern müsse: „Dass meine Frau und ich noch zusammen sind, ist das Schöne, das ganz große Glück meines Lebens. Es ist eine Gnade.“

 

 

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erstellt am 12.Okt.2013 | 04:00 Uhr

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