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Hilfsorganisation braucht Hilfe : Eutiner Tafel in Geldnot

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Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Steigende Kosten und sinkende Zuschüsse bringen den Verein, der wöchentlich etwa 850 Menschen versorgt, in Bedrängnis. Die Eutiner Tafel bittet die Stadt um Hilfe.

shz.de von
erstellt am 03.Jan.2014 | 12:15 Uhr

Eutin | Sie hilft Menschen in Not, doch nun ist sie selbst in Bedrängnis geraten: Die Eutiner Tafel ist in finanziellen Schwierigkeiten. Während Zuschüsse und Spenden sinken, muss der 1996 gegründete Verein immer mehr Geld für Strom, Gas und Kraftstoff ausgeben. „Wir sind viele Jahre zurechtgekommen. Aber jetzt ist einfach der Punkt erreicht, wo wir nicht mehr zurechtkommen“, erklärt Tafel-Vorsitzende Monika Gertenbach. Die 61-Jährige hat 2012 den Vorsitz von Karin Hagemann übernommen.

Im vergangenen Jahr sind die Kosten im Vergleich zu 2012 um mehr als 6500 Euro gestiegen. Stark ins Kontor schlägt beispielsweise der schrittweise Rückzug eines Großsponsors, der seine jährliche Spende 2013 stark gekürzt hat. In diesem Jahr soll die Summe noch einmal um 1500 Euro sinken. Ursprünglich wurde von diesem Geld der Kraftstoff gezahlt, der nötig ist, um Lebensmittel und weitere Sachspenden bei Supermärkten, Bäckereien, Marktständen und Drogeriemärkten abzuholen.

Hinzu kommt, dass das Jobcenter Ostholstein die Pauschale, die es für die Beschäftigung von Ein-Euro-Jobbern an die Tafel zahlt, 2013 um rund 3500 Euro gesenkt hat. Im Gegenzug erhöhte der Vermieter der Ausgabestelle am Stadtgraben die Miete um rund 1400 Euro, die Kosten für Strom und Gas stiegen um fast 650 Euro und für Kraftstoff um fast 1000 Euro. „Dadurch sind wir ein bisschen in Schieflage gekommen. Diese Mehrkosten müssen wir irgendwie auffangen“, sagt Monika Gertenbach.

Zu allem Überfluss fiel eine teure Reparatur am tafeleigenen Kühlfahrzeug an, die fast 2000 Euro verschlang. Und 2014 fing schlecht an: Erst gestern gab der Anlasser des Kühlfahrzeugs seinen Geist auf, berichtet Monika Gertenbach. Demnächst ist außerdem eine größere Investition für ein neues Kühlregal fällig.

Die Tafel hat bereits reagiert. Anfang November erhöhte sie den symbolischen Beitrag pro Nehmerfamilie von 50 Cent auf einen Euro. Dadurch verdoppelten sich die monatlichen Einnahmen, die nun um die 650 Euro liegen. Die Betroffenen hätten das „klaglos“ aufgenommen, sagt Monika Gertenbach. Ihnen sei bewusst, dass auch die Tafel unter steigenden Kosten leide.

Derzeit sind es etwa 850 Menschen in Eutin, Malente und Umgebung, die wöchentlich mit Lebensmitteln versorgt werden, meist Ältere und Flüchtlinge aus Krisengebieten. Und die etwa 60 ehrenamtlichen Helfer bekommen eher mehr als weniger zu tun. „Die Zahl der Bedürftigen wächst von Jahr zu Jahr“, weiß Monika Gertenbach. Seit Herbst 2011 sei die Tafel auch einmal pro Woche in Malente – dort dient die Halle des Sportzentrums als Verteilstation für etwa 150 Einwohner.

Um die finanzielle Lage zu stabilisieren, hat sich die Tafel an die Stadt Eutin gewandt mit der Bitte, den jährlichen Zuschuss von 900 Euro anzuheben. Monika Gertenbach hofft, dass der Sozialausschuss noch in diesem Monat eine Entscheidung zugunsten des Vereins trifft. Und vielleicht hilft auch die Gemeinde Malente, die bislang keinen Zuschuss gibt. Auch hier will die Tafel einen Förderantrag stellen.

> Eutiner Tafel, Königstraße 3, Telefon 04521/778508

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