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Ostholsteiner Anzeiger

20. Oktober 2017 | 00:11 Uhr

Eutin : Eutiner Tafel: „Hier brennt’s“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Aufgrund des großen Ansturms öffnet die Tafel jetzt auch vormittags eine Stunde. Über 200 Menschen kommen pro Woche mehr.

shz.de von
erstellt am 20.Nov.2014 | 14:00 Uhr

Die Tafeln im Land schlagen Alarm – zusätzlich zu der steigenden Zahl an Bedürftigen kommen nun auch immer mehr Flüchtlinge zu den Ausgabestellen (wir berichteten). Monika Gertenbach, Vorsitzende der Eutiner Tafel, kennt dieses Problem nur zu gut. „Hier brennt’s. Wir haben, weil die Warteliste für unsere Nachmittagsausgabe immer länger wurde, eine zusätzliche Stunde am Vormittag eingerichtet.“ Die sei so gut besucht, dass die Eutiner Ausgabestelle vormittags allein zusätzlich 200 Menschen versorgt. Das Problem: Diese Menschen können nur alle 14 Tage kommen, sonst reicht das Essen für die anderen nicht, sagt Gertenbach.

Auch gestern musste sie gemeinsam mit den ehrenamtlichen Helfern den Mangel verwalten: Gerade einmal zwei Äpfel waren noch für rund 25 Kartons am Nachmittag da und etwas mehr als 20 Mandarinen. Mehr Obst blieb nicht übrig. „Es ist wie es ist. An manchen Tagen haben wir vier Kisten Äpfel. Aber wir können nur ausgeben, was da ist.“ Die Tafel könne nur ein Zubrot liefern, keine Rund-um-Versorgung leisten.

Dass dies nicht immer einfach ist, erlebt auch Michael Schalke. Er ist seit drei Jahren ehrenamtlicher Helfer und verteilt an diesem Tag die Kühlwaren. Gertenbach: „Die Flüchtlinge stehen dann hier oft vorm Regal und zeigen, was sie alles möchten. Unsere Mitarbeiter müssen da Grenzen setzen, weil sie den Überblick haben, wie viele Menschen an dem Tag noch kommen.“ Oft sei das eine sehr unangenehme Situation. Seit etwa acht Wochen, so erzählt Schalke, merke er einen deutlich Zuwachs an Flüchtlingen als
Tafelkunden. Doch nicht nur Flüchtlinge, sondern auch Deutsche kommen zur Extra-Öffnung. So wie Martina P.* (38), die hier für sich und ihre Tochter einkauft. „Ich würde meinen Platz gern an einen anderen abgeben, der es auch braucht, aber momentan geht es bei uns nicht ohne die Tafel.“ Mit dem Mini-Job allein sei das Geld zu knapp für zwei.

Im Gegensatz zu anderen Städten im Land, weise die Stadt Eutin die ankommenden Flüchtlinge laut Ordnungsamt nicht gezielt auf die Ausgabestellen hin. Bei den Flüchtlingen funktioniere das über Mund-zu-Mund-Propaganda. Unter den insgesamt rund 850 Menschen, die die Tafel in Eutin und Malente versorgt, seien etwa 90 Flüchtlinge.

Monika Gertenbach: „Die Vernetzung unter den einzelnen Tafeln funktioniert wirklich gut.“ Hat eine Ausgabe in der Nähe eines großen Citti-Marktes beispielsweise etwas übrig, geben sie an die umliegenden ab, davon profitieren auch die Eutiner. Und dass die Flüchtlingsproblematik in anderen Kommunen noch größer scheint, erzählt ein Tafelfahrer, der ebendiese Ware Dienstag in Preetz abholte: „Die Flüchtlinge kamen dort in DRK-Bussen sogar aus Raisdorf, um noch Lebensmittel zu bekommen.“

Eines betont Monika Gertenbach: „Wir sind dankbar für alle Unterstützung der Märkte und Bäcker, die wir unterhalten. Das Problem, das wir hier auslöffeln müssen, ist von der Politik gemacht. Dort sollte man sich überlegen, wie man der Lage Herr werden kann.“

 

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