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Eutiner Polizisten räumen Flensburger Kulturzentrum

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Autonome Hausbesetzer leisten Widerstand / 17 Festnahmen / Aktion nicht unumstritten

shz.de von
erstellt am 04.Feb.2016 | 14:00 Uhr

Mit der Unterstützung von 220 Polizeibeamten – vorrangig aus Eutin –, Wasserwerfern und Räumpanzern ist gestern das alternative Flensburger Kulturzentrum Luftschlossfabrik geräumt worden. Nach Polizeiangaben wurden 17 der rund 40 Besetzer festgenommen. „Die Polizei wurde sofort mit Steinen beworfen, alle Zufahrten waren barrikadiert“, berichtete Polizei-Einsatzleiter Jörn Tietje am Nachmittag. Drei Personen hätten sich in einem Holzturm angekettet, zwei davon an einem Betonblock. „Mit so massiven Gewalttätigkeiten haben wir nicht gerechnet.“ Die Polizei ermittelt wegen Landfriedensbruch.

Flensburgs Oberbürgermeister Simon Faber (SSW) verteidigte die inzwischen vollständige Räumung des Geländes an der Harniskaispitze auf der Hafenostseite. „Die Stadt hat schon viel Geduld und Ausdauer gezeigt. Ich halte nichts davon, sich immer weiter hinhalten zu lassen“, sagte Faber. Es habe in keiner Phase eine politische Mehrheit in Flensburg für eine längere Duldung der illegalen Besetzung gegeben. Erst kurz vor Ablauf des letzten von mehreren Ultimaten am Dienstagabend hatten die Siedler nach mehr als zwei Jahren ihre Bauwagen und Wertgegenstände in Sicherheit gebracht.

Die Nordspitze der künstlichen Halbinsel am Flensburger Hafenostufer ist seit Jahren eine Industriebrache. Vor fünf Jahren vergab die Stadt das Sahnegrundstück am Hafen an die mysteriöse Firma Tycoon GmbH, die hier eine neue Montagehalle und ein Schulungszentrum für Bodeneffektfahrzeuge versprach, eine Mischung aus Schiff und Flugzeug. Die angekündigten 40 Arbeitsplätze für hoch qualifiziertes Personal entstanden aber nie.

„Das Angebot, offen über mögliche Plätze für alternative Wohnformen wie Wagenburgen zu diskutieren und dafür geeignete Plätze zu identifizieren ist von unserer Seite auch ernst gemeint“, erklärte Faber.

Kritik gab es unter anderem von Linken und Grünen. „Ohne Konzepte zur Nachnutzung des Geländes wird aus sturer Prinzipienreiterei die Eskalation gesucht“, schimpfte der Flensburger Landtagsabgeordnete Rasmus Andresen (Grüne). Für diese verfehlte Politik hätten 220 Polizeibeamte den Kopf hinhalten müssen.

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